Bauchfett ab 55: Warum Planks laut Sporthochschule Köln nicht mehr empfohlen werden

Geschrieben von Barbara· 5 Min. Lesezeit
Bauchfett ab 55: Warum Planks laut Sporthochschule Köln nicht mehr empfohlen werden
Bauchfett ab 55: Warum Planks laut Sporthochschule Köln nicht mehr empfohlen werden

Ab einem bestimmten Alter verändert sich der Körper grundlegend – und das Bauchfett bleibt hartnäckig. Wer über 55 ist und regelmäßig Sport treibt, kennt das Phänomen : trotz Anstrengung sammelt sich Fett bevorzugt um die Taille an. Gleichzeitig boomt in Fitnessstudios und Online-Kursen die Übung schlechthin gegen Rumpfschwäche : der Plank. Doch Experten der Sporthochschule Köln warnen zunehmend davor, diese Übung nach dem 55. Lebensjahr unkritisch einzusetzen. Was steckt hinter dieser Empfehlung – und welche Alternativen gibt es ?

Den Zusammenhang zwischen Alter und Ansammlung von Bauchfett verstehen

Hormonelle Veränderungen als Hauptursache

Mit dem Älterwerden sinkt der Spiegel wichtiger Hormone wie Östrogen, Testosteron und Wachstumshormon. Diese Veränderungen begünstigen die Einlagerung von viszeralem Fett – also jenem Fett, das sich tief im Bauchraum um die inneren Organe ansammelt. Dieses Fett ist nicht nur ästhetisch störend, sondern gilt als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und metabolisches Syndrom.

Verlangsamter Stoffwechsel und Muskelschwund

Gleichzeitig verlangsamt sich der Grundumsatz des Körpers mit zunehmendem Alter. Der Muskelschwund – medizinisch als Sarkopenie bezeichnet – führt dazu, dass der Körper weniger Kalorien verbrennt, selbst in Ruhe. Das Ergebnis : Fett lagert sich leichter an, besonders im Bauchbereich. Um diesem Prozess entgegenzuwirken, greifen viele Menschen zu Kraftübungen – darunter auch Planks.

Diese biologischen Veränderungen erklären, warum klassische Trainingsmethoden für ältere Sportler nicht immer geeignet sind – und warum bestimmte Übungen wie der Plank neu bewertet werden müssen.

Die Planks: Ein unverzichtbares Training, aber zu welchem Preis ?

Was ein Plank leistet

Der Plank gilt als eine der effektivsten Übungen zur Stärkung der Rumpfmuskulatur. Er beansprucht gleichzeitig die tiefen Bauchmuskel, den unteren Rücken, die Schultern und die Hüftbeuger. Bei korrekter Ausführung verbessert er die Körperhaltung, stabilisiert die Wirbelsäule und kann langfristig Rückenschmerzen vorbeugen. Kein Wunder, dass er in fast jedem Fitnessprogramm auftaucht.

Die Schattenseiten für ältere Sportler

Was für einen 30-Jährigen problemlos funktioniert, kann für einen Menschen über 55 zur echten Belastung werden. Die statische Halteposition des Planks erzeugt einen erheblichen Druck auf die Lendenwirbelsäule. Bei älteren Personen, deren Bandscheiben bereits an Elastizität verloren haben, kann diese Belastung zu Mikrotraumata, Bandscheibenvorfällen oder chronischen Schmerzen führen. Hinzu kommt, dass viele Anfänger die Übung falsch ausführen – mit durchhängender Hüfte oder übermäßig angespanntem Nacken – was das Verletzungsrisiko weiter erhöht.

Angesichts dieser Risiken haben Sportwissenschaftler begonnen, die Eignung des Planks für ältere Zielgruppen systematisch zu untersuchen – mit aufschlussreichen Ergebnissen.

Warum die Sporthochschule Köln Planks nach 55 Jahren nicht empfiehlt

Die wissenschaftliche Einschätzung

Experten der Sporthochschule Köln, einer der renommiertesten Sportforschungseinrichtungen Deutschlands, haben in ihren Empfehlungen für Seniorensport darauf hingewiesen, dass statische Übungen mit hohem Druckaufbau wie der klassische Plank für Menschen ab 55 Jahren mit erhöhtem Risiko verbunden sind. Die Begründung ist biomechanisch : die Wirbelsäule älterer Menschen ist weniger belastbar, und die isometrische Anspannung beim Plank kann den intraabdominalen Druck in einem Maße erhöhen, das für geschwächte Strukturen problematisch wird.

Besondere Risikogruppen

Besonders gefährdet sind Personen mit folgenden Vorerkrankungen oder körperlichen Merkmalen :

  • Bandscheibenprobleme oder Wirbelkanalverengung
  • Osteoporose oder verminerte Knochendichte
  • Chronische Rückenschmerzen im Lendenbereich
  • Bluthochdruck, da isometrische Übungen den Blutdruck kurzfristig stark erhöhen können
  • Schwache Schulter- oder Handgelenksmuskulatur

Für diese Gruppen empfehlen die Kölner Sportwissenschaftler, den Plank vollständig durch gelenk- und wirbelsäulenschonendere Übungen zu ersetzen.

Doch welche Übungen kommen als sinnvolle Alternativen infrage, ohne auf die Stärkung der Rumpfmuskulatur verzichten zu müssen ?

Alternativen zu Planks zur Verringerung des Verletzungsrisikos

Übungen im Liegen

Übungen in Rückenlage bieten eine deutlich geringere Belastung für die Wirbelsäule. Dazu gehören :

  • Dead Bug : Im Liegen werden abwechselnd Arm und gegenüberliegendes Bein gestreckt, während der Rücken flach auf dem Boden bleibt. Diese Übung trainiert die tiefe Bauchmuskulatur ohne axialen Druck.
  • Beckenheben (Glute Bridge) : Aus der Rückenlage wird das Becken angehoben und gehalten. Stärkt Gesäß, untere Rückenmuskulatur und Hüftstabilisatoren.
  • Beinsenken mit Kontrolle : Beide Beine werden leicht angehoben und langsam abgesenkt, ohne den Rücken vom Boden zu heben.

Funktionelle Bewegungsübungen

Statt statischer Haltungen empfehlen Sportwissenschaftler für ältere Sportler funktionelle Bewegungen, die mehrere Muskelgruppen gleichzeitig ansprechen :

  • Kniebeugen mit Körpergewicht : stärken Beine, Gesäß und Rumpf gleichzeitig
  • Seitliche Beinhebungen im Stand : verbessern die Hüftstabilität
  • Wassergymnastik : schont die Gelenke bei gleichzeitig hoher muskulärer Beanspruchung

Diese Alternativen zeigen, dass ein effektives Bauchtraining nach 55 Jahren durchaus möglich ist – vorausgesetzt, das Programm ist gut strukturiert und auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt.

Tipps für ein sicheres Trainingsprogramm nach 55 Jahren

Ärztliche Abklärung vor dem Start

Wer nach dem 55. Lebensjahr ein neues Trainingsprogramm beginnt, sollte zunächst einen Arzt oder Physiotherapeuten konsultieren. Eine Untersuchung der Wirbelsäule, des Blutdrucks und der allgemeinen körperlichen Belastbarkeit hilft dabei, individuelle Risiken frühzeitig zu erkennen und das Training entsprechend anzupassen.

Grundsätze für ein altersgerechtes Training

Ein sicheres und wirksames Trainingsprogramm für Menschen über 55 sollte folgende Prinzipien berücksichtigen :

  • Progressivität : langsame Steigerung von Intensität und Dauer
  • Regelmäßigkeit : mindestens drei Einheiten pro Woche für nachhaltige Effekte
  • Abwechslung : Kombination aus Kraft-, Ausdauer- und Beweglichkeitstraining
  • Erholung : ausreichend Regenerationszeit zwischen den Einheiten einplanen
  • Korrekte Ausführung : lieber weniger Wiederholungen mit sauberer Technik als viele mit schlechter Form

Die Rolle der Ernährung nicht unterschätzen

Kein Training allein kann Bauchfett dauerhaft reduzieren, wenn die Ernährung nicht stimmt. Eine proteinreiche, entzündungshemmende Ernährung mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten und gesunden Fetten unterstützt den Muskelaufbau und hilft, viszerales Fett abzubauen. Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel sollten dagegen deutlich reduziert werden.

Bauchfett ab 55 ist eine ernsthafte gesundheitliche Herausforderung, die ein durchdachtes und wissenschaftlich fundiertes Vorgehen erfordert. Der Plank mag für jüngere Sportler eine ideale Übung sein – für Menschen über 55 überwiegen jedoch die Risiken häufig den Nutzen, wie Experten der Sporthochschule Köln deutlich machen. Schonendere Alternativen wie der Dead Bug, das Beckenheben oder funktionelle Bewegungsübungen bieten eine effektive Möglichkeit, die Rumpfmuskulatur zu stärken, ohne Wirbelsäule und Gelenke unnötig zu belasten. Kombiniert mit einer ausgewogenen Ernährung und einem individuell angepassten Trainingsprogramm lässt sich auch im fortgeschrittenen Alter spürbar Bauchfett reduzieren – sicher, nachhaltig und ohne das Verletzungsrisiko zu erhöhen.

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