Tim Mälzer verrät sein Lieblingsrezept für Spargel, eine Zutat überrascht

Geschrieben von Barbara· 8 Min. Lesezeit
Tim Mälzer verrät sein Lieblingsrezept für Spargel, eine Zutat überrascht
Tim Mälzer verrät sein Lieblingsrezept für Spargel, eine Zutat überrascht

Weiß, fest, mit einem Hauch Erdigkeit unter der Schale – der deutsche Spargel ist im April wieder in seiner besten Form. Die Saison läuft auf Hochtouren, die Märkte duften nach frischem Schnittholz und feuchter Erde, und wer jetzt nicht zugreift, wartet wieder ein Jahr. Genau in diesem Moment verrät Tim Mälzer, wie er Spargel am liebsten zubereitet: klar, konzentriert, und mit einer Zutat, die zunächst überrascht.

Mälzer ist kein Küchenchef, der Zutaten versteckt oder Techniken verkompliziert. Sein Ansatz bei Spargel folgt einer Überzeugung, die er seit Jahren vertritt: das Produkt trägt die Arbeit, nicht die Soße. Was er dennoch hinzufügt, hat eine schlichte Logik – und verändert das Gericht grundlegend. Schürze an, Spargel bereit.

Vorbereitung15 Min.
Garzeit18 Min.
Portionen4 Personen
SchwierigkeitEinfach
Kosten€€
SaisonWeißer Spargel, Frühjahrsbutter, frische Kräuter

Geeignet für: Vegetarisch · Glutenfrei

Zutaten

  • 1,5 kg weißer Spargel, frisch und fest, möglichst gleicher Stärke
  • 80 g Butter, ungesalzen
  • 1 EL Zucker
  • 1 TL Salz
  • 1 Scheibe Toastbrot (die überraschende Zutat)
  • 1 Bio-Zitrone, Schale und Saft
  • 200 ml trockener Weißwein, z. B. Silvaner
  • frisch gemahlener weißer Pfeffer
  • einige Zweige frischer Kerbel zum Servieren

Küchengeräte

  • Sparschäler mit breiter Klinge
  • Großer, flacher Topf oder Bräter mit Deckel
  • Küchentuch
  • Schneidebrett
  • Scharfes Küchenmesser

Zubereitung

1. Spargel vorbereiten und schälen

Spargel beginnt abzubauen, sobald er geschnitten ist – deshalb gilt: möglichst nah am Kochen schälen. Den Spargelstangen jeweils das untere Drittel freilegen, indem man den Schäler mit festem, gleichmäßigem Druck von unterhalb des Kopfes bis zum Ende führt. Holzige Enden – erkennbar daran, dass sie beim Biegen brechen statt zu schneiden – großzügig abbrechen oder abschneiden. Die Köpfe bleiben unberührt. Die geschälten Stangen auf einem sauberen Küchentuch ausbreiten und leicht trocken tupfen.

2. Den Garsud ansetzen

In einen flachen, weiten Topf so viel Wasser geben, dass der Spargel gerade knapp bedeckt liegt – etwa 1,5 Liter. Den Weißwein zugießen. Butter, Salz, Zucker und die Zitronenschale eines halben Bio-Zitrone direkt in den kalten Sud geben. Den Zucker verhindert, dass bittere Spargelaromen dominieren, die Zitronenschale gibt dem Dampf Frische. Nun kommt die überraschende Zutat: eine Scheibe trockenes oder leicht angeröstetes Toastbrot wird in den Sud gelegt – Mälzer schwört darauf, dass das Brot überschüssige Bitterkeit bindet und den Sud abrundet, ohne ihn zu verfälschen. Den Topf auf mittlere Hitze setzen und den Sud langsam zum Sieden bringen.

3. Spargel schonend garen

Sobald der Sud sanft siedet – das bedeutet kleine Blasen, kein rollendes Kochen – die Spargelstangen nebeneinander einlegen. Alle Spitzen sollten in dieselbe Richtung zeigen. Den Deckel auflegen und die Hitze leicht reduzieren. Weißer Spargel mit einem Durchmesser von etwa 16 bis 18 mm braucht bei dieser Methode rund 16 bis 18 Minuten. Die Garprobe erfolgt mit einem spitzen Messer: Es sollte mit leichtem Widerstand in die dickste Stelle eindringen – nicht butterweich, nicht hart. Der Spargel soll auf dem Teller noch seine Form halten.

4. Den Sud zur Sauce reduzieren

Den gegarten Spargel vorsichtig herausheben und auf einem vorgewärmten Teller warmhalten, abgedeckt mit einem Küchentuch. Das Toastbrot aus dem Sud nehmen und entsorgen. Den verbleibenden Sud bei hoher Hitze auf etwa 150 ml einkochen lassen – das dauert 4 bis 6 Minuten. Die Flüssigkeit wird leicht sirupartig und nimmt eine goldene Farbe an. Die restliche Butter in kleinen Stücken mit dem Schneebesen einarbeiten, bis eine glänzende, gebundene Sauce entsteht. Mit Zitronensaft, Salz und weißem Pfeffer abschmecken.

5. Anrichten

Den Spargel auf tiefen, vorgewärmten Tellern anrichten – entweder klassisch nebeneinander oder leicht versetzt für mehr Volumen. Die helle Buttersauce dünn angießen, nicht übergießen: Der Spargel soll sichtbar bleiben. Frisch gezupfte Kerbelblättchen darüber streuen. Der Kerbel gibt ein leises Anisaroma, das den Frühjahrscharakter des Gerichts unterstreicht, ohne die Süße des Spargels zu überdecken.

Mein Tipp aus der Praxis

Wer Spargel auf dem Wochenmarkt kauft, sollte auf zwei Dinge achten: Die Schnittstellen müssen feucht und hell sein, kein Anzeichen von Vergilbung. Und die Stangen quietschen, wenn man sie aneinanderreibt – dieses leise Geräusch ist das sicherste Zeichen für frische Ware. Den gegarten Spargel niemals in kaltem Wasser abschrecken – der Temperaturschock nimmt ihm Aroma und Festigkeit zugleich. Im Mai, wenn die Saison ihrem Ende entgegengeht und die Stangen etwas holziger werden, hilft ein längeres Vorkochen der Schalen im Sud: Das zieht mehr Geschmack heraus, bevor man die Stangen einlegt.

Getränkeempfehlung

Spargel mit Buttersauce und Zitronennoten sucht einen Wein, der weder zu komplex ist noch zu säurebetont – der Spargel selbst bringt beides mit.

Ein fränkischer Silvaner Spätlese trocken passt am besten: er bringt dezente Mineralität, kräuterige Noten und genug Körper, ohne mit der Butter zu konkurrieren. Wer es etwas lebhafter mag, greift zu einem Elzacher Weißburgunder aus dem Breisgau. Als alkoholfreie Begleitung empfiehlt sich ein stilles Mineralwasser mit Zitronenscheibe und einem Zweig Kerbel – einfach, aber stimmig.

Spargel in der deutschen Küche

Kein anderes Gemüse wird in Deutschland mit so viel Ritual begangen wie der weiße Spargel. Die sogenannte „Spargelzeit" – von Mitte April bis zum Johannistag am 24. Juni – ist tief im kulinarischen Kalender verankert, regional verschieden aber allgegenwärtig. In Schwetzingen, dem historischen Zentrum des deutschen Spargelanbaus, wird die Eröffnung der Saison seit Jahrzehnten mit einem eigenen Markt gefeiert. Der weiße Spargel ist kein Zufall der Natur, sondern das Ergebnis bewusster Anbautechnik: Die Stangen werden unter aufgeworfenen Erdwällen gezogen, ohne Licht – so bleibt das Chlorophyll aus, der Spargel weiß, mild und leicht süßlich.

Mälzers Ansatz ist kein Bruch mit der Tradition, sondern eine Vereinfachung davon. Wo früher Hollandaise oder Sauce béarnaise den Ton angaben, konzentriert sich seine Version auf den Sud selbst als Geschmacksträger. Die Brotscheibe ist dabei keine Erfindung der Neuzeit – in älteren Haushaltsrezepten aus dem Norddeutschen taucht diese Technik vereinzelt auf, meist unter dem Begriff „Bitterenfänger". Mälzer hat sie aufgegriffen, verfeinert und in seine eigene Handschrift überführt.

Nährwerte pro Portion (ca., Richtwerte)

NährstoffMenge
Kalorien~230 kcal
Eiweiß~5 g
Kohlenhydrate~10 g
davon Zucker~6 g
Fett~17 g
Ballaststoffe~4 g

Häufige Fragen

Kann man das Gericht vorbereiten?

Den Sud lässt sich problemlos am Vortag ansetzen und gekühlt aufbewahren. Den Spargel jedoch erst kurz vor dem Servieren garen – er verliert bei Wiedererwärmung spürbar an Textur und Frische. Die Buttersauce sollte immer frisch und heiß serviert werden, da sie beim Abkühlen bricht.

Wie bewahrt man übrig gebliebenen Spargel auf?

Gegarter Spargel hält sich abgedeckt im Kühlschrank bis zu zwei Tage. Er eignet sich gut kalt in einem Frühlingssalat mit einem Senf-Vinaigrette. Für warme Reste den Spargel kurz in einer Pfanne mit etwas Butter bei mittlerer Hitze erwärmen – nie in der Mikrowelle, da dies die Struktur zerstört.

Welche Varianten sind möglich?

Grüner Spargel funktioniert mit derselben Methode, braucht aber nur 8 bis 10 Minuten Garzeit und muss nicht geschält werden. Im Mai, wenn die Frühjahrssaison gleichzeitig Erdbeeren bringt, passen dünn geschnittene Erdbeeren und ein Hauch Balsamico als kontrastreiche Beilage hervorragend zum weißen Spargel. Wer keine Butter verträgt, kann den Sud mit einem hochwertigen Olivenöl aus dem Ligurischen emulgieren – der Charakter verändert sich, die Leichtigkeit bleibt.

Warum Toastbrot in den Kochsud?

Weißer Spargel enthält Asparaginsäure und verschiedene phenolische Verbindungen, die je nach Sorte und Erntezeitpunkt leicht bitter schmecken können. Trockenes Brot – besonders Weißbrot oder Toastbrot – bindet diese Bitterstoffe durch seine poröse Krumenstruktur ähnlich wie ein Filter. Das Ergebnis ist ein Sud mit mehr Tiefe und weniger Schärfe, ohne dass ein Fremdgeschmack entsteht. Diese Methode ist mit Backpapier im Milch-Ansatz vergleichbar, den viele Köche beim Pochieren von Fisch einsetzen.

Lässt sich das Rezept für größere Gruppen skalieren?

Ja, ohne Einschränkung. Pro Person rechnet man mit etwa 350 bis 400 g rohem Spargel als Hauptgang. Der Sud sollte entsprechend vergrößert werden, Wein- und Butteranteil proportional mitwachsen. Wer für mehr als sechs Personen kocht, empfiehlt sich ein zweiter Topf statt eines überfüllten – zu enge Lage der Stangen verlängert die Garzeit und führt zu ungleichmäßigen Ergebnissen.

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