Rezept: Galettes (bretonische Pfannkuchen) mit karamellisiertem Knollensellerie
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Mit dem ersten Frühlingstag erwacht nicht nur der Garten, sondern auch die Lust auf Gerichte, die zwischen den Jahreszeiten vermitteln. Der Knollensellerie, im Winter noch der treue Begleiter von Schmorgerichten und Suppen, zeigt sich jetzt von seiner besten Seite: karamellisiert in der Pfanne, entwickelt er eine tiefe, nussige Süße, die einen fast vergessen lässt, dass man gerade Wurzelgemüse isst. Zusammen mit den herzhaften Buchweizengalettes der bretonischen Küche entsteht ein Teller, der Rustikalität und Eleganz auf eine Weise verbindet, die man sich merken wird.
Diese Galettes sind nicht die dünnen, süßen Crêpes, die man vom Jahrmarkt kennt. In der Bretagne werden sie aus reinem Buchweizenmehl gebacken, das ihnen eine leicht erdige Note und eine knusprige, fast ledrige Textur verleiht, die standhält, wenn die Füllung üppig wird. Karamellisierter Knollensellerie, eine Spur Crème fraîche und frische Kräuter: das ist die Kombination, die in dieser Rezept-Version im Mittelpunkt steht. Schürze umbinden, Pfanne auf den Herd stellen.
| Vorbereitung | 20 Min. |
| Ruhezeit | 60 Min. |
| Garzeit | 40 Min. |
| Portionen | 4 Personen |
| Schwierigkeitsgrad | Mittel |
| Kosten | €€ |
| Saison | Knollensellerie, Crème fraîche, frische Kräuter |
Geeignet für: Vegetarisch
Zutaten
Für den Galette-Teig
- 250 g Buchweizenmehl (Sarrasin, aus dem Naturkostladen oder gut sortierten Supermarkt)
- 500 ml Wasser, kalt
- 1 Ei, Größe M
- ½ TL Salz
- 1 EL Butter, geschmolzen, zum Einreiben der Pfanne
Für den karamellisierten Knollensellerie
- 600 g Knollensellerie, geschält (entspricht etwa ½ mittelgroßer Knolle)
- 30 g Butter
- 1 EL Olivenöl
- 1 TL Zucker
- 2 EL Weißweinessig
- Salz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
Für die Garnitur
- 150 g Crème fraîche
- ½ Bund frischer Schnittlauch, fein geschnitten
- 1 TL Zitronenabrieb (unbehandelte Zitrone)
- Fleur de Sel
Küchengeräte
- Große Schüssel
- Schneebesen
- Flache Crêpe-Pfanne oder beschichtete Pfanne mit 24–28 cm Durchmesser
- Breiter Schieber oder Crêpe-Spatel
- Großes Schneidebrett
- Scharfes Kochmesser
- Kleine Schüssel für die Crème fraîche
Zubereitung
1. Den Buchweizenpfannkuchenteig anrühren und ruhen lassen
Das Buchweizenmehl in eine große Schüssel geben und in der Mitte eine Mulde formen. Das Ei hineingeben und mit dem Schneebesen vom Rand her langsam einarbeiten, damit keine Klümpchen entstehen. Das Wasser nach und nach zugießen, dabei gleichmäßig rühren, bis ein dünnflüssiger, glatter Teig entsteht. Salz und geschmolzene Butter einrühren. Der Teig sollte die Konsistenz von flüssiger Sahne haben, also wirklich dünn: Er muss gut fließen, wenn man die Pfanne schwenkt. Den Teig abgedeckt mindestens 60 Minuten bei Raumtemperatur ruhen lassen. Diese Ruhezeit ist kein optionaler Schritt — das Buchweizenmehl quillt auf und bindet Feuchtigkeit auf eine Art, die dem Teig erst seine typische Elastizität und Stabilität beim Backen gibt. Wer Zeit hat, kann den Teig auch über Nacht im Kühlschrank stehen lassen, was den leicht herben, malzigen Geschmack des Buchweizens noch weiter vertieft.
2. Den Knollensellerie vorbereiten und anbraten
Den geschälten Knollensellerie zunächst in ca. 1 cm dicke Scheiben und dann in gleichmäßige Würfel von ca. 1 × 1 cm schneiden. Die einheitliche Größe ist entscheidend: Ungleichmäßige Stücke garen unterschiedlich schnell und erschweren das gleichmäßige Karamellisieren. In einer großen Pfanne Butter und Olivenöl bei mittlerer bis hoher Hitze aufschäumen lassen — die Kombination aus beiden Fetten verhindert, dass die Butter verbrennt, und gibt trotzdem das typische nussige Butteraroma ab. Die Selleriewürfel in einer einzigen Schicht einlegen, nicht sofort umrühren. Genau hier liegt das Geheimnis des Karamellisierens: Dem Gemüse Zeit lassen, auf der heißen Pfanne eine goldbraune Kruste zu entwickeln. Nach etwa 3–4 Minuten erst wenden, erneut stehen lassen. Der Sellerie sollte an allen Seiten eine tiefe, bernsteinfarbene Farbe annehmen und einen süßlichen Bratgeruch entfalten.
3. Karamellisieren und Ablöschen
Wenn der Sellerie rundum gebräunt ist und sich im Pfannenboden ein dunkler Belag — die sogenannte Fond, also der karamellisierte Bratensatz — gebildet hat, den Zucker gleichmäßig darüberstreuen. Kurz umrühren und weitere 1–2 Minuten bei hoher Hitze stehen lassen, bis der Zucker leicht schmilzt und eine glänzende Schicht auf dem Gemüse entsteht. Dann mit dem Weißweinessig ablöschen — das heißt: die Flüssigkeit in die heiße Pfanne gießen und sofort umrühren, um den Bratensatz vom Pfannenboden zu lösen. Es zischt und dampft kräftig: Das ist gewollt. Der Essig löst die karamellisierten Zuckerverbindungen und gibt dem Sellerie eine dezente Säure, die seine Süße balanciert. Mit Salz und Pfeffer abschmecken, vom Herd nehmen und beiseitestellen.
4. Die Galettes backen
Die Crêpe-Pfanne bei mittlerer bis hoher Hitze heiß werden lassen. Mit einem Pinsel oder einem in Butterpapier gewickelten Stück Butter dünn einfetten — die Pfanne sollte leicht glänzen, aber keine Fettlache bilden. Eine Schöpfkelle Teig (ca. 80–90 ml) in die Mitte der Pfanne geben und die Pfanne sofort kreisend kippen, damit sich der Teig gleichmäßig und hauchdünn bis an den Rand verteilt. Die Galette backen, bis die Ränder sich von selbst vom Pfannenrand lösen und leicht nach oben rollen, die Unterseite goldbraun und stellenweise dunkel gefleckt ist — das dauert bei guter Hitze etwa 2 Minuten. Mit dem Spatel wenden und noch 30–45 Sekunden von der anderen Seite backen. Buchweizenpfannkuchen dürfen und sollen Flecken haben: Diese dunklen Punkte sind keine verbrannten Stellen, sondern Zeichen der Röstaromen des Buchweizens. Die fertige Galette auf einen Teller legen, die Pfanne für die nächste erneut dünn einfetten.
5. Anrichten
Die Crème fraîche mit dem Zitronenabrieb und der Hälfte des Schnittlauchs verrühren, leicht salzen. Jede Galette flach auf den Teller legen. In die Mitte einen gehäuften Esslöffel Crème fraîche streichen, dann eine großzügige Portion karamellisierten Sellerie daraufgeben. Die vier Ränder der Galette nach innen falten, sodass ein offenes Quadrat entsteht — der Sellerie bleibt sichtbar in der Mitte. Mit restlichem Schnittlauch und einer Prise Fleur de Sel abschließen und sofort servieren, solange die Galette noch knusprig ist.
Mein Küchentipp
Buchweizenteig neigt dazu, beim Backen zu reißen, wenn die Pfanne nicht heiß genug ist. Eine zu kühle Pfanne lässt den Teig kleben, bevor er die Chance hat, eine Struktur zu bilden. Einen einfachen Test machen: Einen Tropfen Wasser in die Pfanne geben — er muss sofort tanzen und verdampfen. Im Frühjahr lässt sich der Sellerie in der Füllung hervorragend mit den ersten Bärlauch-Blättern ergänzen, die man jetzt auf Wochenmärkten findet: Einfach grob hacken und zusammen mit dem Schnittlauch in die Crème fraîche rühren.
Getränke-Empfehlungen
Das Buchweizenmehl bringt eine herbe, leicht bittere Note mit, die Karamellisierung des Selleries dagegen eine tiefe Süße — ein Getränk muss beides aufnehmen, ohne eines zu überlagern.
Klassisch zur Galette aus der Bretagne passt ein naturtrüber Cidre Brut aus der Bretagne oder der Normandie: seine Säure und Kohlensäure schneiden durch die Reichhaltigkeit der Crème fraîche, seine feinen Fruchtaromen harmonieren mit der Karamellnote des Selleries. Wer Wein bevorzugt, greift zu einem trockenen Muscadet de Sèvre-et-Maine aus der Loire — mineralisch, leichtfüßig, mit guter Frische. Eine alkoholfreie Alternative ist ein naturtrüber Apfelsaft, der mit etwas Zitronensaft aufgehellt wird.
Wissenswertes über die Galette
Die Galette de Sarrasin — wörtlich „Buchweizenpfannkuchen" — hat ihren Ursprung in der Bretagne, wo Buchweizen seit dem Mittelalter auf den armen, sauren Böden der Region angebaut wurde. Buchweizen, botanisch kein Getreide, sondern ein Knöterichgewächs, enthält kein Gluten und war über Jahrhunderte das Grundnahrungsmittel der ländlichen bretonischen Bevölkerung. Die Galette war keine Delikatesse, sondern Alltagskost: Sie ersetzte Brot und wurde mit allem belegt, was verfügbar war — Eiern, Schinken, Käse.
Erst im 20. Jahrhundert wurden Galetteries, die traditionellen Crêperien der Bretagne, zu Touristenzielen. Die klassische Kombination „complète" mit Ei, Comté und Schinken ist heute weltweit bekannt. Modernere Varianten — wie diese mit Knollensellerie — zeigen, wie wandelbar das schlichte Grundrezept ist. In der Bretagne selbst wird der Teig manchmal nur aus Buchweizenmehl, Wasser und Salz gemacht, ganz ohne Ei: Die hiesige Version mit Ei ist etwas zugänglicher für Einsteiger und ergibt eine Galette, die sich leichter wenden lässt.
Nährwerte (pro Portion, Richtwerte)
| Nährstoff | Menge |
|---|---|
| Kalorien | ~390 kcal |
| Eiweiß | ~11 g |
| Kohlenhydrate | ~48 g |
| davon Zucker | ~9 g |
| Fett | ~17 g |
| Ballaststoffe | ~6 g |
Häufig gestellte Fragen
Kann man den Teig im voraus zubereiten?
Ja, und sogar mit Vorteil. Der Buchweizenpfannkuchenteig lässt sich bis zu 24 Stunden im Kühlschrank aufbewahren, abgedeckt mit Frischhaltefolie. Vor dem Backen kurz umrühren und bei Bedarf einen Schuss Wasser einrühren, wenn der Teig zu dick geworden ist. Die längere Ruhezeit entwickelt das Aroma des Buchweizens weiter.
Wie bewahrt man fertige Galettes auf?
Unbelegt lassen sich fertige Galettes übereinanderstapeln (mit einem Blatt Backpapier dazwischen) und bis zu 2 Tage im Kühlschrank lagern. Zum Aufwärmen kurz in einer trockenen Pfanne bei mittlerer Hitze erwärmen — niemals in der Mikrowelle, da sie dann weich und zäh werden. Fertig belegte Galettes sollten sofort gegessen werden.
Welche Varianten oder Ersatzzutaten sind möglich?
Der Knollensellerie lässt sich durch andere Wurzelgemüse ersetzen, die sich gut karamellisieren lassen: Pastinaken, Petersilienwurzel oder Rote Bete funktionieren nach demselben Prinzip. Im Sommer bietet sich karamellisierter Lauch mit Ziegenkäse an. Wer keine Crème fraîche möchte, kann Ricotta oder einen guten Sauerrahm verwenden. Für eine vegane Variante Crème fraîche durch Cashewcreme ersetzen und das Ei im Teig weglassen — der Teig wird etwas fragiler, aber backbar.
Warum reißt meine Galette beim Wenden?
Das liegt meistens an zwei Dingen: Die Pfanne war nicht heiß genug, oder der Teig wurde zu früh gewendet. Eine Galette ist bereit zum Wenden, wenn sich die Ränder sichtbar vom Pfannenrand gelöst haben und die Oberfläche nicht mehr glänzt, also vollständig gestockt ist. Mit einem breiten, flachen Spatel arbeiten und die Galette in einer fließenden Bewegung wenden, nicht zogernd. Außerdem sollte die Pfanne wirklich flach sein — ein hoher Rand erschwert das Wenden erheblich.
Ist Buchweizenmehl wirklich glutenfrei?
Buchweizen enthält von Natur aus kein Gluten. Dennoch sollten Menschen mit Zöliakie darauf achten, dass das gekaufte Mehl als „glutenfrei zertifiziert" ausgewiesen ist, da Buchweizenmehl in konventionellen Mühlen häufig zusammen mit glutenhaltigem Getreide verarbeitet wird und Kreuzkontaminationen möglich sind. Bio-Fachhandel und spezialisierte Anbieter führen in der Regel zertifizierte Varianten.