Spargel-Pinsa: Die schmeckt besser als jede Pizza

Geschrieben von Barbara· 10 Min. Lesezeit
Spargel-Pinsa: Die schmeckt besser als jede Pizza
Spargel-Pinsa: Die schmeckt besser als jede Pizza

Mitte April liegt der Frühling in der Luft, und auf den Wochenmärkten stapeln sich die ersten dicken, weißen Stangen: Spargel. Die kurze Saison dauert nur bis zum Johannistag Ende Juni – wer sie nutzen will, muss jetzt handeln. Was aber, wenn man weder Lust auf die klassische Butter-Sauce noch auf die ewig gleiche Pasta hat? Die Antwort kommt aus Rom und riecht nach knusprigem Teig: die Pinsa.

Die Pinsa ist Roms älteste Antwort auf die Pizza – und gleichzeitig ihre elegantere Schwester. Ihr Teig aus Weizen-, Reis- und Sojamehl ist leichter, luftiger und durch eine lange Kaltgärung von mindestens 24 Stunden so bekömmlich, dass man fast vergisst, dass man gerade etwas aus dem Ofen gezogen hat. Belegt mit frischem Spargel, cremiger Ricotta und einem Hauch Zitronenabrieb, wird sie zur schönsten Frühlingssache auf dem Tisch. Schürze umgebunden, Backofen vorgeheizt – es geht los.

Vorbereitung30 Min. (+ 24–48 Std. Teigruhe)
Backzeit14–16 Min.
Ruhezeit24–48 Std. (Kaltgärung)
Portionen2 Personen
SchwierigkeitsgradMittel
Kosten€€
SaisonWeißer und grüner Spargel, Zitrone, frische Kräuter

Geeignet für: Vegetarisch

Zutaten

Für den Pinsa-Teig

  • 300 g Weizenmehl (Typ 00 oder 550)
  • 50 g Reismehl
  • 30 g Sojaschrot oder Sojaproteinmehl
  • 230 ml kaltes Wasser
  • 1 TL Salz
  • ½ TL Zucker
  • 2 g frische Hefe (oder 1 g Trockenhefe)
  • 2 EL Olivenöl (kalt gepresst)

Für den Belag

  • 500 g weißer Spargel (frisch, möglichst gleichmäßig dick)
  • 200 g Ricotta (vollfett, gut abgetropft)
  • 80 g Parmigiano Reggiano (frisch gerieben)
  • 1 unbehandelte Zitrone (Abrieb und etwas Saft)
  • 2 EL Olivenöl
  • Fleur de Sel und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
  • Einige Zweige frischer Thymian
  • Optional: einige Scheiben Parmaschinken, nach dem Backen aufgelegt

Küchenzubehör

  • Große Rührschüssel
  • Küchenwaage
  • Frischhaltefolie
  • Backblech oder Pizzastein
  • Sparschäler
  • Zestenreibe (Microplane)
  • Backpapier
  • Kleines Messer und Schneidebrett

Zubereitung

1. Den Teig ansetzen – Geduld ist der wichtigste Rohstoff

Das Geheimnis einer echten Pinsa liegt nicht im Belag, sondern in der Zeit. Weizenmehl, Reismehl und Sojaschrot in einer großen Schüssel mischen. Die frische Hefe in dem kalten Wasser auflösen – das Wasser soll wirklich kalt sein, etwa 10 bis 12 Grad, denn eine langsame Gärung bei niedrigen Temperaturen ist das, was den Teig so leicht und verdaulich macht. Die Hefe-Wasser-Mischung nach und nach in die Mehlmischung geben und mit einem Holzlöffel oder den Händen grob vermengen. Dann Salz, Zucker und Olivenöl zugeben. Den Teig etwa 10 Minuten kneten, bis er glatt und leicht klebrig ist – er soll keinesfalls trocken wirken. Die Schüssel mit Frischhaltefolie abdecken und den Teig zunächst eine Stunde bei Zimmertemperatur stehen lassen, dann für mindestens 24 Stunden, besser 48 Stunden, in den Kühlschrank geben. In dieser Zeit entwickeln Milchsäurebakterien und die wenige Hefe ein komplexes Aroma, das kein Schnellrezept jemals erreichen kann.

2. Den Spargel vorbereiten – Frühlingsarbeit mit Sorgfalt

Den weißen Spargel sorgfältig schälen, dabei im unteren Drittel etwas großzügiger als oben, denn dort ist die Schale fester und bitterer. Die holzigen Enden, etwa zwei bis drei Zentimeter, großzügig abschneiden. Den geschälten Spargel in ein Küchentuch legen und leicht trocknen. Anschließend die Stangen mit einem Sparschäler oder einem scharfen Messer längs in dünne, flache Streifen hobeln – diese sogenannten Spargelribbons garen im heißen Ofen direkt auf der Pinsa durch, ohne vorher blanchiert werden zu müssen. Wer dickere Stücke bevorzugt, kann den Spargel auch halbieren und für drei Minuten in leicht gesalzenem Wasser vorblanchieren. Die Ribbons in eine Schüssel geben, mit einem Esslöffel Olivenöl, etwas Zitronensaft, Salz und Pfeffer vermengen.

3. Die Ricotta-Basis vorbereiten

Den gut abgetropften Ricotta in einer kleinen Schüssel mit der Hälfte des geriebenen Parmigiano Reggiano verrühren. Den Abrieb der Zitrone – fein gerieben mit der Microplane, sodass nur das leuchtend gelbe Äußere und nicht die bittere weiße Schicht erfasst wird – untermischen. Mit Fleur de Sel und schwarz gemahlenem Pfeffer abschmecken. Die Mischung soll cremig, leicht körnig und intensiv nach Zitrusfrucht duften. Diese Basis übernimmt auf der Pinsa die Rolle der Sauce: Sie bindet die Aromen und verhindert gleichzeitig, dass der Teig durchweicht.

4. Den Teig formen – kein Nudelholz, niemals

Den Teig mindestens eine Stunde vor der Verarbeitung aus dem Kühlschrank nehmen, damit er auf Zimmertemperatur kommt. Ihn auf einer leicht bemehlten Fläche zu einer länglichen, ovalen Form ziehen – die typische Pinsa-Form ist nicht rund, sondern erinnert an ein flaches Fußballfeld. Dabei niemals ein Nudelholz verwenden: Das Ausrollen würde die Luftblasen im Teig zerstören, die für das charakteristische alveolierte Innere verantwortlich sind, also das zellenartige, poröse Innengefüge. Mit den Fingern sanft von der Mitte nach außen drücken und dehnen, den Rand dabei etwas dicker lassen. Den geformten Teig auf ein mit Backpapier belegtes Blech oder direkt auf einen heißen Pizzastein legen.

5. Belegen und backen – Hitze ohne Kompromisse

Den Backofen auf 250 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen – wer einen Pizzastein hat, diesen mindestens 45 Minuten miterhitzen. Die Ricotta-Parmigiano-Masse gleichmäßig auf dem Teig verteilen, dabei einen Rand von etwa zwei Zentimetern freilassen. Die marinierten Spargelribbons locker und überlappend darüber arrangieren – keine Scheu vor Volumen, sie fallen beim Backen zusammen. Die Thymianzweige darüber verteilen, den restlichen Parmigiano Reggiano überstreuen und mit einem dünnen Faden Olivenöl beträufeln. Die Pinsa für 14 bis 16 Minuten backen, bis der Rand dunkel und knusprig ist und die Spargelstreifen an den Spitzen leicht Farbe genommen haben. Wer Parmaschinken möchte, legt ihn erst nach dem Backen, in dünne Wellen drapiert, auf den heißen Teig – er soll weich bleiben, nicht mitbacken.

Mein Tipp aus der Küche

Weißer Spargel hat in diesem April eine außergewöhnlich kurze Reise hinter sich, wenn er vom Marktstand direkt in den Teig wandert. Für ein intensiveres Aroma den Spargelabrieb und die Schalen nicht wegwerfen: Kurz mit Butter, einer Prise Salz und etwas Wasser aufkochen, durchsieben und als leichte Glasur über die fertige Pinsa pinseln, bevor man sie serviert. Das konzentriert den Frühling auf einem Stück Teig wie kaum eine andere Technik. Wer grünen Spargel bevorzugt, braucht ihn nicht zu schälen – einfach die unteren zwei Zentimeter abschneiden und in Scheiben schneiden.

Getränke-Empfehlungen

Die Kombination aus cremigem Ricotta, frischer Zitrusnote und dem leicht bitteren Spargel verlangt nach einem Wein mit lebendiger Säure und einem floralen Charakter, der den Frühling nicht übertönt, sondern spiegelt.

Ein trockener Grüner Veltliner aus dem Kamptal oder der Wachau – mit seinem typischen weißen Pfefferton und der klaren Mineralität – ist die naheliegende Wahl. Alternativ passt ein leichter Vermentino di Sardegna hervorragend: seine Bittermandel-Noten korrespondieren direkt mit dem Spargel. Wer keinen Alkohol möchte, greift zu einem gut gekühlten Wasser mit Zitronenscheibe und einem Schuss Holunderblütensirup – frisch, zurückhaltend, saisonal schlüssig.

Herkunft und Hintergrund der Pinsa

Die Pinsa Romana ist keine Erfindung der Neuzeit: Ihr Name leitet sich vom lateinischen pinsere ab, was „zerquetschen" oder „flach drücken" bedeutet – eine Zubereitungsweise, die in Rom nachweislich seit der Antike bekannt ist. Damals wurden Getreidemischungen mit Kräutern, Olivenöl und Käse belegt und auf flachen Steinen gebacken. Die moderne Wiederentdeckung begann Anfang der 2000er Jahre, als der Lebensmitteltechnologe Corrado Di Marco die ursprüngliche Rezeptur neu interpretierte und das Mehltrio aus Weizen, Reis und Soja als Grundlage festlegte. Seitdem hat die Pinsa in Rom eine eigene Zunft an Bäckern und Pizzaioli hervorgebracht, die sich streng von der neapolitanischen Pizzatradition abgrenzen.

Was die Pinsa von der Pizza unterscheidet, ist nicht nur die Form: Durch die lange Kaltgärung und den höheren Wasseranteil im Teig – bis zu 80 Prozent Hydration gegenüber etwa 60 Prozent bei der klassischen Pizza – ist sie innen luftiger, außen gleichzeitig knuspriger. Der Teig ist leichter verdaulich und weniger kalorienreich bei gleichem Volumen. Saisonale Belegungen wie die Spargel-Variante im Frühling sind in römischen Pinserie längst Alltag – und beweisen, dass dieser Teig der Vielseitigste im ganzen Backuniversum ist.

Nährwerte (pro Portion, Richtwerte)

NährstoffMenge
Kalorien~610 kcal
Eiweiß~28 g
Kohlenhydrate~72 g
davon Zucker~5 g
Fett~20 g
Ballaststoffe~6 g

Häufige Fragen

Kann ich den Teig auch am selben Tag verwenden?

Theoretisch ja, aber geschmacklich macht es einen deutlichen Unterschied. Eine Mindestruhe von zwei Stunden bei Zimmertemperatur ist das absolute Minimum – der Teig lässt sich dann formen, bleibt aber deutlich weniger aromatisch und verdaulich. Wer Zeit hat, plant idealerweise 48 Stunden im Voraus: Der Aufwand in der Küche selbst beträgt dann nur noch etwa 30 Minuten.

Wie bewahre ich übrig gebliebene Pinsa auf?

Abgekühlte Reste in Alufolie einwickeln und kühl lagern – sie halten sich bis zu einem Tag. Am besten im Backofen bei 200 Grad für fünf Minuten aufwärmen, niemals in der Mikrowelle, da sonst der Teig gummiartig wird. Frisch belegen lässt sich die Restpinsa auch kalt als Zwischenmahlzeit, dann die Ricotta-Schicht leicht salzen.

Welche Varianten sind im Frühling noch möglich?

Grüner Spargel lässt sich eins zu eins verwenden, er braucht keine Schale und hat eine intensivere, grasigere Note. Frische Erbsen, leicht angedrückt, mit Minze und Ziegenkäse sind eine weitere Frühlingsvariante, die hervorragend funktioniert. Radieschen – in hauchdünne Scheiben geschnitten und erst nach dem Backen aufgelegt – bringen Schärfe und Farbe. Wer es herzhafter mag, kann die Ricotta-Basis mit etwas in Olivenöl geschmorten Schalotten unterlegen.

Wo bekomme ich die speziellen Mehlsorten für den Pinsa-Teig?

Reismehl ist in jedem gut sortierten Supermarkt, in Asia-Läden oder im Reformhaus erhältlich. Sojaschrot oder Sojaproteinmehl findet man im Bioladen oder online. Wer keine Sojaprodukte möchte, kann die 30 Gramm durch zusätzliches Weizenmehl ersetzen – das Ergebnis wird etwas kompakter, bleibt aber schmackhaft. Fertige Pinsa-Mehlmischungen bieten mittlerweile auch mehrere deutsche Onlinehändler an, die das Abwiegen komplett abnehmen.

Muss ich unbedingt einen Pizzastein verwenden?

Nein, ein gut vorgeheiztes Backblech aus dem Ofen funktioniert ebenfalls. Den Unterschied macht vor allem die Temperatur: Je heißer das Blech beim Einlegen, desto knuspriger der Boden. Ein Pizzastein speichert Hitze gleichmäßiger und gibt sie direkt an den Teig ab – das Ergebnis ist deutlich gleichmäßiger. Alternativ tut es auch eine gusseiserne Pfanne, die mit vorgeheizt und dann auf dem Herd fertig „ausgebacken" wird.

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