Airfryer vs. Backofen: Stiftung Warentest erklärt, wann sich der Umstieg wirklich lohnt

Geschrieben von Barbara· 8 Min. Lesezeit
Airfryer vs. Backofen: Stiftung Warentest erklärt, wann sich der Umstieg wirklich lohnt
Airfryer vs. Backofen: Stiftung Warentest erklärt, wann sich der Umstieg wirklich lohnt

Die küche erlebt derzeit eine kleine revolution. Immer mehr haushalte stellen sich die frage, ob der klassische backofen noch zeitgemäß ist oder ob die anschaffung eines airfryers die bessere wahl darstellt. Die heißluftfritteusen versprechen knusprige ergebnisse bei geringerem energieverbrauch und kürzerer zubereitungszeit. Doch halten diese geräte wirklich, was sie versprechen ? Die stiftung warentest hat beide küchenhelfer genau unter die lupe genommen und liefert aufschlussreiche erkenntnisse darüber, für wen sich der umstieg tatsächlich lohnt und wann der traditionelle ofen die nase vorn behält.

Einführung in den airfryer und den traditionellen ofen

Was ist ein airfryer und wie funktioniert er ?

Ein airfryer, auch heißluftfritteuse genannt, ist ein kompaktes küchengerät, das lebensmittel mithilfe von zirkulierender heißer luftgart. Im gegensatz zur herkömmlichen fritteuse benötigt er kaum oder gar kein öl. Ein leistungsstarker ventilator verteilt die heiße luft gleichmäßig um das gargut herum, wodurch eine knusprige oberfläche entsteht. Die meisten modelle verfügen über einen garkorb oder eine schublade, in der die speisen platziert werden. Die temperatur lässt sich präzise einstellen, typischerweise zwischen 80 und 200 grad celsius.

Der klassische backofen und seine eigenschaften

Der traditionelle backofen ist seit jahrzehnten fester bestandteil jeder küche. Er arbeitet mit ober- und unterhitze oder mit umluftfunktion und bietet deutlich mehr platz als ein airfryer. Moderne backöfen verfügen häufig über zusätzliche funktionen wie grill, dampfgaren oder pyrolyse-selbstreinigung. Die aufheizzeit beträgt je nach modell zwischen 10 und 20 minuten, was im vergleich zum airfryer deutlich länger ist. Der garraum fasst mehrere backbleche oder auflaufformen gleichzeitig, was bei der zubereitung größerer mengen von vorteil ist.

Unterschiede in der bauweise und größe

Die bauweise beider geräte könnte unterschiedlicher kaum sein. Während ein airfryer etwa die größe einer kaffeemaschine hat und auf der arbeitsplatte platz findet, ist der backofen fest in die küchenzeile integriert. Das fassungsvermögen eines airfryers liegt typischerweise zwischen 2 und 6 litern, ein backofen bietet hingegen 50 bis 70 liter garraum. Diese größenunterschiede haben direkten einfluss auf die einsatzmöglichkeiten und den energieverbrauch beider geräte.

Diese grundlegenden unterschiede in konstruktion und funktionsweise führen zu deutlichen abweichungen in der praktischen anwendung, insbesondere wenn es um die qualität der zubereiteten speisen geht.

Kochleistung: airfryer vs. ofen

Bräunungsergebnisse und knusprigkeit

Bei der zubereitung von pommes frites, hähnchenschenkeln oder gemüse zeigt der airfryer seine stärken. Die intensive luftzirkulation sorgt für eine gleichmäßige bräunung und eine besonders knusprige textur, ohne dass große mengen öl erforderlich sind. Tests zeigen, dass tiefkühlpommes im airfryer oft knuspriger werden als im backofen. Allerdings kann die oberfläche bei empfindlichen lebensmitteln manchmal zu schnell austrocknen, wenn die garzeit nicht exakt eingehalten wird.

Garzeiten im direkten vergleich

Ein entscheidender vorteil des airfryers liegt in der deutlich kürzeren zubereitungszeit. Während ein backofen erst vorgeheizt werden muss, erreicht der airfryer die gewünschte temperatur innerhalb von 2 bis 3 minuten. Pommes frites sind im airfryer nach etwa 15 minuten fertig, im backofen dauert der vorgang inklusive vorheizen mindestens 25 bis 30 minuten. Bei hähnchenschenkeln verkürzt sich die garzeit um etwa ein drittel. Diese zeitersparnis macht sich besonders im alltag bemerkbar, wenn es schnell gehen muss.

Vielseitigkeit und einsatzmöglichkeiten

Der backofen punktet klar bei der vielseitigkeit. Er eignet sich für:

  • große braten und geflügel
  • mehrere gerichte gleichzeitig
  • kuchen und gebäck in verschiedenen formen
  • aufläufe und gratins in großen mengen
  • pizzen in originalgröße

Der airfryer hingegen stößt bei großen mengen schnell an seine grenzen. Für familien mit mehr als drei personen muss oft in mehreren durchgängen gegart werden. Auch bei backwaren wie kuchen oder brot liefert der backofen die besseren ergebnisse, da die gleichmäßigere temperaturverteilung für eine optimale konsistenz sorgt.

Neben der reinen kochleistung spielt auch der aspekt der wirtschaftlichkeit eine wesentliche rolle bei der entscheidung zwischen beiden geräten.

Energieverbrauch und mögliche einsparungen

Stromverbrauch im detail

Die stiftung warentest hat den energieverbrauch beider geräte genau gemessen. Ein airfryer verbraucht für eine portion pommes frites etwa 0,3 bis 0,5 kilowattstunden strom. Der backofen benötigt für die gleiche menge inklusive vorheizen zwischen 0,8 und 1,2 kilowattstunden. Bei einem strompreis von 40 cent pro kilowattstunde entstehen kosten von 12 bis 20 cent beim airfryer gegenüber 32 bis 48 cent beim backofen. Die einsparung pro garvorgang liegt somit bei etwa 20 bis 30 cent.

Hochrechnung auf das jahr

Wer dreimal pro woche den airfryer statt des backofens nutzt, spart im jahr etwa 30 bis 45 euro stromkosten. Bei täglicher nutzung erhöht sich die ersparnis auf 70 bis 100 euro jährlich. Allerdings muss diese rechnung relativiert werden: die anschaffungskosten eines qualitativ hochwertigen airfryers liegen zwischen 80 und 200 euro. Die amortisationszeit beträgt somit etwa 2 bis 3 jahre bei regelmäßiger nutzung. Zudem besitzen die meisten haushalte ohnehin bereits einen backofen, sodass der airfryer eine zusätzliche investition darstellt.

Umweltaspekte und nachhaltigkeit

Neben den finanziellen einsparungen spielt auch der ökologische fußabdruck eine rolle. Der geringere stromverbrauch des airfryers führt zu weniger CO2-emissionen, vorausgesetzt der strom stammt nicht ausschließlich aus erneuerbaren energien. Bei ökostrom fällt dieser vorteil geringer aus. Allerdings bedeutet ein zusätzliches elektrogerät auch zusätzlichen ressourcenverbrauch bei herstellung und entsorgung. Die nachhaltigkeitsbilanz fällt daher differenziert aus und hängt stark vom individuellen nutzungsverhalten ab.

Die energieeffizienz ist jedoch nur ein aspekt der alltagstauglichkeit. Ebenso wichtig sind die praktische handhabung und der pflegeaufwand.

Benutzerfreundlichkeit und wartung

Bedienung und programmierung

Moderne airfryer überzeugen durch intuitive bedienung. Viele modelle verfügen über voreingestellte programme für pommes, hähnchen, fisch oder gemüse. Ein drehregler oder touchdisplay ermöglicht die einfache auswahl von temperatur und garzeit. Einige geräte bieten sogar app-steuerung und rezeptvorschläge. Der backofen hingegen erfordert mehr erfahrung: die richtige temperatur und garzeit müssen je nach rezept individuell bestimmt werden. Allerdings bieten auch moderne backöfen zunehmend automatikprogramme an, die die bedienung vereinfachen.

Reinigung und pflege

Bei der reinigung zeigt sich ein klarer vorteil des airfryers: der garkorb und die innenwanne sind meist antihaftbeschichtet und spülmaschinenfest. Nach jedem gebrauch genügt es, diese teile zu entnehmen und zu reinigen. Der gesamte reinigungsaufwand beträgt etwa 5 minuten. Der backofen hingegen erfordert deutlich mehr aufwand. Fett- und speisereste setzen sich an den wänden fest und müssen regelmäßig entfernt werden. Selbst mit pyrolyse-funktion, bei der verschmutzungen bei hohen temperaturen zu asche verbrannt werden, bleibt ein gewisser reinigungsaufwand. Ohne diese funktion kann die backofenreinigung zu einer zeitraubenden und unangenehmen aufgabe werden.

Platzbedarf und aufstellung

Der airfryer benötigt einen festen platz auf der arbeitsplatte, was in kleinen küchen zum problem werden kann. Zudem muss rundherum ausreichend abstand zu wänden und anderen geräten eingehalten werden, da das gerät heiße luft abstrahlt. Der backofen ist hingegen fest eingebaut und beansprucht keinen zusätzlichen platz auf der arbeitsfläche. Für küchen mit begrenztem stauraum kann dies ein entscheidendes kriterium sein.

Diese praktischen überlegungen sollten bei der kaufentscheidung berücksichtigt werden, ebenso wie die erkenntnisse unabhängiger verbrauchertests.

Stiftung warentest und die wichtigsten ergebnisse

Testkriterien und methodik

Die stiftung warentest hat mehrere airfryer-modelle verschiedener preisklassen getestet und mit der zubereitung im backofen verglichen. Bewertet wurden die kategorien garen und backen, handhabung, sicherheit, umwelteigenschaften sowie haltbarkeit. Besonderes augenmerk lag auf der zubereitung typischer gerichte wie pommes frites, hähnchenschenkel und muffins. Auch der energieverbrauch wurde unter realistischen bedingungen gemessen.

Testergebnisse im überblick

Die ergebnisse zeigen ein differenziertes bild: airfryer erzielten bei pommes frites und paniertem fleisch sehr gute ergebnisse, teilweise besser als im backofen. Bei backwaren hingegen blieb der backofen das mittel der wahl. Die besten airfryer-modelle erhielten die note gut, allerdings gab es auch geräte, die nur befriedigend abschnitten. Kritikpunkte waren teilweise ungleichmäßige garergebnisse, zu laute lüftergeräusche oder unpräzise temperaturregelung. Der energieverbrauch lag durchweg deutlich unter dem des backofens.

Preis-leistungs-verhältnis

Interessanterweise schnitten nicht immer die teuersten modelle am besten ab. Geräte im mittleren preissegment zwischen 100 und 150 euro lieferten oft ebenso gute ergebnisse wie premium-modelle. Die stiftung warentest empfiehlt, auf ausreichende kapazität, einfache reinigung und präzise temperaturregelung zu achten. Zusatzfunktionen wie app-steuerung oder zahlreiche automatikprogramme erhöhen den preis, sind aber für die grundfunktion nicht zwingend erforderlich.

Auf basis dieser erkenntnisse lassen sich konkrete empfehlungen ableiten, für welche haushalte sich die anschaffung eines airfryers besonders lohnt.

Wann man sich für einen airfryer entscheiden sollte: entscheidungskriterien

Haushaltsgrößen und essgewohnheiten

Für single-haushalte und paare ist der airfryer eine ausgezeichnete wahl. Die portionsgrößen passen perfekt, die zubereitungszeiten sind kurz und der energieverbrauch gering. Wer häufig tiefkühlprodukte, pommes oder knusprige snacks zubereitet, profitiert besonders vom airfryer. Familien mit kindern sollten hingegen auf die kapazität achten: modelle mit mindestens 5 litern fassungsvermögen sind hier empfehlenswert, um nicht in mehreren durchgängen kochen zu müssen.

Kochverhalten und lieblingsspeisen

Der airfryer eignet sich hervorragend für:

  • knusprige speisen ohne viel öl
  • schnelle alltagsgerichte
  • aufwärmen von resten
  • zubereitung von tiefkühlprodukten
  • gesundheitsbewusste ernährung mit wenig fett

Wer hingegen regelmäßig große braten zubereitet, viel backt oder mehrere gerichte gleichzeitig im ofen gart, wird den airfryer nur als ergänzung nutzen können. Der backofen bleibt hier unverzichtbar.

Finanzielle und ökologische überlegungen

Die anschaffung lohnt sich finanziell vor allem bei häufiger nutzung. Wer mindestens dreimal pro woche den airfryer anstelle des backofens verwendet, amortisiert die investition innerhalb von 2 bis 3 jahren durch die stromersparnis. Wer bereits einen modernen, energieeffizienten backofen besitzt, sollte abwägen, ob ein weiteres elektrogerät tatsächlich notwendig ist. Aus ökologischer sicht spricht der geringere energieverbrauch für den airfryer, allerdings muss auch die herstellung und spätere entsorgung in die bilanz einbezogen werden.

Die entscheidung zwischen airfryer und backofen hängt von individuellen bedürfnissen ab. Für kleine haushalte mit vorliebe für knusprige speisen und schnelle zubereitung stellt der airfryer eine lohnende investition dar, die sowohl zeit als auch energie spart. Die tests der stiftung warentest bestätigen die vorteile bei bestimmten anwendungen, zeigen aber auch die grenzen auf. Der backofen bleibt für vielseitige kochaufgaben und größere mengen unverzichtbar. Idealerweise ergänzen sich beide geräte in der modernen küche, wobei jedes seine spezifischen stärken ausspielt. Die stromersparnis ist real, sollte aber in relation zu anschaffungskosten und tatsächlichem nutzungsverhalten gesetzt werden.

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