Hasenbraten wie im Gasthaus: zart geschmort mit cremiger Gemüse-Sahne-Sauce

Geschrieben von Annika· 6 Min. Lesezeit

Der Hasenbraten gehört zu den klassischen Wildgerichten der deutschen Gasthausküche und begeistert Feinschmecker seit Generationen. Geschmort – also langsam in Flüssigkeit gegart – wird das Fleisch butterweich und entwickelt intensive Aromen. Die cremige Gemüse-Sahne-Sauce verleiht dem Gericht eine samtige Textur und rundet den kräftigen Wildgeschmack harmonisch ab. Wer diese Zubereitung zu Hause nachkocht, holt sich ein Stück Gasthaus-Tradition in die eigene Küche. Das Rezept erfordert zwar etwas Geduld, belohnt aber mit einem außergewöhnlichen Geschmackserlebnis, das Familie und Gäste gleichermaßen beeindruckt.

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moyen

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Zutaten

Personen+

Utensilien

Zubereitung

1. Hasenfleisch vorbereiten

Das Hasenfleisch gründlich unter kaltem Wasser abspülen und mit Küchenpapier trocken tupfen. Eventuelle Silberhäute und Sehnen mit einem scharfen Messer entfernen. Silberhäute – das sind dünne, weiße Häutchen auf dem Fleisch, die beim Garen zäh werden. Falls ihr Hasenkeulen verwendet, könnt ihr diese mit Küchengarn zusammenbinden, damit sie ihre Form behalten. Das Fleisch anschließend von allen Seiten mit Salz und frisch gemahlenem Pfeffer würzen. Diese Würzung dringt während des Schmorens tief ins Fleisch ein und sorgt für den richtigen Geschmack.

2. Fleisch scharf anbraten

Den Bräter auf dem Herd bei starker Hitze erwärmen und das Butterschmalz darin schmelzen lassen. Das Hasenfleisch von allen Seiten kräftig anbraten, bis es eine goldbraune Kruste entwickelt. Dieser Vorgang dauert etwa 8 bis 10 minuten. Anbraten – das scharfe Erhitzen verschließt die Fleischporen und erzeugt Röstaromen durch die Maillard-Reaktion. Nehmt euch Zeit für diesen Schritt, denn die Kruste ist entscheidend für den späteren Geschmack. Das Fleisch sollte wirklich braun werden, nicht nur grau. Nach dem Anbraten das Fleisch aus dem Bräter nehmen und beiseite stellen.

3. Aromatische Basis schaffen

Im verbliebenen Bratfett das Tomatenmark kurz anrösten, etwa 1 minute lang. Dadurch verliert es seine rohe Säure und entwickelt eine süßliche Note. Mit etwas Mehl bestäuben und unter Rühren eine leichte Mehlschwitze entstehen lassen. Mehlschwitze – eine Mischung aus Fett und Mehl, die später die Sauce bindet und sämig macht. Die Wacholderbeeren leicht andrücken, damit sie ihr Aroma freigeben, und zusammen mit den Lorbeerblättern und Pfefferkörnern hinzufügen. Diese Gewürze sind typisch für Wildgerichte und verleihen dem Hasenbraten seinen charakteristischen Geschmack.

4. Mit Flüssigkeit ablöschen

Den Rotwein in den Bräter gießen und den Bratensatz vom Boden lösen. Ablöschen – das Aufgießen mit Flüssigkeit, um die angebackenen Röststoffe zu lösen, die voller Geschmack stecken. Mit einem Holzlöffel alle braunen Stellen vom Boden kratzen. Den Wildfond hinzufügen und alles gut verrühren. Diese Flüssigkeit bildet die Grundlage eurer Sauce und sollte etwa zu einem Drittel reduzieren, damit sich die Aromen konzentrieren. Den Senf und die Preiselbeeren einrühren. Die Preiselbeeren bringen eine fruchtige Süße, die perfekt zum kräftigen Wildgeschmack passt.

5. Langsam schmoren lassen

Das angebratene Hasenfleisch zurück in den Bräter legen. Die Flüssigkeit sollte das Fleisch etwa zur Hälfte bedecken. Den Deckel aufsetzen und den Bräter in den auf 160 grad vorgeheizten Backofen schieben. Nun beginnt das eigentliche Schmoren, das etwa 2 bis 2,5 stunden dauert. Schmoren – eine Garmethode, bei der Fleisch langsam in Flüssigkeit bei niedriger Temperatur gegart wird, wodurch es besonders zart wird. Alle 30 minuten den Deckel kurz anheben und das Fleisch mit der Sauce übergießen. Das hält es saftig und verhindert, dass die Oberfläche austrocknet. Mit einem Fleischthermometer könnt ihr prüfen, ob das Fleisch fertig ist: Die Kerntemperatur sollte etwa 75 grad erreichen.

6. Sauce verfeinern

Wenn das Hasenfleisch schön zart ist, nehmt es vorsichtig aus dem Bräter und wickelt es in Alufolie ein. So bleibt es warm und kann noch etwas ruhen. Ruhen lassen – eine Pause nach dem Garen, während der sich die Fleischsäfte gleichmäßig verteilen. Die Sauce durch ein feines Sieb oder ein Passiertuch gießen, um die Gewürze und eventuelle Fleischstückchen zu entfernen. Die gesiebte Sauce zurück in den Bräter geben und bei mittlerer Hitze etwas einkochen lassen, falls sie noch zu dünn ist. Die Sahne einrühren und die Sauce sanft köcheln lassen, bis sie eine cremige Konsistenz erreicht. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Sauce sollte intensiv schmecken und eine samtige Textur haben.

7. Anrichten und servieren

Das Hasenfleisch in gleichmäßige Scheiben oder Portionen schneiden. Bei Keulen könnt ihr das Fleisch auch vom Knochen lösen. Die Fleischstücke auf vorgewärmten Tellern anrichten und großzügig mit der cremigen Gemüse-Sahne-Sauce übergießen. Als klassische Beilagen passen Semmelknödel, Spätzle oder Kartoffelklöße hervorragend. Auch Rotkohl oder glasierte Maronen ergänzen das Gericht wunderbar. Ein kleiner Klecks zusätzliche Preiselbeeren auf dem Teller sorgt für einen schönen Farbtupfer und eine fruchtige Note.

Tipp vom Chefkoch

Wenn ihr keine frischen Hasenkeulen bekommt, könnt ihr auch tiefgefrorenes Hasenfleisch verwenden. Achtet darauf, es über nacht im Kühlschrank schonend aufzutauen. Eine weitere Möglichkeit ist, Kaninchen statt Hase zu verwenden – die Zubereitung bleibt identisch, der Geschmack ist nur etwas milder. Falls die Sauce zu dünn geraten ist, könnt ihr sie mit etwas in kaltem Wasser angerührter Speisestärke binden. Umgekehrt lässt sich eine zu dicke Sauce mit etwas zusätzlichem Fond verdünnen. Der Hasenbraten schmeckt übrigens am nächsten Tag oft noch besser, weil die Aromen Zeit hatten, sich zu entfalten.

Passende Weinbegleitung zum Hasenbraten

Zu diesem kräftigen Wildgericht empfiehlt sich ein körperreicher Rotwein mit guter Struktur. Ein deutscher Spätburgunder aus Baden oder der Pfalz harmoniert hervorragend mit dem zarten Hasenfleisch und der cremigen Sauce. Die fruchtigen Noten des Weins ergänzen die Preiselbeeren, während seine Tannine die Fettigkeit der Sahnesauce ausbalancieren. Alternativ passt auch ein Dornfelder mit seiner samtigen Textur ausgezeichnet. Wer internationale Weine bevorzugt, kann zu einem französischen Pinot Noir aus dem Burgund greifen. Wichtig ist, dass der Wein Zimmertemperatur hat und etwa eine stunde vor dem Servieren geöffnet wird, damit er atmen kann. Atmen – der Kontakt mit Sauerstoff, der die Aromen des Weins entfaltet.

Zusätzliche Info

Der Hasenbraten hat in der deutschen Küche eine lange Tradition und war früher ein typisches Sonntagsessen in ländlichen Gasthäusern. Besonders in den Herbst- und Wintermonaten, wenn Jagdsaison ist, stand dieses Gericht regelmäßig auf den Speisekarten. Das Schmoren von Wildfleisch entwickelte sich aus der Notwendigkeit, auch weniger zartes Fleisch genießbar zu machen. Durch die lange Garzeit bei niedriger Temperatur werden selbst festere Fleischstücke butterweich. Die Kombination mit Sahne und Gemüse in der Sauce ist typisch für die süddeutsche Küche und macht das kräftige Wildaroma bekömmlicher. In manchen Regionen wird der Hasenbraten auch mit Lebkuchengewürz oder Schokolade verfeinert, was dem Gericht eine besondere Tiefe verleiht. Heute erlebt die Wildküche eine Renaissance, da sie als nachhaltig und regional gilt.

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