Schnelle Bärlauch-Quiche, die auch kalt am nächsten Tag noch saftig schmeckt

Geschrieben von Annika· 7 Min. Lesezeit

Aktualisiert am vor 5 Stunden

Anfang April hat der Bärlauch seinen großen Auftritt. Auf Waldböden und in schattigen Flussauen schiebt er seine dunkelgrünen, glänzenden Blätter durch das feuchte Laub — intensiv nach Knoblauch duftend, frisch und ungestüm. Dieses Zeitfenster ist kurz: Wer ihn nicht jetzt einkauft oder selbst pflückt, wartet ein ganzes Jahr. Die Bärlauch-Quiche ist eine der schnellsten und überzeugendsten Antworten auf diesen flüchtigen Frühlingsmoment.

Diese Version ist bewusst saftig gehalten — nicht durch Überdosierung von Sahne, sondern durch das genaue Verhältnis von Ei, Quark und Bärlauch, das auch nach einer Nacht im Kühlschrank für eine weiche, aromatische Schnittfläche sorgt. Die Quiche wird am nächsten Tag kalt gegessen kaum weniger intensiv als frisch aus dem Ofen — ein Vorteil, der sie zur idealen Lösung für Lunchboxen, Picknicks oder spontane Gäste macht. Schürze umgebunden, Ofen vorgeheizt — es kann losgehen.

Vorbereitung20 Min.
Backzeit35 Min.
Ruhezeit10 Min.
Portionen6 Personen
SchwierigkeitsgradEinfach
Kosten
SaisonBärlauch (März–April), Frühlingszwiebeln

Geeignet für: Vegetarisch

Zutaten

Für den Teig

  • 200 g Mehl (Type 405)
  • 100 g kalte Butter, in Würfeln
  • 1 Ei (Größe M)
  • 1 Prise Salz
  • 2–3 EL eiskaltes Wasser

Für die Füllung

  • 120 g frischer Bärlauch, grobe Stiele entfernt
  • 3 Eier (Größe M)
  • 200 g Crème fraîche
  • 150 g Magerquark
  • 80 g geriebener Comté oder Gruyère
  • 1 Frühlingszwiebel, fein geschnitten
  • ½ TL frisch geriebene Muskatnuss
  • Salz und schwarzer Pfeffer aus der Mühle
  • 1 EL Olivenöl

Utensilien

  • Quicheform (Ø 26 cm) oder Tarteform mit herausnehmbarem Boden
  • Küchenwaage
  • Nudelholz
  • Backpapier und Hülsenfrüchte oder Backbohnen zum Blindbacken
  • Rührschüssel
  • Schneebesen
  • Messer und Schneidebrett
  • Sieb

Zubereitung

1. Den Mürbeteig herstellen

Mehl, Salz und die kalten Butterwürfel in eine Schüssel geben und mit den Fingerspitzen rasch zu einer krümeligen Masse verreiben — das bedeutet: die Butter mit dem Mehl so schnell wie möglich zwischen den Fingern zerdrücken, bis die Textur feinem Sand ähnelt. Die Hände sollten dabei möglichst kühl bleiben, damit die Butter nicht zu früh schmilzt. Das Ei und das eiskalte Wasser hinzufügen und alles nur so lange kneten, bis ein glatter Teig entsteht. Nicht überkneten — ein Mürbeteig verliert durch zu langes Bearbeiten seine Mürbe und wird zäh. Den Teig in Frischhaltefolie wickeln und für mindestens 15 Minuten in den Kühlschrank legen.

2. Den Ofen vorheizen und die Form vorbereiten

Den Backofen auf 190 °C Ober-/Unterhitze (170 °C Umluft) vorheizen. Den gekühlten Teig auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche zu einem Kreis von etwa 30 cm Durchmesser ausrollen — er sollte gleichmäßig dick sein, ungefähr 3–4 mm. Die Quicheform leicht buttern, den Teig einlegen und dabei vorsichtig in den Rand drücken, ohne ihn zu dehnen. Den überstehenden Teig mit einem scharfen Messer abschneiden. Den Boden mehrfach mit einer Gabel einstechen — so entstehen kleine Löcher, durch die Dampf entweichen kann und der Teig sich beim Blindbacken nicht aufwölbt.

3. Blindbacken

Den Teigboden mit Backpapier auslegen und mit Blindbackgewichten — getrockneten Kichererbsen, Linsen oder speziellen Keramikkügelchen — beschweren. Im vorgeheizten Ofen für 12 Minuten vorbacken. Das Backpapier mit den Gewichten abheben und den Boden weitere 5 Minuten ohne Abdeckung goldfarben trocknen lassen. Dieser Schritt verhindert den sogenannten „soggy bottom“, also einen durchgeweichten, teigigen Boden, der die ganze Mühe zunichte machen würde. Der Teig sollte jetzt mattgolden und fest, aber noch nicht dunkel sein.

4. Den Bärlauch vorbereiten

Den frischen Bärlauch gründlich waschen und in einem sauberen Küchentuch oder einem Sieb gut abtropfen lassen — Restfeuchtigkeit würde die Füllung verwässern. Die groben Stiele entfernen, die Blätter dann in feine Streifen chiffonade schneiden: Blätter zu einer Rolle einrollen und quer in Streifen von etwa 3 mm schneiden. Die Frühlingszwiebel in feine Ringe schneiden. Einen Esslöffel Olivenöl in einer Pfanne bei mittlerer Hitze erwärmen, Frühlingszwiebel darin 1–2 Minuten glasig andünsten, dann den Bärlauch hinzugeben und für maximal 30 Sekunden unter Rühren zusammenfallen lassen. Vom Herd nehmen — der Bärlauch soll seine leuchtend grüne Farbe und seinen Biss behalten.

5. Den Guss anrühren

Eier, Crème fraîche und Quark in einer Schüssel mit dem Schneebesen glatt rühren, bis keine Klümpchen mehr zu sehen sind. Den geriebenen Käse einarbeiten. Muskatnuss frisch über die Masse reiben — das macht einen spürbaren Unterschied gegenüber gemahlenem Muskat aus der Tüte. Großzügig salzen und pfeffern. Den vorgedünsteten Bärlauch-Zwiebel-Mix unterrühren. Die Masse sollte jetzt intensiv nach frischem Frühlingsknoblauch duften und eine blassgelbgrüne Farbe haben.

6. Backen

Die Füllung gleichmäßig auf dem vorgebackenen Teigboden verteilen. Die Quicheform auf die mittlere Schiene des vorgeheizten Ofens schieben und 30–35 Minuten backen, bis die Oberfläche goldbraun gesprenkelt ist und die Füllung in der Mitte kaum noch wackelt, wenn man die Form leicht rüttelt. Das leichte Zittern in der Mitte ist gewollt — dort stockt der Guss beim Abkühlen nach. Eine zu lange Backzeit macht die Füllung körnig und trocken. Nach dem Backen die Quiche mindestens 10 Minuten ruhen lassen, bevor sie angeschnitten wird.

Mein Küchentipp

Der Quark ist hier kein Zufall. Er bindet die Füllung stabiler als reine Sahne und sorgt dafür, dass die Quiche am nächsten Tag kalt noch eine schnittfeste, weiche Konsistenz hat — nicht gummiartig, nicht wässrig. Wer die Quiche ohnehin für den nächsten Tag plant, lässt sie komplett abkühlen, wickelt sie in Frischhaltefolie und bewahrt sie im Kühlschrank auf. Vor dem Servieren kurz bei 160 °C für 8 Minuten aufwärmen — oder direkt kalt essen, was im Frühjahr beim Picknick am überzeugendsten ist. In den nächsten Wochen, wenn der Bärlauch von den Märkten verschwindet, kann man die Füllung mit jungem Spinat und einem Hauch Knoblauch variieren.

Getränkeempfehlung

Der Bärlauch bringt eine kräftige, herb-würzige Note mit, die von einem Wein mit lebendiger Säure und leichter Mineralität am besten aufgenommen wird.

Ein junger Grüner Veltliner aus dem Kamptal oder der Wachau passt hier ausgezeichnet: seine typische Pfefferwürze und frische Säure spiegeln das Frühlingsaroma des Bärlauchs, ohne es zu überdecken. Wer es lieber französisch mag, greift zu einem Muscadet sur lie aus dem Loiretal — salzig, schlank, herb. Als alkoholfreie Alternative: ein Holunderblütensirup mit Mineralwasser und einem Spritzer Zitrone, der den grünen Charakter des Gerichts aufgreift.

Wissenswertes über diese Quiche

Die Quiche ist eine elsässisch-lothringische Erfindung, die ihren Ursprung wahrscheinlich im deutschen „Kuchen“ hat — ein offener, herzhafter Kuchen, der im Mittelalter mit Brotteig gebacken wurde. Der Mürbeteig setzte sich erst später durch. Die klassische Quiche Lorraine kennt weder Bärlauch noch Gemüse — nur Speck, Eier und Sahne. Die Frühlingsversion mit Bärlauch ist eine moderne Interpretation, die in Deutschland und der Schweiz seit einigen Jahren auf Märkten und in der Alltagsküche Einzug hält.

Bärlauch (Allium ursinum) gehört zur selben Familie wie Knoblauch und Zwiebeln, ist aber milder und frischer im Geschmack. Sein Name leitet sich von der Beobachtung ab, dass Bären nach dem Winterschlaf gezielt nach dieser Pflanze graben. Beim Sammeln in der Natur ist äußerste Sorgfalt geboten: Die Blätter ähneln denen des giftigen Maiglöckchens und des Herbstzeitlosen. Der Geruchstest — frische Blätter zwischen den Fingern reiben — ist die zuverlässigste Methode zur Unterscheidung. Im Zweifel lieber beim Wochenmarkt kaufen.

Nährwerte (pro Portion, ca. Richtwerte)

NährstoffMenge
Kalorien~340 kcal
Eiweiß~13 g
Kohlenhydrate~26 g
davon Zucker~3 g
Fett~21 g
Ballaststoffe~2 g

Häufig gestellte Fragen

Kann die Quiche am Vortag gebacken werden?

Ja, und das ist sogar empfehlenswert. Vollständig abgekühlt und in Frischhaltefolie gewickelt bleibt die Quiche im Kühlschrank bis zu 2 Tage frisch. Die Füllung festigt sich über Nacht, der Schnitt wird sauberer und das Aroma des Bärlauchs zieht tiefer in den Teig ein. Zum Aufwärmen reichen 8–10 Minuten bei 160 °C.

Wie lange ist die Quiche haltbar und wie aufbewahren?

Im Kühlschrank, abgedeckt oder in einem luftdichten Behälter, hält die Quiche 2–3 Tage. Einfrieren ist möglich: In Portionen geschnitten und einzeln eingefroren, lässt sie sich im Ofen bei 170 °C für 15–18 Minuten direkt aus dem gefrorenen Zustand aufbacken. Die Textur verändert sich dabei leicht, bleibt aber akzeptabel.

Was tun, wenn kein Bärlauch mehr erhältlich ist?

Ab Mai ist die Bärlauchernte vorbei. Als Ersatz eignet sich am besten junger Blattspinat kombiniert mit einer fein gehackten Knoblauchzehe, die kurz in Olivenöl angedünstet wird. Alternativ funktioniert wilder Rucola mit etwas Schnittlauch gut — das Ergebnis ist milder, aber ebenfalls frühlingshaft. Das Verhältnis der Zutaten bleibt identisch.

Wie erkenne ich, dass die Quiche gar ist, ohne sie anzuschneiden?

Die Oberfläche sollte goldbraun gesprenkelt und die Ränder der Füllung fest sein. Die Mitte darf beim vorsichtigen Rütteln der Form noch leicht wackeln — das ist korrekt. Ein komplett festes Wackeln bedeutet, dass die Quiche überbacken ist. Als Hilfsmittel: ein Zahnstocher in die Mitte gesteckt — er sollte leicht feucht, aber sauber herauskommen, ohne flüssigen Teig.

Kann ich fertigen Kühlschrankteig verwenden, um Zeit zu sparen?

Ja. Ausgerollter Kühlschrankmürbeteig aus dem Kühlregal eignet sich gut und verkürzt die Vorbereitungszeit auf unter 10 Minuten. Das Blindbacken bleibt dennoch wichtig — diesen Schritt sollte man nicht überspringen, egal welchen Teig man verwendet. Der Eigenteig liefert ein knusp­rigeres, butterigeres Ergebnis, aber der Unterschied ist im Alltag oft vertretbar.

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