Bitte keine Tomaten: So gelingt die echte Bolognese wie in Bologna

Geschrieben von Annika· 5 Min. Lesezeit

In Bologna, der kulinarischen Hauptstadt Italiens, wird die ragù alla bolognese seit Generationen nach einem streng gehüteten Originalrezept zubereitet. Die authentische Version dieser weltberühmten Sauce enthält überraschenderweise keine Tomaten oder nur eine minimale Menge Tomatenmark. Stattdessen basiert sie auf einem langsam geschmorten Fleischfond mit Milch, Wein und aromatischem Gemüse. Diese traditionelle Zubereitung unterscheidet sich grundlegend von der tomatenlastigen Variante, die außerhalb Italiens populär wurde. Das Geheimnis liegt in der geduldigen Kochzeit von mehreren Stunden, während der sich die Aromen zu einer samtigen, tief schmeckenden Sauce verbinden. Wer diese echte bolognese einmal probiert hat, versteht, warum die Einwohner Bolognas so stolz auf ihr kulinarisches Erbe sind.

20

180

mittel

€€

Zutaten

Personen+

Utensilien

Zubereitung

1. Das soffritto vorbereiten

Zwiebeln, Karotten und Sellerie sehr fein würfeln. Diese Gemüsemischung nennt man in Italien soffritto, die aromatische Basis vieler italienischer Gerichte. Je feiner ihr das Gemüse schneidet, desto besser löst es sich später in der Sauce auf und gibt seinen Geschmack ab. Den Pancetta ebenfalls in kleine Würfel schneiden.

2. Die aromatische Basis anbraten

In einem schweren Topf das Olivenöl bei mittlerer Hitze erwärmen. Den gewürfelten Pancetta darin etwa 5 Minuten anbraten, bis er sein Fett ausgelassen hat und leicht gebräunt ist. Das ausgetretene Fett verleiht der Sauce später einen herrlich würzigen Geschmack. Das vorbereitete Gemüse hinzugeben und unter gelegentlichem Rühren etwa 10 Minuten sanft anschwitzen, bis es weich und glasig wird. Achtet darauf, dass nichts anbrennt.

3. Das Fleisch anbraten

Die Hitze erhöhen und das Rinder- sowie Schweinehackfleisch hinzufügen. Mit einem Holzlöffel das Fleisch auseinanderdrücken und unter häufigem Rühren etwa 10 bis 15 Minuten kräftig anbraten. Das Fleisch soll seine Farbe verlieren und schön krümelig werden. Dieser Schritt ist wichtig, damit sich die Röstaromen entwickeln können, die der Sauce Tiefe verleihen. Mit Salz und Pfeffer würzen.

4. Mit Wein ablöschen

Den Weißwein angießen und die Hitze hochdrehen. Der Alkohol soll bei starker Hitze verdampfen, während die Aromen im Topf bleiben. Mit dem Holzlöffel den Topfboden abkratzen, um alle angesetzten Röststoffe zu lösen. Diese braunen Stückchen sind pure Geschmacksträger. Den Wein etwa 5 Minuten köcheln lassen, bis er fast vollständig verdampft ist.

5. Die Milch hinzufügen

Jetzt kommt die Besonderheit der echten bolognese: die Milch eingießen und gut umrühren. Die Milch verleiht der Sauce ihre charakteristische Cremigkeit und mildert die Säure. Bei mittlerer Hitze köcheln lassen, bis die Milch fast vollständig eingekocht ist. Das dauert etwa 15 bis 20 Minuten. Geduld ist hier wichtig.

6. Tomatenmark und Brühe einarbeiten

Das Tomatenmark einrühren und kurz mitbraten, damit es sein volles Aroma entfaltet. Dann die Rinderbrühe angießen, die Lorbeerblätter hinzufügen und eine Prise frisch geriebene Muskatnuss darüber reiben. Die Hitze reduzieren, sodass die Sauce nur noch ganz sanft vor sich hin köchelt. Den Deckel leicht schräg auflegen, damit etwas Dampf entweichen kann.

7. Lange und geduldig schmoren

Jetzt beginnt die wichtigste Phase: die Sauce muss mindestens 2,5 bis 3 Stunden bei sehr niedriger Hitze köcheln. Rührt alle 20 bis 30 Minuten um und prüft, ob noch genügend Flüssigkeit vorhanden ist. Falls die Sauce zu trocken wird, gebt etwas Brühe oder Wasser nach. Die Sauce ist fertig, wenn sie eine sämige Konsistenz hat und das Fett sich an der Oberfläche absetzt. Schmeckt am Ende mit Salz, Pfeffer und etwas Muskatnuss ab.

8. Ruhen lassen

Nehmt die Lorbeerblätter heraus und lasst die Sauce noch 10 Minuten ruhen. In dieser Zeit verbinden sich die Aromen noch besser. Die bolognese schmeckt übrigens am nächsten Tag noch besser, wenn die Aromen Zeit hatten, richtig durchzuziehen.

Tipp vom Chefkoch

Die echte bolognese braucht Zeit und Geduld. Plant mindestens 3,5 Stunden ein und lasst euch nicht hetzen. Die lange Kochzeit ist das Geheimnis der samtigen Konsistenz. Wenn ihr die Sauce am Vortag zubereitet, intensiviert sich der Geschmack noch mehr. Bewahrt sie im Kühlschrank auf und wärmt sie vor dem Servieren langsam wieder auf. In Bologna serviert man die ragù traditionell mit tagliatelle, niemals mit Spaghetti. Die breiten Bandnudeln nehmen die Sauce viel besser auf. Frisch geriebener Parmigiano Reggiano ist das i-Tüpfelchen.

Weinbegleitung zur bolognese

Zur authentischen ragù alla bolognese passt ein mittelkräftiger italienischer Rotwein aus der Region Emilia-Romagna perfekt. Ein Sangiovese di Romagna harmoniert wunderbar mit den Fleischaromen und der samtigen Textur der Sauce. Alternativ könnt ihr einen Barbera d’Asti aus dem Piemont wählen, dessen fruchtige Säure die Cremigkeit der Sauce ausbalanciert. Auch ein Chianti Classico aus der Toskana ist eine ausgezeichnete Wahl. Achtet darauf, dass der Wein nicht zu schwer ist, damit er die feinen Nuancen der Sauce nicht überdeckt. Serviert den Wein leicht gekühlt bei etwa 16 bis 18 Grad.

Zusätzliche Info

Die ragù alla bolognese wurde 1982 offiziell von der Accademia Italiana della Cucina in Bologna kodifiziert und bei der Handelskammer der Stadt hinterlegt. Das Originalrezept enthält tatsächlich nur eine minimale Menge Tomatenmark, keine frischen Tomaten. Die tomatenlastige Version, die weltweit als Bolognese-Sauce bekannt ist, entspricht nicht der authentischen Zubereitung und wird in Bologna kritisch betrachtet.

Historisch entwickelte sich die Sauce im 18. Jahrhundert aus französischen Einflüssen, als französische Köche nach Bologna kamen. Die Kombination aus langsam geschmortem Fleisch und Milch ist typisch für die Küche der Emilia-Romagna. In Bologna gilt die Zubereitung der ragù als Kulturgut, das von Generation zu Generation weitergegeben wird. Viele Familien haben ihre eigenen kleinen Variationen, aber die Grundprinzipien bleiben gleich: hochwertige Zutaten, geduldiges Schmoren und minimale Tomaten.

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