Spargel schälen: Der Spargelschäl-Trick, den Köche auf dem Viktualienmarkt seit Jahren nutzen

Hochzeitsatelier· 8 Min. Lesezeit
Spargel schälen: Der Spargelschäl-Trick, den Köche auf dem Viktualienmarkt seit Jahren nutzen
Spargel schälen: Der Spargelschäl-Trick, den Köche auf dem Viktualienmarkt seit Jahren nutzen

Weißer Spargel hat im März gerade erst Saison – und schon zeigt sich beim Schälen, wer Übung hat und wer nicht. Die dicken, festen Stangen verlangen Präzision: zu dünn geschält, bleiben holzige Fasern zurück, die auch nach zwanzig Minuten Kochen zäh im Mund liegen; zu tief geschält, verschwindet das zarte Fleisch im Abfallkorb. Auf dem Münchner Viktualienmarkt beobachten Stammkunden seit Jahren dieselbe Bewegung bei den Marktfrauen – ruhig, in einem einzigen Zug, fast meditativ. Der Trick dahinter ist keine Hexerei, aber er verändert das Ergebnis grundlegend.

Was diese erfahrenen Köche und Marktleute anders machen als die meisten Hobbyköche zu Hause, lässt sich lernen – und zwar mit einem gewöhnlichen Sparschäler, einer sauberen Arbeitsfläche und dem richtigen Verständnis für die Anatomie der Stange. Dieser Artikel erklärt die Technik Schritt für Schritt, nennt die häufigsten Fehler beim Spargelschälen und gibt Hinweise, was man mit den Schalen anstellen kann, damit vom Frühlingsgemüse nichts verloren geht.

Vorbereitung10 Min.
Portionen4 Personen
SchwierigkeitsgradEinfach
Kosten€€
SaisonWeißer und grüner Spargel, Frühjahrskräuter

Geeignet für: Vegetarisch · Glutenfrei · Vegan · Laktosefrei

Was man für das Spargelschälen braucht

  • 500 g bis 1 kg weißer Spargel, möglichst frisch vom Markt
  • 1 hochwertiger Sparschäler (Doppelklinge oder Schweizer Modell)
  • 1 breites Schneidebrett aus Holz oder Kunststoff
  • 1 sauberes Küchentuch oder feuchtes Tuch zum Ablegen
  • 1 Schüssel mit kaltem Wasser (zum Einlegen der geschälten Stangen)
  • 1 kleiner Topf für die Schalen (für den Sud)

Die Technik: was Viktualienmarkt-Köche wirklich anders machen

1. Den Spargel richtig halten – und nicht anders

Der erste und entscheidende Unterschied liegt nicht im Schäler, sondern in der Haltung. Auf dem Viktualienmarkt legen die Marktleute den Spargel flach auf das Brett, halten das dicke Ende mit der flachen Hand fest und führen den Schäler stets vom Kopf zur Basis – niemals umgekehrt. Diese Richtung folgt der natürlichen Faserstruktur der Stange. Wer gegen die Fasern schält, reißt das Fruchtfleisch auf und hinterlässt eine ungleichmäßige Oberfläche, die sich beim Kochen unschön verformt. Die Stange liegt dabei nicht frei in der Luft – das ist der häufigste Fehler der Hobbykoche – sondern hat immer Kontakt mit der Arbeitsfläche, was Druck und Führung stabilisiert.

2. Den Schäler in einem einzigen langen Zug führen

Kurze, stoßweise Bewegungen erzeugen Absätze in der Schale: kleine Kanten, an denen später Wasser beim Kochen eindringt und das Fleisch ungleichmäßig gart. Der Langhub – ein einzelner, gleichmäßiger Zug vom oberen Drittel der Stange bis zur Basis – erzeugt eine glatte, ebenmäßige Schnittstelle. Der Druck bleibt dabei konstant: weder zu fest, weil man sonst zu tief ins Fleisch schneidet, noch zu sanft, weil dann die holzigen Außenfasern stehenbleiben. Ein geübter Marktstand-Koch schält eine Stange mit drei bis vier Zügen, gleichmäßig um den Umfang verteilt, ohne einmal innezuhalten.

3. Wie tief ist tief genug?

Weißer Spargel hat eine dickere, fasrigere Schale als grüner – besonders im unteren Drittel der Stange, das erdnah gewachsen ist. Die Faustregel auf dem Viktualienmarkt lautet: im oberen Drittel dünn, im unteren Drittel großzügiger. Das bedeutet in der Praxis, dass man den Schäler im letzten Viertel der Stange leicht stärker andrückt oder – wer unsicher ist – einen zweiten Zug über dieselbe Fläche führt. Das holzige Ende, das beim Biegen der Stange von selbst bricht, wird vollständig abgetrennt. Wer frischen Spargel kauft, bei dem der Bruch noch feucht glänzt, muss selten mehr als zwei Zentimeter kürzen.

4. Den Kopf in Ruhe lassen

Die geschlossene Spargelspitze – der Kopf – wird nicht geschält. Die Blättchen dort sind zart, essbar und verleihen dem Gericht Textur. Wer den Schäler bis zur Spitze zieht, beschädigt die kompakte Struktur des Kopfes; er öffnet sich dann beim Kochen und verliert Form und Biss. Der Schälansatz beginnt zwei bis drei Zentimeter unterhalb des Kopfes – nicht früher.

5. Grüner Spargel: weniger ist mehr

Grüner Spargel wächst über der Erde und bildet kaum holzige Fasern aus. Er muss lediglich im untersten Drittel geschält werden – und auch das nur, wenn die Stangen dicker als ein Fingerbreit sind. Dünne grüne Stangen lassen sich vollständig ungeschält zubereiten. Wer sie dennoch vollständig schält, entfernt die Chlorophyll-reiche Außenschicht, die für Farbe und den leicht herben Eigengeschmack verantwortlich ist.

Was mit den Schalen passiert – der Profi-Sud

Auf dem Viktualienmarkt wirft niemand die Schalen weg. Sie wandern sofort in einen Topf mit kaltem Wasser, einer Prise Salz, einem Stück Butter und einem halben Teelöffel Zucker. Dieser Spargelsud wird aufgekocht, zehn Minuten geköchelt und abgeseiht – und dient anschließend als Kochflüssigkeit für die Stangen selbst. Das Ergebnis schmeckt intensiver als Spargel, der in einfachem Salzwasser gegart wurde, weil die wasserlöslichen Aromen aus den Schalen zurück in die Stangen ziehen. Ein Liter Wasser, alle Schalen eines Kilogramms Spargel, zwanzig Minuten Arbeit: das ist der Unterschied zwischen einem guten und einem sehr guten Gericht.

Mein Tipp vom Markt

Wer einen guten Sparschäler besitzt, braucht kein teures Spezialwerkzeug. Entscheidend ist die Klinge: sie muss scharf sein. Ein stumpfer Schäler reißt, drückt und zerquetscht die Fasern, statt sie sauber zu trennen. Den Schäler einmal jährlich nachschärfen oder ersetzen – das ist die günstigste Investition in besseres Spargelkochen. Wer keine Zeit hat, den Sud vorzubereiten, legt die geschälten Stangen bis zur Verwendung in kaltes Wasser, damit sie nicht anlaufen und trocken werden.

Warum der Viktualienmarkt als Maßstab gilt

Der Münchner Viktualienmarkt ist seit seiner Gründung im frühen 19. Jahrhundert ein Ort, an dem handwerkliches Wissen über Lebensmittel mündlich weitergegeben wird. Die Standinhaber, von denen viele Betriebe seit Generationen in derselben Familie sind, kennen ihre Waren nicht aus Büchern, sondern aus täglich gelebter Praxis. Spargel ist auf diesem Markt im Frühling ein Leitprodukt: bairischer Frühlingsspargel aus dem Umland, Stangen aus dem Schwetzinger Anbaugebiet, früher Spargel aus Niederösterreich – die Auswahl ist groß, der Anspruch der Kundschaft hoch. Wer hier schlechte Ware oder schlechte Beratung bietet, verliert sein Publikum schnell.

Die Schältechnik, die dort Tag für Tag praktiziert wird, ist keine Erfindung der Köche, sondern das Ergebnis von Jahrzehnten Erfahrung mit einem Produkt, das trotz seiner Einfachheit unverziehen mit Fehlern umgeht. Spargel, der schlecht geschält wurde, lässt sich nicht retten – weder durch lange Garzeit noch durch aufwändige Sauce.

Nährwerte (pro Portion von 250 g gegartem weißen Spargel, Richtwerte)

NährstoffMenge
Kalorien~45 kcal
Eiweiß~4 g
Kohlenhydrate~4 g
davon Zucker~2 g
Fett~0,5 g
Ballaststoffe~2 g
Folsäure~170 µg

Häufige Fragen zum Spargelschälen

Welcher Sparschäler eignet sich am besten für weißen Spargel?

Ein Doppelklingenschäler oder ein breiter Schweizer Schäler arbeitet am gleichmäßigsten. Die Klinge sollte mindestens drei Zentimeter breit sein, damit man mit einem Zug eine ausreichend breite Fläche abträgt. Spargelschäler mit schmalen Klingen zwingen zu mehr Einzelzügen und hinterlassen mehr Kanten. Wichtiger als die Bauform ist die Schärfe: eine stumpfe Klinge, egal welches Modell, erzeugt raue, unebene Oberflächen.

Muss man grünen Spargel überhaupt schälen?

Bei dünnen bis mitteldicken grünen Stangen ist Schälen nicht notwendig. Lediglich das unterste Drittel dicker Stangen hat gelegentlich eine etwas festere Außenhaut, die mit zwei bis drei Schälzügen entfernt werden kann. Die charakteristische Farbe und der leicht bittere Eigengeschmack des grünen Spargels sitzen in der Schale – wer vollständig schält, verliert beides.

Wie erkennt man frischen Spargel, der sich gut schälen lässt?

Frischer Spargel hat an der Schnittfläche noch feuchten, leicht glänzenden Saft. Die Köpfe sind fest geschlossen, die Stangen lassen sich unter sanftem Druck biegen, ohne zu splittern. Älterer Spargel hat eine ledrige, leicht eingetrocknete Schale, die beim Schälen in Streifen reißt statt sauber abzulösen. Ein weiterer Frischetest: zwei Stangen aneinander reiben – frischer Spargel quietscht leise.

Kann man Spargelschalen für etwas anderes verwenden als für den Sud?

Der Spargelsud ist die naheliegendste Verwendung, aber nicht die einzige. Getrocknete Spargelschalen lassen sich zu einem feinen Pulver mahlen, das als Würzmittel für Risotto oder Suppen dient. Frische Schalen können auch kurz in Butter angeschwitzt und mit Brühe aufgegossen als leichte Suppe verarbeitet werden. In der Restaurants-Küche werden sie mitunter zu Spargelöl verarbeitet: blanchieren, pürieren, durch ein feines Tuch pressen, mit neutralem Öl aufmontieren.

Wie lange kann man geschälten Spargel aufbewahren, bevor man ihn kocht?

Geschälter Spargel sollte möglichst am selben Tag verarbeitet werden. Wer ihn einige Stunden aufbewahren muss, legt die Stangen in eine flache Schale mit kaltem Wasser und stellt sie in den Kühlschrank. So bleiben sie für vier bis sechs Stunden frisch und verfärben sich nicht. Über Nacht leidet die Textur spürbar – das Fleisch wird weicher und verliert an Biss beim Garen.

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