Grüne Soße am Gründonnerstag, mit allen 7 Frankfurter Kräutern – das Original-Rezept
Aktualisiert am vor 4 Stunden
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Einmal im Jahr dreht sich in Frankfurt alles um sieben Kräuter. Am Gründonnerstag – dem Donnerstag vor Ostern – gehört die Grüne Soße auf jeden Tisch, so sicher wie die Äpfelwoi in die Gerippten gehört. Die Kräuter sprießen jetzt aus dem noch feuchten Frühlingserdreich, frisch, würzig, leicht bitter: Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch. Wer sie auf dem Frankfurter Sachsenhäuser Markt kauft, riecht den Frühling schon an der Tüte. Und wer sie selber zusammenstellt, versteht sofort, warum dieses Gericht seit Jahrhunderten keiner Verbesserung bedarf.
Diese Grüne Soße folgt dem Original – keine Abkürzungen, keine Substitutionen, keine modernen Pirouetten. Alle sieben Kräuter in gleichen Teilen, hartgekochte Eier als Basis, Saure Sahne und Schmand als Bindung, ein Spritzer Zitrone als Spannung. Wer die sieben zusammen findet, hat das Beste des Frankfurter Frühjahrs bereits in Händen – jetzt gilt es nur noch, sie richtig zu verarbeiten. Schürze umbinden, Messer schärfen.
| Vorbereitung | 25 Min. |
| Kochzeit | 10 Min. |
| Ruhezeit | 30 Min. |
| Portionen | 4 Personen |
| Schwierigkeitsgrad | Einfach |
| Kosten | € |
| Saison | Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer, Schnittlauch – frisch im Frühjahr |
Geeignet für: Vegetarisch · Glutenfrei
Zutaten
Für die Kräuterbasis
- je 20 g frischer Borretsch (nur die Blätter, ohne Stängel)
- je 20 g frischer Kerbel
- je 20 g Gartenkresse
- je 20 g glatte Petersilie
- je 20 g Pimpinelle (Kleiner Wiesenknopf)
- je 20 g Sauerampfer
- je 20 g Schnittlauch
Für die Soße
- 6 hartgekochte Eier (Größe M, zimmerwarm)
- 200 g Saure Sahne (20 % Fett)
- 200 g Schmand (24 % Fett)
- 100 g Naturjoghurt, vollfett
- 1 EL kalt gepresstes Rapsöl oder mildes Sonnenblumenöl
- ½ unbehandelte Zitrone, Saft und etwas abgeriebene Schale
- 1 TL mittelscharfer Senf
- Salz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
- 1 Prise Zucker
Zum Servieren
- 4 mittelgroße festkochende Kartoffeln (z. B. Annabelle oder Sieglinde)
- 4 rohe Eier (zum separaten Kochen als Beilage, nach Wunsch)
Küchengeräte
- Mittelgroßer Kochtopf (für die Eier und Kartoffeln)
- Großes Schneidebrett
- Scharfes Wiegemesser oder Kräutermesser (Mezzaluna)
- Große Rührschüssel
- Feines Sieb oder Salatschleuder (zum Waschen der Kräuter)
- Gabel oder Kartoffelpresse
- Küchentuch oder Küchenpapier (Trocknen der Kräuter)
Zubereitung
1. Die kräuter waschen und trocknen
Alle sieben Kräuter einzeln unter kaltem, fließendem Wasser waschen. Besonders Borretsch und Pimpinelle haben feine Härchen oder Erde in den Stängeln – hier gründlich spülen. Die Kräuter dann in der Salatschleuder trockenschleudern oder auf einem sauberen Küchentuch flach ausbreiten und gut abtupfen. Feuchte Kräuter verwässern die Soße und verwässern ihr Aroma. Die harten Stiele von Borretsch und Petersilie entfernen, beim Schnittlauch die verwelkten Spitzen kappen. Vom Sauerampfer nur die Blätter verwenden – der Stiel enthält konzentrierte Oxalsäure und schmeckt übermäßig scharf.
2. Eier hartkochen und vorbereiten
Die sechs Eier in kaltem Wasser aufsetzen, zum Kochen bringen und exakt 10 Minuten kochen. Dann sofort in eiskaltem Wasser abschrecken – das verhindert den charakteristischen grauen Ring um das Eigelb, der entsteht, wenn Eiweiß und Schwefel im Übergang zu langsam abkühlen. Nach dem vollständigen Abkühlen schälen. Vier Eier längs halbieren: das Eigelb herauslösen, separat in eine Schüssel geben. Das Eiweiß dieser vier Eier so fein wie möglich würfeln – Kantenlänge circa 3–4 mm. Die restlichen zwei Eier komplett fein würfeln. Das Eigelb mit einer Gabel sorgfältig zerdrücken, bis keine Klümpchen mehr zu sehen sind.
3. Die kräuter fein hacken – das herzstück
Alle sieben Kräuter gemeinsam auf dem Schneidebrett zu einem kompakten Haufen zusammenschieben. Mit dem Wiegemesser in langen, wiegenden Bewegungen zu einer sehr feinen Kräutermasse hacken – die Hachée, wie Köche das Gehackte als homogene Masse bezeichnen. Je feiner die Kräuter, desto gleichmäßiger verteilt sich ihr Aroma in der Soße und desto samtig-grüner wird die Textur. Ziel ist kein Kräuterbrei, aber auch keine groben Stücke: die Konsistenz liegt zwischen fein gehackter Schalotte und Tapenade. Die fertige Kräutermasse leicht salzen und kurz ziehen lassen – das öffnet die Zellwände und intensiviert die Farbe von einem hellen zu einem satten Wiesengrün.
4. Die soßenbasis herstellen
Das zerdrückte Eigelb mit dem Senf, dem Öl, dem Zitronensaft und einer kleinen Menge abgeriebener Zitronenschale in der großen Schüssel glatt rühren. Saure Sahne, Schmand und Joghurt dazugeben und alles mit einem Schneebesen zu einer homogenen Creme verrühren. Die Kombination aus Saure Sahne und Schmand gibt der Soße ihre typische cremige, leicht zähflüssige Konsistenz – Schmand allein wäre zu schwer, Joghurt allein zu dünn. Wer die Soße noch samtiger möchte, kann einen weiteren Esslöffel Öl tropfenweise einrühren.
5. Kräuter und eier einarbeiten
Die gehackte Kräutermasse vollständig unter die Soßenbasis ziehen. Dann die fein gewürfelten Eiweiße und die zwei vollständig gewürfelten Eier einrühren. Mit Salz, frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer und einer Prise Zucker abschmecken – der Zucker balanciert die Säure von Sauerampfer und Zitrone, ohne süßlich zu wirken. Die Soße jetzt mindestens 30 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen. Dieser Schritt ist nicht optional: Erst durch das Ziehen verschmelzen die sieben Kräuteraromen zu dem typischen, unverwechselbaren Profil der Frankfurter Grünen Soße. Wer ungeduldig kostet – direkt nach dem Mischen fehlt die Tiefe.
6. Kartoffeln kochen und servieren
Die Kartoffeln mit Schale in gesalzenem Wasser aufsetzen und circa 20–25 Minuten gar kochen, bis ein Messer ohne Widerstand eindringt. Heiß abpellen oder mit Schale auf den Tisch bringen – in Frankfurt serviert man sie traditionell in der Schale. Die Grüne Soße direkt aus dem Kühlschrank schöpfen: der Temperaturkontrast zwischen warmer Kartoffel und kühler Soße ist charakteristisch für das Gericht. Wer möchte, kocht noch vier frische Eier weich oder hart als zusätzliche Beilage.
Mein küchentipp
Die größte Fehlerquelle bei der Grünen Soße ist die Kräuterbalance: Sauerampfer und Pimpinelle sind aromastark, Kerbel und Kresse eher mild. Wer beim Einkauf auf dem Markt die Kräuter nicht einzeln abwiegen kann, sollte von Sauerampfer und Pimpinelle etwas weniger nehmen als von den übrigen fünf. Im Frühjahr 2026, wenn die Kräuter noch jung und zart sind, reicht oft schon die Hälfte der üblichen Sauerampfer-Menge, um die Soße nicht zu scharf werden zu lassen. Die Soße lässt sich wunderbar am Vorabend des Gründonnerstags vorbereiten – über Nacht im Kühlschrank wird sie noch aromatischer und die Kräuterfarbe tiefer.
Getränkeempfehlungen
Die Grüne Soße bringt frische Kräuternoten, leichte Säure und eine cremige Schwere zusammen – das Getränk dazu sollte diese Spannung nicht überdecken, sondern spiegeln.
Der klassische Begleiter aus Frankfurt ist der Äpfelwoi – trockener Apfelwein aus der Sachsenhäuser Tradition, am besten frisch gezapft und leicht trüb. Seine Säure und der Gerbstoff machen die Cremigkeit der Soße erst richtig erfahrbar. Wer Wein bevorzugt: ein trockener Rheingau-Riesling Kabinett oder Spätlese trocken passt hervorragend – Pfirsich, Zitrus und Mineralität harmonieren mit Kerbel und Kresse. Alkoholfrei empfiehlt sich frisch gepresster Apfel-Ingwer-Saft oder stilles Mineralwasser mit einem Spritzer Zitrone.
Zur geschichte der grünen soße
Die Grüne Soße ist eines der ältesten überlieferten Gerichte des Rhein-Main-Gebietes. Erste schriftliche Erwähnungen stammen aus dem 18. Jahrhundert, als die Kombination aus frischen Frühlingskräutern und gesäuerter Milch in der Region weit verbreitet war. Johann Wolfgang von Goethe soll die Soße – in Frankfurt geboren und aufgewachsen – zeitlebens geliebt haben; seine Mutter Catharina Elisabeth schickte ihm angeblich regelmäßig Kräuter nach Weimar. Ob diese Anekdote historisch verbürgt ist oder zur Frankfurter Mythologie gehört, lässt sich schwer trennen – doch sie zeigt, wie tief das Gericht in der städtischen Identität verankert ist.
Seit 2016 ist die Frankfurter Grüne Soße in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen. Die sieben Kräuter – und nur diese sieben – sind durch eine Vereinbarung der Frankfurter Kräuterbauern festgelegt; wer ein achtes hinzufügt, kocht eine grüne Kräutersoße, aber eben keine Frankfurter Grüne Soße. Der Gründonnerstag als traditioneller Serviertag geht auf die mittelalterliche Sitte zurück, an diesem Tag vor Ostern Grünes zu essen – ein Symbol für Erneuerung und das Ende der langen Winterspeisekammer.
Nährwerte (pro Portion, Richtwerte)
| Nährstoff | Menge |
|---|---|
| Kalorien | ~320 kcal |
| Eiweiß | ~14 g |
| Kohlenhydrate | ~12 g |
| davon Zucker | ~4 g |
| Fett | ~24 g |
| Ballaststoffe | ~2 g |
Häufige fragen
Kann man die Grüne Soße am Vortag zubereiten?
Ja – und es empfiehlt sich sogar. Über Nacht im Kühlschrank, abgedeckt mit Frischhaltefolie, ziehen die sieben Kräuter vollständig in die Milchbasis ein und das Aroma wird merklich tiefer und geschlossener. Am nächsten Tag vor dem Servieren einmal abschmecken und bei Bedarf mit etwas Salz oder Zitrone nachkorrigieren, da die Säure des Sauerampfers nach längerem Ziehen etwas nachlässt.
Wie lange ist die Grüne Soße haltbar?
Im Kühlschrank abgedeckt ist die Soße bis zu 2 Tage haltbar. Ab dem dritten Tag verlieren die Kräuter ihre Frische und die Farbe wechselt von Wiesengrün zu einem stumpfen Olivton. Einfrieren ist nicht empfehlenswert – die Milchprodukte trennen sich beim Auftauen und die Kräutertextur wird breiig.
Was tun, wenn man nicht alle sieben Kräuter bekommt?
Wer alle sieben nicht auftreiben kann, hat außerhalb Frankfurts tatsächlich ein Problem – denn das Zusammenspiel der sieben ist die Soße. Pimpinelle ist das schwer zu findende Kraut: Auf gut sortierten Wochenmärkten im Frühjahr, in Bioläden oder über Saatgut-Versand lässt sie sich beschaffen. Wer Pimpinelle wirklich nicht findet, kann mit einer sehr kleinen Menge Brunnenkresse annähern – das Ergebnis ist dann aber eine grüne Kräutersoße, keine authentische Frankfurter Spezialität.
Kann man die Soße ohne Ei zubereiten?
Traditionell ist das Ei – und vor allem das zerdrückte Eigelb – konstitutiv für die Bindung und die charakteristische Reichhaltigkeit der Soße. Ohne Ei fehlt die emulgierende Wirkung des Eigelbs und die Soße wird deutlich flüssiger. Als vegetarische Alternative ohne Ei kann man 2 EL weichen Tofu mit dem Stabmixer glattpürieren und unter die Milchbasis rühren – das gibt Bindung, bleibt aber eine Abwandlung.
Welche Kartoffelsorten passen am besten?
Festkochende Sorten wie Annabelle, Sieglinde oder La Ratte sind die klassische Wahl: Sie behalten beim Kochen ihre Form, scheiden kaum Stärke aus und haben einen nussigen, zurückhaltenden Eigengeschmack, der die Kräuter nicht übertönt. Mehligkochende Sorten zerfallen zu leicht und nehmen die Soße weniger elegant auf.
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