Gulasch nach ungarischer Art: Nach 3 Stunden Schmoren schmeckt er am besten

Geschrieben von Annika· 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert am vor 4 Stunden

Das ungarische Gulasch ist weit mehr als ein einfacher Eintopf. Es ist ein kulinarisches Erbe, das Geduld, Sorgfalt und vor allem Zeit erfordert. Nach drei Stunden sanftem Schmoren entfaltet sich die volle Aromatik dieses Gerichts: das Fleisch wird butterzart, die Sauce dickflüssig und intensiv. Die Kombination aus hochwertigem Paprikapulver, langsam geschmorten Zwiebeln und zartem Rindfleisch macht dieses Gericht zu einem wahren Fest für die Sinne. In der ungarischen Küche gilt: je länger das Gulasch schmort, desto besser wird es. Diese Rezeptvariante respektiert die traditionelle Zubereitungsart und führt Sie Schritt für Schritt zu einem authentischen Ergebnis, das Ihre Familie und Gäste begeistern wird.

30

180

mittel

€€

Zutaten

Personen+

Utensilien

Zubereitung

1. Vorbereitung des Fleisches und der Zwiebeln

Beginnen Sie damit, das Rindergulasch gründlich unter kaltem Wasser abzuspülen und mit Küchenpapier trocken zu tupfen. Dieser Schritt ist wichtig, damit das Fleisch später schön anbraten kann. Schneiden Sie das Fleisch in gleichmäßige Würfel von etwa 3 bis 4 Zentimetern Kantenlänge. Gleichmäßige Stücke sorgen dafür, dass alles zur gleichen Zeit gar wird. Schälen Sie nun die vier großen Zwiebeln und schneiden Sie diese in feine Würfel. Je feiner die Zwiebeln geschnitten sind, desto besser lösen sie sich später in der Sauce auf und geben ihre Süße ab. Schälen Sie auch die drei Knoblauchzehen und hacken Sie diese fein.

2. Anbraten des Fleisches

Erhitzen Sie zwei Esslöffel Pflanzenöl in Ihrem gusseisernen Bräter bei mittlerer bis hoher Hitze. Der Bräter sollte richtig heiß sein, bevor Sie das Fleisch hineingeben. Geben Sie nun das Rindfleisch portionsweise in den Bräter. Wichtig: überfüllen Sie den Topf nicht, sonst kocht das Fleisch, anstatt zu braten. Lassen Sie jede Portion etwa 3 bis 4 Minuten von allen Seiten scharf anbraten, bis sich eine schöne braune Kruste bildet. Diese Kruste ist der Schlüssel zum intensiven Geschmack. Nehmen Sie das gebratene Fleisch heraus und stellen Sie es beiseite. Wiederholen Sie diesen Vorgang, bis alles Fleisch angebraten ist.

3. Zwiebeln glasig dünsten

Geben Sie den restlichen Esslöffel Öl in denselben Bräter und reduzieren Sie die Hitze auf mittlere Stufe. Geben Sie nun alle Zwiebelwürfel hinein und braten Sie diese unter ständigem Rühren etwa 8 bis 10 Minuten an. Die Zwiebeln sollten weich und glasig werden, aber nicht braun. Am Boden des Bräters haben sich durch das Anbraten des Fleisches köstliche Röstaromen abgesetzt. Lösen Sie diese mit einem Holzlöffel vom Boden ab, während die Zwiebeln dünsten. Nach etwa 8 Minuten geben Sie den gehackten Knoblauch hinzu und braten ihn eine weitere Minute mit an.

4. Paprika und Tomatenmark einrühren

Nehmen Sie nun den Bräter kurz vom Herd. Dieser Schritt ist wichtig, denn Paprikapulver verbrennt sehr schnell und wird dann bitter. Rühren Sie die drei Esslöffel edelsüßes Paprikapulver unter die Zwiebeln. Arbeiten Sie zügig, damit das Pulver nicht anbrennt. Geben Sie sofort das Tomatenmark hinzu und verrühren Sie alles gut miteinander. Stellen Sie den Bräter wieder auf den Herd bei mittlerer Hitze und rösten Sie die Paste unter ständigem Rühren etwa 2 Minuten an. Sie werden merken, wie sich die Aromen intensivieren.

5. Ablöschen und Gewürze hinzufügen

Geben Sie das angebratene Fleisch zurück in den Bräter. Gießen Sie nun den Rotwein hinzu und lassen Sie ihn bei erhöhter Hitze etwa 2 Minuten köcheln, damit der Alkohol verdampft. Anschließend gießen Sie die Rinderbrühe auf. Die Flüssigkeit sollte das Fleisch fast bedecken. Fügen Sie nun den Teelöffel Kümmel, die zwei Lorbeerblätter und den getrockneten Majoran hinzu. Würzen Sie mit Salz und frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer. Rühren Sie alles gut um und bringen Sie die Flüssigkeit zum Kochen.

6. Langes Schmoren für perfekte Zartheit

Sobald die Flüssigkeit kocht, reduzieren Sie die Hitze auf die niedrigste Stufe. Setzen Sie den Deckel auf den Bräter, aber lassen Sie einen kleinen Spalt offen, damit Dampf entweichen kann. Jetzt beginnt die wichtigste Phase: das lange, sanfte Schmoren. Lassen Sie das Gulasch für drei volle Stunden bei sehr niedriger Hitze köcheln. Die Flüssigkeit sollte nur ganz leicht blubbern. Rühren Sie etwa alle 30 Minuten um und prüfen Sie, ob noch genügend Flüssigkeit vorhanden ist. Falls die Sauce zu stark eindickt, gießen Sie etwas Wasser oder Brühe nach. Nach drei Stunden sollte das Fleisch so zart sein, dass es fast von selbst zerfällt.

7. Finale Würzung und Konsistenz

Nach drei Stunden Schmorzeit nehmen Sie den Deckel ab und prüfen Sie die Konsistenz der Sauce. Sie sollte sämig und dickflüssig sein. Falls sie zu dünn ist, lassen Sie das Gulasch ohne Deckel noch 15 bis 20 Minuten weiter köcheln, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist. Schmecken Sie das Gulasch ab und würzen Sie bei Bedarf mit zusätzlichem Salz, Pfeffer oder einer Prise Paprikapulver nach. Entfernen Sie die Lorbeerblätter. Lassen Sie das Gulasch noch 10 Minuten ruhen, bevor Sie es servieren. In dieser Zeit verbinden sich alle Aromen noch besser miteinander.

Tipp vom Chefkoch

Das Geheimnis der perfekten Konsistenz: wenn Ihr Gulasch zu dünn geraten ist, können Sie einen alten ungarischen Trick anwenden. Zerdrücken Sie eine gekochte Kartoffel mit einer Gabel und rühren Sie sie unter die Sauce. Sie bindet auf natürliche Weise, ohne den Geschmack zu verändern. Alternativ können Sie auch einen Esslöffel Mehl mit etwas kaltem Wasser anrühren und vorsichtig einrühren.
Noch besser am nächsten Tag: Gulasch gehört zu den Gerichten, die mit der Zeit besser werden. Bereiten Sie es am besten einen Tag im Voraus zu und wärmen Sie es am nächsten Tag wieder auf. Über Nacht ziehen die Gewürze noch intensiver ein und die Aromen verschmelzen vollständig miteinander.
Die richtige Fleischqualität: verwenden Sie unbedingt Fleisch aus der Schulter oder Wade des Rindes. Diese Teilstücke enthalten viel Bindegewebe, das sich während des langen Schmorens in Gelatine verwandelt und die Sauce wunderbar sämig macht. Mageres Fleisch würde trocken werden.

Passende Weinbegleitung zum ungarischen Gulasch

Zum kräftigen, würzigen ungarischen Gulasch passt am besten ein gehaltvoller Rotwein. Ein Egri Bikavér, der berühmte Stierblut-Wein aus Ungarn, ist die authentischste Wahl und unterstreicht den traditionellen Charakter des Gerichts. Alternativ harmoniert ein kräftiger Zweigelt aus Österreich hervorragend mit den intensiven Paprika-Aromen. Auch ein südfranzösischer Côtes du Rhône oder ein spanischer Tempranillo aus der Rioja-Region passen ausgezeichnet. Wichtig ist, dass der Wein genügend Körper und Struktur hat, um mit den kräftigen Aromen des Gulaschs mitzuhalten. Servieren Sie den Wein bei etwa 16 bis 18 Grad Celsius. Für Nicht-Weintrinker eignet sich ein dunkles, malziges Bier wie ein Dunkles Lager oder ein Märzen hervorragend als Begleitung.

Zusätzliche Info

Das Gulasch hat seinen Ursprung in Ungarn, wo es bereits im 9. Jahrhundert von nomadischen Hirten zubereitet wurde. Das Wort stammt vom ungarischen gulyás, was Rinderhirt bedeutet. Ursprünglich war es ein einfaches Gericht aus getrocknetem Fleisch, Zwiebeln und Wasser, das die Hirten auf ihren langen Reisen durch die Puszta zubereiteten. Erst im 18. Jahrhundert kam das Paprikapulver hinzu, das heute als unverzichtbar gilt. Die lange Schmorzeit von drei Stunden ist keine Erfindung fauler Köche, sondern eine bewusste Technik: das Bindegewebe im Fleisch braucht diese Zeit, um sich in Gelatine zu verwandeln und das Fleisch butterzart zu machen. In Ungarn wird Gulasch traditionell in einem Bogrács, einem speziellen gusseisernen Kessel, über offenem Feuer zubereitet. Die beste Jahreszeit für Gulasch ist der Herbst und Winter, wenn man nach herzhafter, wärmender Kost verlangt. Interessanterweise unterscheidet sich das ungarische Original deutlich von der deutschen Variante: in Ungarn ist die Sauce deutlich flüssiger und wird oft als Suppe gegessen.

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