Osterfladen aus der Schweiz erobert deutsche Backstuben, so einfach geht das Rezept
InhaltsverzeichnisAusblendenAnzeigen
Wenn die Frühlingsluft durch die Küchenfenster zieht und die ersten Narzissen in den Gärten nicken, ist es zeit für einen Klassiker aus der Schweizer Bäckertradition: den Osterfladen. Dieses flache, butterweiche Gebäck mit seiner samtigen Milchreis- oder Rahmfüllung hat in der Deutschschweiz seit Generationen seinen festen Platz auf dem Ostertisch – und findet nun auch in deutschen Backstuben immer mehr Bewunderinnen und Bewunderer. Mit seiner schlichten Eleganz, dem Duft von Vanille und frisch geriebenem Zitronenabrieb und seiner goldbraun gebackenen Oberfläche beantwortet er die ewige Frage nach dem besonderen Ostergebäck auf zurückhaltende, dabei vollkommen überzeugende Art.
Was den Osterfladen von vergleichbaren Frühlingskuchen unterscheidet, ist seine Textur: außen mürb-knusprig, innen cremig-fest, fast wie eine gebackene Crème caramel auf einem zarten Mürbteigboden. Die Zubereitung erfordert kein besonderes Handwerk, nur ein wenig Geduld beim Abkühlen. Dieses Rezept folgt der traditionellen Schweizer Vorlage mit einer Milchreis-Rahmfüllung, ergänzt durch ein paar handwerkliche Kniffe, die den Unterschied ausmachen. Es ist an der Zeit, die Schürze umzubinden.
| Vorbereitung | 30 Min. |
| Kühlzeit Teig | 30 Min. |
| Backzeit | 45 Min. |
| Abkühlzeit | 60 Min. |
| Portionen | 8–10 Personen |
| Schwierigkeitsgrad | Mittel |
| Kosten | € |
| Saison | Frühling · Ostern · Vanille · Zitrone · Vollrahm |
Geeignet für: Vegetarisch
Zutaten
Für den Mürbteig
- 250 g Weizenmehl (Type 405)
- 125 g kalte Butter, in Würfel geschnitten
- 80 g Puderzucker, gesiebt
- 1 Ei (Größe M)
- 1 Prise feines Meersalz
- 1 TL abgeriebene Zitronenschale (unbehandelt)
Für die Milchreis-Rahmfüllung
- 100 g Rundkornreis (Milchreis)
- 500 ml Vollmilch
- 200 ml Vollrahm (Schlagsahne, mind. 35 % Fett)
- 80 g Zucker
- 3 Eier (Größe M)
- 1 Vanilleschote, Mark ausgekratzt
- 1 Prise Muskatnuss, frisch gerieben
- 1 Prise Salz
Zum Fertigstellen
- 1 EL Puderzucker zum Bestäuben
- Etwas Butter zum Fetten der Form
Utensilien
- Tarteform oder Springform (Ø 26–28 cm)
- Mittelgroßer Topf
- Rührschüssel
- Handrührgerät oder Standmixer
- Teigroller (Nudelholz)
- Küchensieb
- Frischhaltefolie
- Backpapier und Hülsenfrüchte oder Blindbackperlen
- Feine Reibe für Muskat und Zitrone
Zubereitung
1. Den Mürbteig ansetzen
Mehl, Puderzucker und Salz in eine Rührschüssel geben und kurz vermengen. Die kalten Butterwürfel dazugeben und mit den Fingerspitzen rasch zwischen Mehl und Butter reiben, bis eine sandige, krümelige Masse entsteht – dieser Vorgang heißt Sabler und ist entscheidend dafür, dass der Teig später mürb und nicht zäh wird. Die Butter darf dabei nicht schmelzen, deshalb zügig arbeiten. Das Ei und den Zitronenabrieb hinzufügen und alles nur so lange zu einem glatten Teig zusammendrücken, bis er gerade eben zusammenhält. Nicht kneten. Den Teig flach zu einer Scheibe formen, in Frischhaltefolie wickeln und für mindestens 30 Minuten in den Kühlschrank legen. Die Ruhezeit entspannt das Klebergerüst des Mehls und verhindert, dass der Boden beim Backen schrumpft.
2. Den Milchreis vorgaren
Den Rundkornreis zusammen mit der Vollmilch in einem Topf bei mittlerer Hitze unter gelegentlichem Rühren aufkochen. Vanillemark und die ausgekratzte Schote dazugeben, die Hitze reduzieren und den Reis bei leicht geöffnetem Deckel für etwa 18–20 Minuten köcheln lassen, bis er die Milch vollständig aufgesogen hat und eine cremige, dickliche Konsistenz angenommen hat. Die Schote herausnehmen. Wichtig: Der Reis muss am Ende der Garzeit noch etwas Biss haben, da er im Ofen nochmals gart. Den fertigen Milchreis in eine Schüssel umfüllen und auf Raumtemperatur abkühlen lassen, bevor die Eier untergemischt werden – zu viel Wärme würde das Ei stocken lassen, bevor die Füllung in den Ofen kommt.
3. Den Teig ausrollen und vorbacken
Den Backofen auf 180 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Die Tarteform mit Butter einfetten. Den gekühlten Mürbteig auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche zu einem Kreis von etwa 30–32 cm Durchmesser und gleichmäßiger Stärke von 3–4 mm ausrollen. Den Teig vorsichtig über das Nudelholz wickeln und in die Form legen, ohne ihn zu zerreißen. Den Rand andrücken und überstehenden Teig sauber mit einem Messer abschneiden. Den Teigboden mehrfach mit einer Gabel einstechen – das sogenannte Pikieren verhindert, dass der Boden beim Blindbacken Blasen wirft. Backpapier darauflegen, mit Hülsenfrüchten oder Blindbackperlen beschweren und für 12 Minuten blindbacken. Dann Gewichte und Papier entfernen und weitere 5 Minuten backen, bis der Boden matt-golden wirkt. Herausnehmen und kurz abkühlen lassen.
4. Die Füllung fertigstellen
Den abgekühlten Milchreis in eine große Schüssel geben. Eier, Zucker und eine Prise Salz dazugeben und alles mit dem Handrührgerät auf mittlerer Stufe für etwa 2 Minuten zu einer glatten Masse verrühren. Den Vollrahm einrühren, bis eine homogene, leicht zähflüssige Creme entsteht. Frisch geriebene Muskatnuss darüber reiben – nur wenig, sie gibt eine warme, nussige Tiefe, ohne zu dominieren. Die Füllung durch ein feines Sieb in einen Messbecher oder eine Kanne passieren, damit eventuelle Klümpchen oder Haut aufgehalten werden. So entsteht eine seidenartig glatte Gießmasse.
5. Füllen und fertig backen
Die Füllung gleichmäßig auf dem vorgebackenen Mürbteigboden verteilen, bis sie knapp unter den Rand reicht. Die Form vorsichtig in den vorgeheizten Ofen schieben – Erschütterungen jetzt würden die Oberfläche ruinieren. Bei 170 °C für 30–35 Minuten backen. Der Osterfladen ist fertig, wenn die Füllung am Rand fest ist, in der Mitte aber noch leicht wackelt, wenn man die Form sacht hin und her bewegt. Dieser Wackelpunkt ist der Hinweis, dass die Creme beim Abkühlen vollends fest wird, ohne trocken oder körnig zu werden. Den Fladen aus dem Ofen nehmen und auf einem Gitter auf Raumtemperatur abkühlen lassen, bevor er aus der Form gelöst wird. Vor dem Servieren dünn mit Puderzucker bestäuben.
Mein Tipp aus der Backstube
Wer eine besonders seidige Füllung möchte, ersetzt einen Teil des Vollrahms durch Crème fraîche – das gibt der Masse eine feine Säure, die den Vanilleton angenehm hebt. Im Frühling lohnt es sich außerdem, die Zitronenschale im Teig durch fein abgeriebene Blutorangenschale zu ersetzen, solange die Blutorangesaison noch läuft. Und: Der Osterfladen schmeckt am nächsten Tag noch besser – die Füllung festigt sich über Nacht im Kühlschrank weiter und wird noch cremiger.
Getränkebegleitung
Zum Osterfladen sucht man ein Getränk, das die Cremigkeit der Füllung aufnimmt, ohne sie zu überdecken – ein leichtes Fruchtsäurespiel, das die Vanillenote ergänzt.
Ein halbtrockener Riesling Spätlese aus dem Rheingau mit Noten von weißem Pfirsich, Bergamotte und feiner Mineralität passt ausgezeichnet. Wer Elsässer Wein bevorzugt, findet im Pinot Gris Vendanges Tardives eine würzigere, vollmundigere Alternative. Als alkoholfreie Begleitung überzeugt ein kalt aufgegossener Roibostee mit Vanille oder ein frischer Holunderblütensirup, mit stillem Wasser aufgefüllt – beides harmoniert mit der warmen Würze des Muskatnuss.
Wissenswertes über den Osterfladen
Der Osterfladen ist ein fester Bestandteil der Schweizer Bäckertradition und taucht bereits in mittelalterlichen Quellen unter dem Begriff fladon auf – einem flachen Kuchen, der zu Festtagen gereicht wurde. In der Deutschschweiz ist er bis heute eng mit dem Osterfest verbunden: Bäckereien in Zürich, Basel und Bern füllen ihre Auslagen ab Palmsonntag damit. Die Grundstruktur – Mürbteig, Milchfüllung, einfache Würzung – findet sich in ähnlicher Form in der elsässischen Tarte à la crème und im französischen flan pâtissier, was auf eine gemeinsame mittelalterliche Kuchentradition entlang des Rheins hinweist.
In der Innerschweiz wird die Füllung gelegentlich mit Sultaninen oder einem Schuss Kirsch verfeinert, in Basel ist die Variante mit Mandeln verbreitet. Modernere Versionen ersetzen den Milchreis durch Riz au lait-Pulver für eine noch glattere Textur, doch handwerklich orientierte Bäckerinnen und Bäcker schwören auf den klassischen Weg mit dem langsam gekochten Rundkornreis. Dass der Osterfladen in Deutschland bislang vor allem in der badisch-alemannischen Grenzregion bekannt ist, ändert sich gerade spürbar.
Nährwerte (pro Portion, ca. 1/10 des Fladens, Richtwerte)
| Nährstoff | Menge |
|---|---|
| Kalorien | ~320 kcal |
| Eiweiß | ~7 g |
| Kohlenhydrate | ~38 g |
| davon Zucker | ~16 g |
| Fett | ~16 g |
| Ballaststoffe | ~1 g |
Häufig gestellte Fragen
Kann man den Osterfladen am Vortag backen?
Ja, und es empfiehlt sich sogar. Die Füllung festigt sich über Nacht im Kühlschrank, die Aromen von Vanille und Muskat entfalten sich vollständiger, und der Mürbteigboden zieht etwas durch. Den fertig abgekühlten Fladen locker mit Frischhaltefolie bedecken und im Kühlschrank lagern. Erst kurz vor dem Servieren mit Puderzucker bestäuben.
Wie bewahrt man Reste auf?
Reste im Kühlschrank aufbewahren, abgedeckt mit Folie oder in einem geschlossenen Behälter. Der Osterfladen hält sich so 2–3 Tage. Ein Einfrieren ist möglich, verändert aber die Textur der Füllung: Sie wird nach dem Auftauen leicht wässrig. Besser frisch genießen oder am Folgetag servieren.
Welche Varianten und Ersetzungen sind möglich?
Wer keinen Milchreis mag, kann die Füllung durch eine reine Rahm-Ei-Masse ersetzen – ähnlich einem Flan – und erhält so eine noch cremigere, fast wackelartige Konsistenz. Für eine leicht nussige Note lassen sich 20 g gemahlene Mandeln in die Füllung einarbeiten. Im Frühling harmoniert fein gehackter Rosmarin oder Lavendelzucker überraschend gut mit Vanille. Glutenfreier Mürbteig aus Reismehl und Maisstärke funktioniert ebenfalls und hält die Form gut.
Warum wackelt die Füllung nach dem Backen noch in der Mitte?
Dieses Wackeln ist gewollt und ein Zeichen, dass die Füllung richtig gebacken ist. Die Creme enthält Ei, das durch die Restwärme nach dem Herausnehmen aus dem Ofen – den sogenannten Nachgar – vollständig stockt. Bäckt man so lange, bis die Mitte völlig fest wirkt, ist die Füllung im Kern übergar: sie wird körnig und trocken statt cremig.
Kann man den Osterfladen auch ohne Blindbacken zubereiten?
Grundsätzlich ja, doch das Risiko eines nassen, weichen Bodens steigt erheblich. Das Blindbacken sorgt dafür, dass der Teig eine stabile, trockene Oberfläche bildet, bevor die feuchte Füllung aufgetragen wird. Wer keine Blindbackperlen hat, kann getrocknete Linsen oder Kichererbsen verwenden – sie können nach dem Abkühlen wieder in eine Dose zurückgegeben werden und sind mehrfach verwendbar.