Bärlauch sammeln im April: Worauf das BfR bei der Verwechslung mit Maiglöckchen hinweist

Geschrieben von Barbara· 6 Min. Lesezeit
Bärlauch sammeln im April: Worauf das BfR bei der Verwechslung mit Maiglöckchen hinweist
Bärlauch sammeln im April: Worauf das BfR bei der Verwechslung mit Maiglöckchen hinweist

Wenn der April die Wälder mit zartem Grün überzieht, zieht ein unverkennbarer Duft durch das Unterholz: Bärlauch steht in voller Blüte. Die Wildpflanze, die in feuchten Laubwäldern und an Bachufern wächst, gehört zu den beliebtesten Frühjahrskräutern Deutschlands — gesammelt von erfahrenen Naturküchen-Fans ebenso wie von Anfängern, die zum ersten Mal den Korb in den Wald tragen. Doch genau in dieser Hochsaison warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wiederholt vor einer gefährlichen Verwechslung: Bärlauch und Maiglöckchen sehen sich im Frühjahr täuschend ähnlich — und das kann lebensbedrohlich werden.

Das Maiglöckchen (Convallaria majalis) enthält herzwirksame Glykoside, die bereits in kleinen Mengen zu schweren Vergiftungen führen. Wer beim Sammeln nicht genau hinschaut oder die Unterschiede nicht kennt, riskiert eine Verwechslung mit potenziell tödlichem Ausgang. Was das BfR konkret empfiehlt, welche Erkennungsmerkmale wirklich verlässlich sind und wie man Bärlauch sicher bestimmt — das zeigt dieser Artikel.

Warum die Verwechslung so häufig vorkommt

Im April treiben Maiglöckchen und Bärlauch gleichzeitig aus. Beide bilden längliche, glatte, sattgrüne Blätter — vor allem junge Maiglöckchentriebe sehen dem Bärlauch zum Verwechseln ähnlich. Das Problem verschärft sich, wenn beide Pflanzen auf demselben Waldstück wachsen, was in Mitteleuropa keine Seltenheit ist. Wer gedankenlos zupft, sammelt womöglich einen gemischten Strauß, ohne es zu merken.

Jedes Frühjahr werden dem BfR Vergiftungsfälle gemeldet, die auf diese Verwechslung zurückgehen. Die Symptome einer Maiglöckchen-Vergiftung umfassen Übelkeit, Erbrechen, Herzrhythmusstörungen und in schweren Fällen Herzversagen. Auch Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) und Aronstab (Arum maculatum) können im Frühling mit Bärlauch verwechselt werden und sind ebenfalls stark giftig.

Die zuverlässigsten Erkennungsmerkmale des Bärlauchs

Das BfR nennt den Geruch als sicherste Unterscheidungshilfe: Wenn man ein Bärlauchblatt zwischen den Fingern zerreibt, entsteht sofort ein intensiver, unverkennbarer Knoblauchduft. Maiglöckchen, Herbstzeitlose und Aronstab geben diesen Geruch nicht ab. Wichtig dabei: nach dem Reiben die Finger nicht ins Gesicht führen, bevor man sie gewaschen hat — vor allem nicht in die Augen.

Weitere Merkmale, auf die man achten sollte:

  • Bärlauchblätter wachsen einzeln aus dem Boden, jeder Stiel trägt genau ein Blatt. Maiglöckchen dagegen zeigen in der Regel zwei bis drei Blätter pro Stiel.
  • Die Blattunterseite des Bärlauchs ist matt, die Oberseite glänzend. Bei Maiglöckchen sind beide Seiten ähnlich glänzend.
  • Der Blattstiel des Bärlauchs ist lang und schmal, der des Maiglöckchens kürzer und etwas breiter.
  • Bärlauch blüht mit kleinen weißen Dolden auf einem aufrechten, dreieckigen Stiel — Maiglöckchen tragen ihre Blüten als charakteristische Glöckchen an einem gebogenen Stiel.

Das Problem: Die Blüte erscheint oft erst, wenn die Blätter bereits geerntet werden sollen. Wer sich also ausschließlich auf die Blattform verlässt, ohne zu riechen, geht ein unnötiges Risiko ein.

Was das BfR konkret empfiehlt

Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät zu einer einfachen, aber konsequenten Vorgehensweise beim Bärlauchsammeln: Jedes einzelne Blatt vor dem Pflücken am Stiel reiben und riechen. Diese Regel gilt ohne Ausnahme — auch dann, wenn man bereits seit Jahren sammelt und die Pflanze zu kennen glaubt. Denn Routineblindheit ist eine der häufigsten Ursachen für Sammelfehler.

Wer sich nicht sicher ist, sollte das Blatt nicht mitnehmen. Das BfR betont ausdrücklich, dass optische Ähnlichkeiten täuschen können, besonders wenn die Pflanzen jung und noch nicht voll entwickelt sind. Gesammelt werden sollte außerdem nur auf Flächen, auf denen Bärlauch dominant wächst und keine anderen Pflanzen dazwischen stehen.

Für Kinder und Personen ohne botanische Vorkenntnisse empfiehlt das BfR, auf das Wildsammeln ganz zu verzichten und stattdessen auf kultivierte Ware aus dem Handel zurückzugreifen. Inzwischen ist Bärlauch im Frühjahr regelmäßig auf Wochenmärkten und in gut sortierten Supermärkten erhältlich — ohne jedes Verwechslungsrisiko.

Im Vergiftungsfall sofort handeln

Treten nach dem Verzehr von vermeintlichem Bärlauch Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Herzrasen, Schwindel oder Kribbeln auf, ist sofortiges Handeln notwendig. Der ärztliche Bereitschaftsdienst (116 117) oder die Giftnotrufzentrale sind die richtigen Anlaufstellen. In schweren Fällen — vor allem bei Herzrhythmusstörungen — muss der Notruf 112 gerufen werden.

Wenn möglich, sollte man Reste der verzehrten Pflanze oder Fotos davon für die medizinische Erstversorgung aufbewahren. Das erleichtert die schnelle Identifikation des Giftstoffs und die Wahl der richtigen Behandlung.

Bärlauch: botanischer Steckbrief

Bärlauch (Allium ursinum) gehört zur Familie der Amaryllisgewächse und ist eng mit Knoblauch, Schnittlauch und Zwiebel verwandt. Er wächst in feuchten, schattigen Laubwäldern, bevorzugt nährstoffreiche, kalkhaltige Böden und bildet oft ausgedehnte Teppiche auf dem Waldboden. In Deutschland ist er von März bis Mai anzutreffen, mit dem Hauptvorkommen im April.

Die Pflanze wurde bereits in der Antike als Heilkraut genutzt. Archäologische Funde belegen, dass Wildkräutersammlungen seit der Jungsteinzeit zum menschlichen Speiseplan gehören. Der Name „Bärlauch" leitet sich vermutlich davon ab, dass Braunbären nach dem Winterschlaf gezielt nach der Pflanze suchten, um ihren Körper zu revitalisieren — ein volkstümliches Bild, das bis heute lebendig ist.

Kulinarisch ist Bärlauch vielseitig: als Pesto, in Suppen, auf Butterbroten, in Quark oder als Würzkraut für Pasta und Fleischgerichte. Sein Aroma ist milder als Knoblauch, aber intensiver als Schnittlauch — frisch, frühlingshaft, mit einer leichten Schärfe im Abgang.

Giftnotrufzentralen in Deutschland

Im Zweifel ist schnelles Handeln entscheidend. Hier die wichtigsten Anlaufstellen bei Vergiftungsverdacht:

Region Telefon
Berlin 030 19240
Bonn 0228 19240
Erfurt 0361 730730
Freiburg 0761 19240
Göttingen 0551 19240
Homburg/Saar 06841 19240
Mainz 06131 19240
München 089 19240
Nürnberg 0911 398 2451

Häufige Fragen zum sicheren Bärlauchsammeln

Kann man Bärlauch auch an bewölkten Tagen sicher am Geruch erkennen?

Ja, der Knoblauchgeruch ist wetterunabhängig und tritt zuverlässig auf, sobald man das Blatt zwischen den Fingern reibt. Allerdings sollte man bedenken, dass Regen die Blätter glitschig macht und das sorgfältige Einzelprüfen erschwert. An feuchten Tagen ist noch mehr Aufmerksamkeit geboten, da Pflanzen eng zusammenwachsen und sich leichter verwechseln lassen.

Ist gefrorener oder verarbeiteter Bärlauch aus dem Supermarkt genauso wertvoll wie frisch gesammelter?

Frischer Bärlauch enthält die höchste Konzentration an flüchtigen Schwefelverbindungen, die für den charakteristischen Geruch und viele der gesundheitlich interessanten Eigenschaften verantwortlich sind. Beim Einfrieren gehen Teile davon verloren, das Aroma bleibt aber erhalten. Für Pesto oder Suppen ist tiefgekühlter Bärlauch eine gute Alternative. Entscheidend aus Sicherheitssicht: Supermarkt-Ware trägt kein Verwechslungsrisiko.

Darf man Bärlauch in jedem Wald sammeln?

In Deutschland gilt das allgemeine Betretungsrecht für Wälder, und das Sammeln kleiner Mengen Wildkräuter für den persönlichen Bedarf ist in der Regel erlaubt — üblicherweise bis zu einer Handvoll pro Person und Tag. In Naturschutzgebieten oder Nationalparks kann das Sammeln jedoch verboten oder eingeschränkt sein. Es empfiehlt sich, die jeweils gültigen Schutzgebietsverordnungen vor dem Ausflug zu prüfen.

Welche weiteren Pflanzen können mit Bärlauch verwechselt werden?

Neben Maiglöckchen und Herbstzeitloser gilt auch der Aronstab (Arum maculatum) als häufige Verwechslungspflanze. Seine Blätter sind im jungen Stadium ähnlich geformt, zeigen aber bei genauem Hinsehen charakteristische dunkle Flecken und keinen Knoblauchgeruch. Alle drei Pflanzen sind giftig und sollten beim geringsten Zweifel nicht angefasst oder gesammelt werden.

Kann man Bärlauch auch selbst anbauen, um das Risiko zu umgehen?

Ja, Bärlauch lässt sich im Garten oder in Töpfen kultivieren. Er bevorzugt halbschattige, feuchte Standorte und humusreiche Erde. Samen oder Zwiebeln sind im Fachhandel erhältlich. Der selbst angebaute Bärlauch ist sicher, da er klar identifizierbar ist und keine Verwechslung mit Wildpflanzen möglich ist. Die Ernte beginnt typischerweise ab dem zweiten Standjahr.

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