Grillen im April: Warum REWE und ALDI jetzt schon Holzkohle im Angebot haben

Geschrieben von Annika· 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert am vor 4 Stunden

Wer Anfang April durch den Supermarkt schlendert, reibt sich vielleicht kurz die Augen: Zwischen Ostereiern und Frühlingsgemüse stapeln sich bereits die Säcke mit Holzkohle, Grillanzünder und Aluschalen. Rewe, Aldi und andere Handelsketten setzen die Grillsaison traditionell früh an – deutlich früher, als die Temperaturen draußen es vermuten lassen. Das hat handfeste Gründe, die mit Logistik, Konsumverhalten und einem spezifisch deutschen Ritual zu tun haben.

Der April ist in Deutschland meteorologisch ein Wechselbad: Morgens noch Frost, mittags zwanzig Grad in der Sonne, abends wieder Jacke. Und trotzdem – oder genau deshalb – kaufen die Deutschen im Frühjahr mehr Grillkohle als in manchen Sommerwochen. Wer verstehen will, warum die Supermarktregale schon jetzt voll sind, schaut am besten hinter die Kulissen des Saisongeschäfts.

Das frühjahrsgeschäft beginnt früher, als man denkt

Im Lebensmitteleinzelhandel gilt eine einfache Regel: Der Handel denkt mindestens zwei Monate voraus. Grillware wird von den Einkaufsabteilungen großer Ketten bereits im Winter geordert – auf Basis von Abverkaufsdaten, Wetterprognosen und den Erfahrungen der Vorjahre. Rewe und Aldi lancieren ihre Grillsortimente gezielt ab Mitte März, spätestens aber Anfang April, weil die Kundschaft genau dann kauft: nicht wenn es warm ist, sondern wenn der erste Sonnentag des Jahres kommt und der Impuls, den Grill aus dem Keller zu holen, unwiderstehlich wird.

Dieser erste Sonnentag kann im März sein, kann im April sein – und er dauert statistisch nur wenige Stunden. Wer dann nicht die richtige Kohle im Regal hat, verliert den Umsatz an den Nachbarn. Die Supermarktketten wissen das und reagieren entsprechend. Das Sortiment muss stehen, bevor der Bedarf entsteht.

Ostern als natürlicher Startschuss

Der Osterfeiertag spielt dabei eine entscheidende Rolle. Ostersonntag und Ostermontag gelten in Deutschland als erste große Grillanlässe des Jahres – Familien treffen sich, Gärten werden geöffnet, und selbst wenn die Temperaturen nur knapp über zehn Grad liegen, wird gezündet. Das Grillgut des April unterscheidet sich dabei kaum vom sommerlichen Standardprogramm: Bratwurst, Nackensteak, Hähnchenkeulen. Wer Frühlingsgemüse der Saison integrieren möchte, findet gerade jetzt Frühlingszwiebeln, erste Radieschen, Spargel aus der Region und zarte Salatherzen, die auf dem Rost überraschend gut funktionieren.

Spargelscheiben – längs aufgeschnitten, mit etwas Olivenöl und Meersalz – brauchen auf einem gut vorgeheizten Rost nur drei bis vier Minuten. Sie bekommen Röstaromen, behalten Biss und passen an Ostern zu jedem Fleisch. Das ist kein Trend, sondern schlichte Saisonküche.

Holzkohle vs. Briketts: Was Rewe und Aldi wirklich ins Regal stellen

Wer genauer hinschaut, bemerkt, dass die Frühjahrssortimente der Handelsketten einem klaren Muster folgen. Im Einstiegsbereich dominieren Holzkohlesäcke zwischen 3 und 5 Kilogramm zu Aktionspreisen – klassisch für den Impulsgriller, der spontan und einmalig kauft. Daneben finden sich Briketts in größeren Einheiten: komprimierter Brennstoff mit längerer, gleichmäßigerer Glut, eher für den erfahrenen Griller gedacht, der auf Temperaturkonstanz setzt.

Holzkohle erreicht ihre maximale Temperatur schneller – nach etwa zwanzig bis dreißig Minuten –, brennt aber auch schneller ab. Briketts brauchen länger zum Durchglühen, halten die Hitze dann aber deutlich länger. Für einen Osterabend mit vier Personen und einer Runde Würste reicht ein guter Holzkohlesack vollkommen. Wer ein ganzes Hähnchen indirekt gart oder über Stunden Low-and-Slow arbeiten will, ist mit Briketts besser bedient.

Aldi setzt dabei stark auf günstige Eigenmarken und saisonale Aktionsware, die oft nur wenige Wochen im Sortiment bleibt. Rewe kombiniert das mit einem breiteren Markenangebot – darunter Produkte mit FSC-Zertifizierung, also aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammende Holzkohle. Diese Unterscheidung lohnt sich beim Kauf: Das FSC-Siegel auf dem Sack ist kein Marketingdetail, sondern ein tatsächlicher Qualitätshinweis auf kontrollierte Herkunft.

Warum im April kaufen und nicht im Juni?

Die Antwort ist simpel: Im Juni ist die Ware oft knapp oder teurer. Das Frühjahrssortiment der Discounter läuft unter dem Aktionsprinzip – begrenzte Stückzahl, klar befristeter Zeitraum. Wer im April eindeckt, zahlt häufig weniger als im Hochsommer, wenn Nachlieferungen zu regulären Margenpreisen ins Regal kommen. Das gilt besonders für Grillzubehör: Aluschalen, Grillanzünder auf Kaminholzbasis, Grillroste in Standardmaßen – all das ist im Frühjahr günstiger und besser verfügbar.

Hinzu kommt: Der erste Grillabend der Saison trifft die meisten unvorbereitet. Die Kohle vom letzten Jahr hat Feuchtigkeit gezogen und zündet schlecht. Der Anzünder ist leer. Der Rost hat Rostflecken. Wer im April durch den Rewe-Eingangsbereich läuft und kurz stoppt, ist im Mai besser ausgestattet als der, der bis zum ersten Hitzetag wartet.

Grillkultur im wandel – auch im Sortiment zu sehen

Was in den Supermarktregalen des Frühjahrs 2026 auffällt: Das Sortiment ist breiter als noch vor fünf Jahren. Neben klassischer Holzkohle und Briketts finden sich vermehrt Kokoskohlebriketts – hergestellt aus Kokosnussschalen, einem Nebenprodukt der Lebensmittelindustrie. Sie gelten als gleichmäßiger brennend und erzeugen weniger Funken als herkömmliche Holzkohle. Auch Räucherchips in kleinen Beuteln, Zedernholzplanken für Lachs und spezielle Anzünder ohne Erdölbasis wandern in die Regale – ein Zeichen, dass das Grillpublikum handwerklich anspruchsvoller geworden ist.

Dies spiegelt einen echten Wandel in der deutschen Grillkultur wider. Der klassische Kugelgrill mit Einwegkohle ist nicht verschwunden – aber er wird ergänzt durch ein wachsendes Interesse an Techniken wie indirektem Garen, Räuchern und langen Garzeiten. Die Handelsketten reagieren darauf, indem sie das Sortiment früh im Jahr positionieren: als Einladung, die Saison bewusst zu beginnen und nicht nur spontan zu reagieren.

Praktische Tipps für den Saisonstart

Bevor der erste Grill des Jahres angezündet wird, lohnt sich eine kurze Inspektion: Rost auf Rost und Fettansammlungen prüfen, den Anzünderbereich reinigen, den Deckel auf Dichtigkeit kontrollieren. Ein Grill, der monatelang draußen stand oder im feuchten Keller gelagert wurde, braucht manchmal eine halbe Stunde auf mittlerer Hitze, bevor er wirklich sauber ist.

Für die Kohlenmenge gilt als Faustregel: etwa 300 g Holzkohle pro Person für einen normalen Grillabend mit einer Runde Fleisch und Gemüse. Wer auf Nummer sicher gehen will, nimmt einen Kaminanzünder – ein zylindrischer Metallbehälter, in dem die Kohle gleichmäßig und ohne Anzünderwürfel durchglüht. Das Ergebnis ist in zwanzig Minuten eine perfekte Glut, ohne Geschmack von Brandbeschleunigern.

Fragen rund ums Frühjahrs-Grillen

Ab welcher temperatur kann man draußen sinnvoll grillen?

Der Grill selbst ist temperaturunabhängig – Holzkohle erreicht unabhängig von der Außentemperatur ihre Betriebstemperatur. Bei Außentemperaturen unter zehn Grad verlängert sich die Zeit, bis das Grillgut die gewünschte Kerntemperatur erreicht, leicht. Praktisch bedeutet das: etwas mehr Zeit einplanen und den Deckel öfter geschlossen lassen. Ab fünf Grad Außentemperatur ist Grillen problemlos möglich.

Wie lagert man holzkohle richtig, damit sie nicht feucht wird?

Holzkohle und Briketts sollten trocken und luftgeschützt gelagert werden – am besten in einer geschlossenen Garage oder einem überdachten Schuppen. Bereits geöffnete Säcke können in luftdichte Plastikbehälter oder Metallboxen umgefüllt werden. Feuchte Kohle erkennt man am schwierigen Anzünden und an starker Rauchentwicklung zu Beginn.

Was sind die unterschiede zwischen fsc-zertifizierter Holzkohle und standardware?

Das FSC-Siegel (Forest Stewardship Council) garantiert, dass das Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammt – mit Aufforstungspflicht und geregelter Entnahmemenge. Standardware ohne Zertifizierung kann aus unkontrolliertem Einschlag stammen, mitunter aus tropischen Wäldern. Für die Grillperformance ist der Unterschied minimal, für die Herkunft erheblich.

Lohnt es sich, im frühjahr auf vorrat zu kaufen?

Bei Holzkohle und Briketts grundsätzlich ja, sofern die Lagerbedingungen stimmen. Die Aktionspreise der Frühjahrssortimente liegen oft deutlich unter den Sommerpreisen. Grillanzünder, Aluschalen und einfaches Zubehör lassen sich problemlos ein Jahr lagern. Bei spezialisierten Produkten wie Räucherchips oder Zedernplanken empfiehlt sich ein Blick auf das Mindesthaltbarkeitsdatum.

Welches frühlingsgemüse eignet sich besonders gut für den grill?

Im April sind Frühlingszwiebeln, grüner Spargel, Radieschen, Zuckerschoten und erste Salatherzen auf dem Markt. Grüner Spargel – halbiert oder ganz – braucht bei direkter Hitze nur wenige Minuten und entwickelt intensive Röstaromen. Frühlingszwiebeln werden im Ganzen gegrillt, bis sie außen leicht verkohlt und innen weich sind. Salatherzen, halbiert und kurz auf dem Rost, behalten ihre Frische und bekommen dabei eine leichte Rauchnote.

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