Haferflocken richtig zubereiten: DGE warnt vor diesem Fehler, den fast alle machen…

Geschrieben von Annika· 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert am vor 4 Stunden

Haferflocken richtig zubereiten: Die DGE warnt vor einem Fehler, den fast alle machen

Haferflocken gelten seit Jahren als eines der gesündesten Frühstückslebensmittel überhaupt. Reich an Ballaststoffen, Vitaminen und wertvollen Mineralstoffen scheint das morgendliche Porridge oder Müsli die perfekte Grundlage für einen gesunden Tag zu sein. Doch die **Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)** schlägt Alarm: Die meisten Menschen machen bei der Zubereitung ihrer Haferflocken einen entscheidenden Fehler, der die gesundheitlichen Vorteile erheblich schmälert. Was steckt dahinter – und wie macht man es richtig?

## Warum sind Haferflocken so gesund?

Bevor wir uns dem Fehler widmen, lohnt es sich zu verstehen, warum Haferflocken überhaupt so einen guten Ruf genießen.

Hafer enthält eine besondere Art von löslichem Ballaststoff namens **Beta-Glucan**. Dieser Stoff ist für zahlreiche positive Wirkungen auf den Körper verantwortlich: Er senkt nachweislich den LDL-Cholesterinspiegel, reguliert den Blutzucker nach dem Essen und fördert eine gesunde Darmflora. Dazu kommen wertvolle Nährstoffe wie Magnesium, Eisen, Zink, B-Vitamine sowie hochwertige pflanzliche Proteine.

Haferflocken haben außerdem einen niedrigen glykämischen Index, was bedeutet, dass sie den Blutzucker nur langsam ansteigen lassen und so lange Sättigung ohne Energieabfall garantieren. Kein Wunder also, dass Ernährungsexperten das Getreide so hoch loben.

## Der Fehler, den fast alle machen

Trotz all dieser Vorzüge gibt es ein weit verbreitetes Problem bei der Zubereitung von Haferflocken: **Das sofortige Essen nach der Zubereitung ohne vorherige Einweichzeit.**

Viele Menschen übergießen ihre Haferflocken morgens einfach mit heißem Wasser oder Milch und verzehren sie direkt. Andere essen sie roh und trocken als Müsli. Was dabei kaum jemand bedenkt: Hafer enthält von Natur aus eine nennenswerte Menge an **Phytinsäure** – einem sogenannten Antinährstoff.

### Was ist Phytinsäure und warum ist sie ein Problem?

Phytinsäure (auch Phytat genannt) ist eine natürliche Verbindung, die in vielen Getreidearten, Hülsenfrüchten und Samen vorkommt. Sie dient der Pflanze als Speicher für Phosphor. Das Problem: Phytinsäure bindet im menschlichen Verdauungstrakt wichtige Mineralstoffe wie **Eisen, Zink, Kalzium und Magnesium** und macht sie für den Körper nahezu unverfügbar.

Mit anderen Worten: Man denkt, man tut sich etwas Gutes mit seinen Haferflocken – doch ein Teil der wertvollen Mineralstoffe gelangt gar nicht in den Körper, weil die Phytinsäure sie regelrecht „abfängt“.

Die DGE weist darauf hin, dass besonders Menschen mit erhöhtem Mineralstoffbedarf – darunter Schwangere, Kinder, ältere Menschen oder Personen, die sich vorwiegend pflanzlich ernähren – auf diese Problematik besonders achten sollten.

## Die Lösung: Richtig einweichen macht den Unterschied

Die gute Nachricht: Das Problem lässt sich ganz einfach lösen, indem man die Haferflocken einweicht.

Wenn Haferflocken über einen bestimmten Zeitraum in Wasser oder Milch eingeweicht werden, wird das körpereigene Enzym **Phytase** aktiviert. Dieses Enzym baut die Phytinsäure ab und setzt die daran gebundenen Mineralstoffe frei, sodass der Körper sie wieder vollständig aufnehmen kann.

### So weicht man Haferflocken richtig ein

Die Empfehlung der Ernährungsexperten ist klar:

– **Mindestens 8 bis 12 Stunden** sollten Haferflocken in Flüssigkeit eingeweicht werden.
– Am einfachsten geht das **über Nacht im Kühlschrank** – das bekannte „Overnight Oats“-Prinzip.
– Als Flüssigkeit eignet sich Wasser, Milch, pflanzliche Milchalternativen oder Joghurt.
– Wer möchte, kann dem Einweichwasser einen **Schuss Zitronensaft** hinzufügen – die leichte Säure fördert zusätzlich die Aktivität der Phytase.

Wer morgens warmen Porridge bevorzugt, kann die über Nacht eingeweichten Haferflocken einfach kurz aufwärmen – der Effekt bleibt erhalten.

## Weitere häufige Fehler bei der Haferflocken-Zubereitung

Der Phytinsäure-Fehler ist zwar der gravierendste, aber nicht der einzige Fehler, den viele Menschen machen. Hier sind weitere Fehlerquellen:

### 1. Zu viel Zucker hinzufügen
Haferflocken sind von Natur aus nahezu zuckerfrei. Viele Menschen ruinieren diesen Vorteil jedoch, indem sie Unmengen an Honig, Ahornsirup oder Zucker hinzufügen. Wer es süßer mag, sollte lieber auf **frische Früchte, Bananen oder etwas Zimt** setzen.

### 2. Die falsche Haferflocken-Sorte wählen
Nicht alle Haferflocken sind gleich. **Zarte oder feine Haferflocken** sind stärker verarbeitet und haben einen höheren glykämischen Index als **kernige oder grobe Haferflocken**. Letztere lassen den Blutzucker langsamer ansteigen und sättigen länger.

### 3. Fertigprodukte mit Haferflocken verwechseln
Instant-Porridges aus dem Supermarkt mögen praktisch sein, enthalten aber oft viel zugesetzten Zucker, künstliche Aromen und weniger wertvolle Ballaststoffe. Wer wirklich vom Hafer profitieren möchte, sollte zu **naturbelassenen Haferflocken** greifen.

### 4. Eintönig kombinieren
Haferflocken entfalten ihr volles Potenzial erst durchdachte Kombinationen. Wer sie mit **proteinreichen Zutaten** wie Joghurt oder Nüssen kombiniert, verbessert die Sättigungswirkung. Vitamin-C-reiche Früchte wie Beeren oder Kiwi fördern zudem die Eisenaufnahme aus dem Hafer.

## Overnight Oats – das perfekte Rezept

Die beliebteste und einfachste Methode, Haferflocken richtig zuzubereiten, ist das Overnight-Oats-Konzept. Hier ein einfaches Grundrezept:

**Zutaten (1 Portion):**
– 60 g kernige Haferflocken
– 150 ml Milch oder pflanzliche Alternative
– 100 g Naturjoghurt
– 1 TL Chiasamen (optional)
– Frische Früchte nach Wahl
– Eine Prise Zimt

**Zubereitung:**
1. Haferflocken mit der Flüssigkeit und dem Joghurt in einem Glas oder einer Schüssel vermengen.
2. Chiasamen und Zimt einrühren.
3. Abdecken und **mindestens 8 Stunden im Kühlschrank** ruhen lassen.
4. Am nächsten Morgen mit frischen Früchten, Nüssen oder Samen garnieren und genießen.

Das Ergebnis ist nicht nur gesünder als sofort verzehrte Haferflocken, sondern auch cremiger, bekömmlicher und spart morgens Zeit.

## Fazit: Ein kleiner Schritt mit großer Wirkung

Haferflocken sind und bleiben ein echtes Superfood – aber nur, wenn man sie richtig zubereitet. Das Einweichen über Nacht kann einen bedeutenden Unterschied machen: weniger Phytinsäure, bessere Mineralstoffaufnahme und ein bekömmlicheres Frühstück.

Die DGE und Ernährungswissenschaftler sind sich einig: Es lohnt sich, diese kleine Gewohnheit zu ändern. Wer bisher seine Haferflocken einfach übergossen und sofort gegessen hat, sollte den Wechsel zu Overnight Oats wagen und wird schnell feststellen, dass das Frühstück damit nicht nur gesünder, sondern auch noch leckerer wird.

Guten Appetit – und vor allem: gute Nacht für die Haferflocken! 🥣

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