Warum Profikoch Alexander Kumptner Spargel immer in Butter statt in Wasser kocht
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Anfang April beginnt die schönste Warterei des Jahres: Spargel. Die weißen und grünen Stangen tauchen auf den Wochenmärkten auf, die Schürzen werden herausgekramt, und mit ihnen kehrt jedes Jahr dieselbe Frage zurück — Wasser oder Butter? Alexander Kumptner, bekannt aus der Kochshow The Taste und einer der profiliertesten Köche Österreichs, hat darauf eine klare Antwort: Butter, immer. Seine Methode widerspricht dem, was Generationen von Haushalten praktiziert haben, und sie hat dabei einen handfesten aromatischen Grund.
Wer bisher Spargel in gesalzenem Wasser gegart hat, wird verstehen, warum das Ergebnis oft blass schmeckt. Die Butter-Methode ist keine Frage der Extravaganz, sondern der Physik und des Respekts vor einem Gemüse, das nur wenige Wochen im Jahr zur Verfügung steht. Der Handgriff lohnt sich — also Schürze um.
| Vorbereitung | 10 Min. |
| Garzeit | 15–20 Min. |
| Portionen | 4 Personen |
| Schwierigkeitsgrad | Einfach |
| Kosten | €€ |
| Saison | Spargel (April–Juni), Frühjahrsbutter |
Geeignet für: Vegetarisch · Glutenfrei
Zutaten
- 1 kg weißer Spargel, frisch und fest (Klasse I)
- 80 g Butter, kalt und in Würfel geschnitten (vorzugsweise ungesalzene Qualitätsbutter)
- 1 TL feines Meersalz
- 1 TL Zucker
- 1 kleines Stück Zitronenschale (Bio), unbehandelt
- Etwas frisch gepresster Zitronensaft zum Abschmecken
Küchenutensilien
- Breite, flache Pfanne oder Sauteuse mit Deckel (mindestens 28 cm Durchmesser)
- Sparschäler
- Schneidebrett
- Messer
- Küchenthermometer (optional)
- Pinzette oder Zange zum Wenden
Zubereitung
1. Den Spargel vorbereiten und richtig schälen
Frischer Spargel erkennt sich am hellen, fest geschlossenen Kopf und am knackigen Brechen des unteren Endes — wie bei einem Stück Kreide. Bevor die Pfanne auf den Herd kommt, muss jede Stange sorgfältig geschält werden. Den Sparschäler stets von unterhalb des Kopfes in Richtung des Strunks führen, dabei gleichmäßig drehen. Weißer Spargel hat eine deutlich dickere Faserschicht als grüner und verlangt zwei bis drei Schälgänge pro Stange, bis das Fleisch gleichmäßig weiß und ohne Fasern sichtbar ist. Das untere Ende, etwa zwei bis drei Zentimeter, wird abgeschnitten — nicht abgebrochen, da der Schnitt eine präzisere, gleichmäßigere Oberfläche ergibt, die den Kontakt zur Butter verbessert. Die Schalen nicht wegwerfen: Wer sie mit Wasser aufkocht, erhält eine feine Spargelbrühe als Basis für eine Hollandaise oder eine leichte Suppe.
2. Die Butter-Basis in der Pfanne aufbauen
Eine breite, flache Pfanne wird bei mittlerer Hitze erwärmt. Sobald sie handwarm ist, kommen die kalten Butterwürfel hinein. Das ist der entscheidende Unterschied zum bloßen Schmelzen: Die Butter soll sich langsam mit dem Spargelsud verbinden, nicht bräunen. Sobald die Butter geschmolzen ist und leicht aufschäumt — ein Zeichen, dass das Wasser beginnt zu verdampfen —, werden 100 ml heißes Wasser zugegossen. Diese Mischung emulgiert sich sofort: Das Wasser und das Milchfett verbinden sich zu einer cremigen, seidigen Garflüssigkeit, die den Spargel umhüllt, statt ihn auszulaugen. Salz, Zucker und die Zitronenschale kommen jetzt dazu. Der Zucker balanciert die natürliche Bitterkeit, das Salz öffnet die Aromen, und die Zitronenschale — nur das äußere Gelbe, kein Weiß — gibt eine feine Zitrus-Note, ohne die Butter zu übertönen.
3. Den Spargel in der Butter garen
Die Spargelstangen nebeneinander in die Pfanne legen — sie sollen nicht übereinander liegen. Deckel auflegen und bei mittlerer bis schwacher Hitze garen lassen. Die Garzeit variiert je nach Dicke der Stangen: Bei einem Durchmesser von etwa 16–18 mm rechnet man mit 15 bis 18 Minuten, dickere Stangen ab 20 mm brauchen bis zu 20 Minuten. Alle vier bis fünf Minuten die Stangen mit einem Küchenspatel oder einer Zange vorsichtig wenden, damit sie gleichmäßig von der Butter-Flüssigkeit umschlossen werden. Die Flüssigkeit sollte dabei leicht simmern — simmern bedeutet hier: kleine, ruhige Bläschen an der Oberfläche, kein sprudelndes Kochen. Sobald die Flüssigkeit zu stark reduziert, einen kleinen Schuss heißes Wasser nachgießen. Garprobe: Eine Spargelstange mit einem Messer mittig einstechen — sie soll leicht nachgeben, aber noch eine minimale Spannung aufweisen. Weich bis in den Kern ohne jede Spannung ist zu lang.
4. Den Garsud zur Sauce vollenden
Wenn der Spargel die richtige Garstufe erreicht hat, die Stangen herausnehmen und warm stellen. Der verbleibende Garsud in der Pfanne ist bereits eine fertige Sauce: butterig, leicht gebunden, mit dem vollen Eigengeschmack des Spargels. Einen kleinen Spritzer Zitronensaft einrühren, die Zitronenschale entfernen, und die Sauce bei starker Hitze noch etwa eine Minute einkochen lassen, bis sie leicht glänzt und am Löffel haftet. Diese Methode liefert ohne Mehlschwitze, ohne Eigelb und ohne Sahne eine vollständige, feine Sauce — direkt aus dem Garprozess.
Der Profi-Tipp
Wer möchte, dass der Spargel eine dezente goldene Färbung bekommt, lässt den Deckel in den letzten drei Minuten der Garzeit weg und erhöht die Hitze leicht. Die Butter beginnt dann kaum zu bräunen, und die Stangen nehmen eine warme, nussige Note an, die an beurre noisette — gebräunte Nussbutter — erinnert. Diese Technik funktioniert im Frühling besonders gut mit frischer Wiesenbutter, deren Milchfett durch die Frühjahrsweide bereits einen höheren Betacarotin-Gehalt hat und entsprechend intensiver schmeckt. Niemals auf Margarine oder Bratfett ausweichen: Die Emulsion funktioniert nur mit echter Butter.
Weinbegleitung
Spargel ist für Wein eine anspruchsvolle Aufgabe: Die Bitterstoffe reagieren empfindlich auf Tannin und Holz, die Butter im Garprozess verlangt nach Struktur und Körper.
Der klassische Begleiter bleibt ein trockener Grüner Veltliner aus dem Kamptal oder der Wachau — sein pfeffriges Rückgrat und die lebendige Säure greifen die Zitrusnoten auf und halten der Buttersauce stand, ohne sie zu erdrücken. Als Alternative bietet sich ein burgundischer Chardonnay ohne übermäßigen Holzeinsatz an. Wer auf Alkohol verzichtet, liegt mit einem hellen, leicht herben Apfelschorle oder einem stillen Mineralwasser mit etwas Zitrone richtig.
Wissenswertes über den Spargel
Spargel wird seit der Antike kultiviert und galt im Mittelalter als Heilpflanze, bevor er im 17. Jahrhundert an europäischen Fürstenhöfen als Luxusgemüse aufstieg. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Spargelsaison zwischen April und dem 24. Juni — dem traditionellen Johannistag — kulturell so verwurzelt wie kaum ein anderes saisonales Ereignis. Der weiße Spargel, der im Gegensatz zum grünen unter der Erde wächst und kein Sonnenlicht bekommt, bildet dabei das Herzstück der mitteleuropäischen Frühjahrsküche.
Die Butter-Garmethode, die Kumptner popularisiert, ist keine Neuerfindung: Sie hat ihre Wurzeln in der klassischen französischen Küche, wo das Glacieren — das Garen von Gemüse in Butter, Brühe und einer Prise Zucker bis zur seidigen Umhüllung — seit Jahrhunderten praktiziert wird. Was im Restaurant Standard ist, hat sich im Haushalt nie vollständig durchgesetzt, weil Wasser einfacher und kostengünstiger erscheint. Dabei ist der Unterschied im Ergebnis messbar: Spargel, der im Wasser kocht, gibt einen Teil seiner wasserlöslichen Aromen direkt an die Flüssigkeit ab — und die fließt dann in den Abguss.
Nährwerte pro Portion (Richtwerte, ca. 250 g Spargel + Buttersauce)
| Nährstoff | Menge |
|---|---|
| Kalorien | ~180 kcal |
| Eiweiß | ~4 g |
| Kohlenhydrate | ~6 g |
| davon Zucker | ~4 g |
| Fett | ~15 g |
| Ballaststoffe | ~2 g |
Häufige Fragen
Funktioniert die Methode auch mit grünem Spargel?
Ja, mit einem Unterschied: Grüner Spargel muss nicht geschält werden und hat eine deutlich kürzere Garzeit von etwa acht bis zwölf Minuten. Die Butter-Methode funktioniert genauso, ergibt aber ein etwas weniger cremiges Ergebnis, weil grüner Spargel weniger Stärke abgibt. Die Hitze kann dabei etwas höher sein — grüner Spargel verträgt eine leichte Bräunung gut.
Wie erkenne ich wirklich frischen Spargel auf dem Markt?
Frischer Spargel quietscht leicht, wenn man zwei Stangen aneinander reibt. Die Schnittfläche am unteren Ende sollte feucht und hell sein, nicht ausgetrocknet oder bräunlich. Die Köpfe müssen fest geschlossen sein — offene, blühende Köpfe deuten auf Überreife hin. Am sichersten kauft man direkt beim Erzeuger oder an Ständen, die den Spargel liegend und nicht aufrecht gelagert haben.
Kann man den Spargel nach dieser Methode vorbereiten und später aufwärmen?
Spargel ist kein ideales Aufwärmgericht, weil er beim Wiedererhitzen schnell von der perfekten Bissfestigkeit in eine weiche, faserige Textur kippt. Wer dennoch vorkochen möchte, sollte den Spargel zwei bis drei Minuten vor der gewünschten Garstufe herausnehmen und in der Buttersauce abkühlen lassen. Zum Servieren kurz bei schwacher Hitze in der Sauce erwärmen — nie in der Mikrowelle, die trocknet die Stangen aus.
Was passt als Beilage zu in Butter gegartem Spargel?
Die Buttersauce, die beim Garen entsteht, harmoniert hervorragend mit neuen Kartoffeln, die in der Schale gekocht und dann leicht angedrückt werden. Klassisch österreichisch ist die Kombination mit einem pochiertem Ei und etwas geriebenem Parmigiano. Wer Fleisch dazustellen möchte, greift zu einer dünn geschnittenen Kalbsschnitzel-Variante oder zu geräuchertem Lachs — beides konkurriert nicht mit der feinen Eigenart des Spargels.
Warum gibt Alexander Kumptner Zucker in den Garsud?
Weißer Spargel enthält von Natur aus Bitterstoffe, deren Intensität von Sorte zu Sorte und je nach Boden variiert. Ein kleiner Zucker-Zusatz — es geht um etwa einen Teelöffel auf einen Liter Flüssigkeit — hebt diese Bitterstoffe nicht auf, sondern rundet sie ab. Dieselbe Technik wird in der professionellen Küche beim Glacieren von Karotten oder Rüben eingesetzt. Der Zucker karamellisiert dabei nicht, er balanciert lediglich.