Rhabarberschorle selber machen, dieses Trendgetränk kostet weniger als 1 Euro pro Glas
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Anfang April liegt der Rhabarber frisch auf den Marktständen – leuchtend rote Stiele, herb-säuerlich im Geruch, unverwechselbar in seiner Saisoneigenheit. Genau jetzt, wenn der Frühling sich mit kühlen Abenden und ersten warmen Mittagsstunden abwechselt, ist der Moment gekommen, aus diesem unterschätzten Gemüse ein Trendgetränk zu machen, das auf Social-Media-Kanälen und in Hofcafés gleichermaßen auftaucht: die Rhabarberschorle. Selbst angesetzt, mit wenig Aufwand und einem Preis weit unter einem Euro pro Glas, überzeugt sie durch ihre blumig-säuerliche Frische, die kein Fertigprodukt jemals erreicht.
Wer eine Rhabarberschorle selber macht, bestimmt selbst, wie süß, wie sauer, wie spritzig das Ergebnis wird. Die Basis ist ein einfacher Rhabarbersirup – er lässt sich auf Vorrat kochen und hält sich im Kühlschrank mehrere Wochen. In diesem Rezept lernen Sie, wie der Sirup gelingt, wie man ihn zu einer perfekten Schorle aufgießt und mit welchen Zutaten sich das Getränk verfeinern lässt. Also: Kochtopf heraus, Rhabarber rein.
| Vorbereitung | 10 Min. |
| Kochen | 20 Min. |
| Abkühlen | 30 Min. |
| Portionen | ca. 8 Gläser (je 250 ml) |
| Schwierigkeit | Einfach |
| Kosten | € |
| Saison | Rhabarber (April–Juni), Zitrone |
Geeignet für: Vegan · Vegetarisch · Glutenfrei · Laktosefrei
Zutaten
Für den Rhabarbersirup (ergibt ca. 400 ml)
- 500 g frischer Rhabarber [möglichst rote Stiele für eine kräftige Farbe]
- 200 g Zucker [weißer Haushaltszucker oder Rohrohrzucker für ein karamelligeres Aroma]
- 250 ml Wasser
- ½ Bio-Zitrone, Saft und Schale
- 1 Vanilleschote [optional, verleiht Tiefe]
Zum Aufgießen pro Glas
- 30–40 ml Rhabarbersirup (nach Geschmack)
- 200–220 ml gekühltes Mineralwasser [mittel- oder stark kohlensäurehaltig]
- Eiswürfel nach Wunsch
- Frische Minze oder eine dünne Rhabarberscheibe zur Garnitur [optional]
Utensilien
- Mittelgroßer Kochtopf (mind. 1,5 l Fassungsvermögen)
- Feinmaschiges Sieb oder Passiertuch
- Schüssel zum Auffangen des Sirups
- Sterilisierte Glasflasche (400–500 ml) mit Schraubverschluss
- Messer und Schneidebrett
- Zestenreißer oder Sparschäler
- Messbecher
- Schöpfkelle
Zubereitung
1. Rhabarber vorbereiten und abwiegen
Den Rhabarber gründlich unter kaltem Wasser waschen und die Enden großzügig abschneiden. Die Blätter des Rhabarbers sind giftig – sie enthalten hohe Mengen Oxalsäure – und gehören ausnahmslos in den Kompost, nicht in den Kochtopf. Die Stiele anschließend in grobe Stücke von etwa 3–4 cm Länge schneiden; eine gleichmäßige Größe sorgt dafür, dass der Rhabarber gleichmäßig gart und seine Aromen vollständig abgibt. Das Schälen der Stiele ist nicht notwendig und würde die typisch herbale Bitterkeit des Getränks mindern. Wer eine besonders intensive Rosatönung wünscht, greift bewusst zu Stielen mit leuchtend roter Außenhaut.
2. Sirupbasis kochen
Zucker und Wasser in den Kochtopf geben und bei mittlerer Hitze unter gelegentlichem Rühren aufkochen, bis sich der Zucker vollständig aufgelöst hat. Dieser Vorgang dauert etwa 2–3 Minuten; das Ergebnis ist ein klarer, leicht zähflüssiger Zuckersirup. Nun die Rhabarberstücke, den Saft der halben Zitrone sowie einige Streifen der Zitronenschale und – wenn gewünscht – das aufgeritzte Vanillemark samt Schote hinzufügen. Die Mischung einmal aufkochen lassen, dann die Temperatur auf niedrige Stufe reduzieren. Die Frucht sollte bei einem leichten Köcheln – dem sogenannten Simmern: kaum sprudelndes, gleichmäßiges Wallen – etwa 15–18 Minuten garen, bis die Rhabarberstücke vollständig weich sind und die Flüssigkeit eine satte, rosafarbene bis rötliche Tönung angenommen hat.
3. Sirup abseihen und klären
Den Topf vom Herd nehmen und die Mischung für 5 Minuten leicht abkühlen lassen – heiße Flüssigkeiten durch ein Sieb zu gießen, ist heikel und kann zu Verbrühungen führen. Dann die gesamte Masse über eine Schüssel durch ein feinmaschiges Sieb gießen. Wer einen besonders klaren, nahezu transparenten Sirup möchte, legt das Sieb zusätzlich mit einem angefeuchteten Passiertuch aus. Den Rhabarberrückstand auf keinen Fall mit einem Löffel ausdrücken: Das Durchdrücken trübt den Sirup und gibt bittere Schwebstoffe ab, die das Aroma beeinträchtigen. Stattdessen einfach abtropfen lassen – das braucht Geduld, lohnt sich aber. Der weiche Rhabarberrückstand ist nicht verloren: Er lässt sich als Kompott, Füllung für Pfannkuchen oder Topping auf Haferbrei verwenden.
4. Sirup abfüllen und abkühlen
Den noch warmen Sirup in die sterilisierte Glasflasche füllen und diese sofort verschließen. Vollständig auf Zimmertemperatur abkühlen lassen, dann in den Kühlschrank stellen. Der Sirup dickt beim Abkühlen leicht nach und erreicht eine honigartige Konsistenz – das ist das Zeichen, dass die Zuckermenge stimmig war. Im Kühlschrank hält er sich problemlos 3–4 Wochen. Wer größere Mengen produzieren möchte, kann die Zutatenmenge verdoppeln und einen Teil des Sirups einfrieren.
5. Die Schorle anrichten
Ein hohes Glas mit einigen Eiswürfeln füllen. 30–40 ml Rhabarbersirup – das entspricht etwa 2–3 Esslöffeln – hineingeben und dann langsam, am besten an der Glasinnenwand entlang, das gekühlte Mineralwasser aufgießen. Dieses Vorgehen schont die Kohlensäure und verhindert, dass das Getränk überschäumt. Einmal vorsichtig mit einem langen Löffel umrühren. Die Intensität der Schorle lässt sich ganz einfach anpassen: Weniger Sirup ergibt ein leichteres, erfrischenderes Getränk; mehr Sirup bringt die charakteristische Rhabarbersäure stärker zur Geltung. Wer möchte, garniert mit einem Zweig frischer Minze, einer aufgefächerten Rhabarberscheibe oder einem Streifen Zitronenschale.
Mein Küchentipp
Roter Rhabarber – also Sorten mit durchgehend rotem Stiel und rosa Fruchtfleisch – färbt den Sirup von Natur aus in ein leuchtendes Himbeerrosa, das keinerlei weitere Zusätze braucht. Grüne Rhabarbersorten schmecken oft intensiver-säuerlich, liefern aber einen deutlich blasseren, gelblich-trüben Sirup. Wer trotz grüner Stiele eine kräftige Farbe möchte, kann einen Esslöffel frischen Himbeersaft mitkochen – das verändert den Geschmack kaum, macht aber optisch einen erheblichen Unterschied. Im Mai, wenn die ersten Erdbeeren auf den Markt kommen, lohnt es sich außerdem, 100 g Rhabarber durch Erdbeeren zu ersetzen: Das Ergebnis ist fruchtiger, milder und eine der besten Sommerschorlen überhaupt.
Getränke-Empfehlungen
Die Rhabarberschorle steht mit ihrer hellen Säure und ihren blumig-herben Noten für sich allein – sie braucht keinen Alkohol. Wer das Getränk dennoch zu einem leichten Frühlingsapéritif machen möchte, findet im trockenen deutschen Federweißen oder in einem prickelnden Prosecco Brut einen passenden Partner: die Restsüße des Weins federt die Rhabarbersäure ab, ohne sie zu überdecken.
Für eine alkoholfreie Abendversion empfiehlt sich ein Schuss Holunderblütensirup in die Schorle – der gibt der Säure des Rhabarbers eine blumige, fast parfümierte Dimension und macht das Glas festtauglicher. Eine heiße Alternative für kühle Frühlingsabende: den Sirup pur mit heißem Wasser aufgießen, einen Scheibchen frischem Ingwer hineinlegen und als aromatischen Früchtetee servieren.
Wissenswertes über Rhabarber und seine Verwendung als Getränk
Rhabarber ist botanisch gesehen ein Gemüse – auch wenn er in der deutschen Küche überwiegend wie Obst verarbeitet wird. Seine Heimat liegt in Zentralasien, wo er jahrhundertelang ausschließlich als Heilpflanze gehandelt wurde; der Wert seiner getrockneten Wurzeln überstieg im Mittelalter zeitweise den von Zimt oder Safran. Als Nahrungsmittel setzte sich Rhabarber in Europa erst im 18. und 19. Jahrhundert durch, als die Zuckerpreise fielen und seine Säure plötzlich kulinarisch nutzbar wurde. In Deutschland gehört er bis heute fest zur Frühjahrsküche – von der Grütze über den Streuselkuchen bis zur Marmelade.
Rhabarber als Kaltgetränk ist eine vergleichsweise junge Entdeckung. Die Rhabarberschorle etablierte sich zunächst in Hofcafés und auf Bauernmärkten, wo der überschüssige Rhabarber der Saison zu Sirup verarbeitet wurde – und kam in den vergangenen Jahren über soziale Medien zu einer breiteren Bekanntheit. Dabei ist das Prinzip denkbar simpel und lässt sich auf viele andere Früchte und Gemüse des Frühlings übertragen: Holunderblüten, Minze, grüner Apfel oder eine Kombination aus Rhabarber und Ingwer folgen exakt der gleichen Siruplogik.
Nährwerte (pro Glas à 250 ml, Näherungswerte)
| Nährstoff | Menge |
|---|---|
| Kalorien | ~65 kcal |
| Eiweiß | ~0 g |
| Kohlenhydrate | ~16 g |
| davon Zucker | ~15 g |
| Fett | ~0 g |
| Ballaststoffe | ~0,2 g |
Häufige Fragen
Wie lange hält sich der selbst gemachte Rhabarbersirup?
Im Kühlschrank, luftdicht in einer sterilisierten Glasflasche verschlossen, hält der Sirup 3–4 Wochen. Für eine längere Haltbarkeit kann man den Sirup portionsweise in Eiswürfelbehältern einfrieren – die gefrorenen Würfel lassen sich dann einzeln entnehmen und direkt ins Glas geben, wo sie gleichzeitig als Eiswürfel dienen und den Sirup auftauen.
Kann ich weniger Zucker verwenden?
Ja – die Zuckermenge lässt sich auf 120–150 g reduzieren, ohne dass der Sirup seine Konsistenz gänzlich verliert. Der Sirup wird dann deutlich säuerlicher und hält sich im Kühlschrank etwas kürzer (ca. 2 Wochen). Alternativ eignen sich Ahornsirup oder Agavendicksaft als Ersatz, wobei beide das Aroma des Rhabarbers leicht überlagern. Wer vollständig auf Haushaltszucker verzichten möchte, kann mit Erythrit oder Xylit arbeiten – die Schorle wird dann kalorienärmer, aber auch weniger lange haltbar.
Welche Varianten der Rhabarberschorle sind möglich?
Die Grundrezeptur lässt sich vielfältig abwandeln. Im April harmoniert Rhabarber hervorragend mit frischem Ingwer (ein daumengroßes Stück mitkochen) für eine wärmende, leicht scharfe Note. Ab Mai empfiehlt sich die Kombination mit Erdbeeren, die die Säure abmildern und das Getränk fruchtig-süßer machen. Wer eine blumige Variante bevorzugt, kocht einen Zweig frische Minze oder einige Holunderblüten mit – diese bitte erst in den letzten 3 Minuten der Kochzeit hinzufügen, damit ihr ätherisches Aroma nicht verfliegt. Für eine festlichere Version lässt sich die Schorle mit prickelndem Wasser und einem Schuss trockenem Sekt aufgießen.
Warum ist mein Sirup nicht rosa geworden?
Die Farbe des Sirups hängt direkt von der Rhabarbersorte ab. Grüne oder grünlich-rote Stiele enthalten weniger Anthocyane – die wasserlöslichen Farbpigmente, die für das Rot verantwortlich sind – und ergeben einen blassen, gelblich-grünen Sirup. Das Aroma ist davon unberührt, aber optisch weniger attraktiv. Die Lösung: beim Einkauf gezielt nach roten Rhabarbersorten fragen (z. B. „Holsteiner Blut" oder „Roter Vollblut") oder einen Esslöffel Himbeersaft als natürlichen Farbgeber mitkochen.
Ist die Rhabarberschorle für Kinder geeignet?
Ja, die Schorle ist für Kinder geeignet, da sie keinen Alkohol enthält. Rhabarber enthält Oxalsäure, die in größeren Mengen die Aufnahme von Kalzium hemmt – bei einem Glas Schorle pro Tag sind die Mengen jedoch unbedenklich gering. Wer die Säure für jüngere Kinder weiter abmildern möchte, erhöht einfach den Mineralwasseranteil auf 250 ml pro 20 ml Sirup.