Buchsbaum im Mai: NABU empfiehlt jetzt die zweite Spritzung gegen den Zünsler
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Der Buchsbaum gehört zu den beliebtesten Zierpflanzen in deutschen Gärten – doch seit Jahren steht er unter erheblichem Druck. Der Buchsbaumzünsler breitet sich unaufhaltsam aus und bedroht ganze Bestände. Gärtner und Naturschützer sind sich einig: Wer seinen Buchsbaum retten will, muss jetzt handeln. Der Mai gilt als entscheidender Monat für eine zweite Behandlung, und der NABU gibt klare Empfehlungen, wie diese effektiv und naturverträglich durchgeführt werden kann.
Vorstellung des Buchsbaumzünslers und seiner Gefahren
Ein Schädling auf dem Vormarsch
Der Buchsbaumzünsler (Cydalima perspectalis) ist ein aus Ostasien eingeschleppter Schmetterling, dessen Raupen sich ausschließlich von Buchsbaublättern ernähren. Ursprünglich in China, Korea und Japan heimisch, wurde er Anfang der 2000er Jahre nach Europa eingeschleppt – vermutlich über den internationalen Pflanzenhandel. Seitdem hat er sich rasend schnell über ganz Deutschland verbreitet.
Die Schäden im Überblick
Die Raupen des Zünslers können einen Buchsbaum innerhalb weniger Wochen vollständig entlauben. Ohne Blätter kann die Pflanze keine Photosynthese betreiben und stirbt ab. Typische Anzeichen eines Befalls sind :
- Weißliche Gespinste zwischen den Ästen
- Abgefressene Blätter und kahle Zweige
- Grünliche Kotkügelchen auf dem Boden unter dem Strauch
- Sichtbare grün-weiß gestreifte Raupen
Besonders gefährlich ist, dass eine einzige Generation bis zu drei Generationen pro Jahr hervorbringen kann, was den Befallsdruck erheblich erhöht.
Um den richtigen Behandlungszeitpunkt zu verstehen, lohnt sich ein genauerer Blick auf den Entwicklungszyklus des Schädlings und die Besonderheiten des Monats Mai.
Warum den Buchsbaum im Mai behandeln ?
Der Entwicklungszyklus des Zünslers
Der Buchsbaumzünsler überwintert als kleine Raupe im Inneren des Buchsbaums, gut geschützt durch ein feines Gespinst. Mit steigenden Temperaturen im Frühjahr beginnt er wieder aktiv zu fressen. Die erste Behandlung erfolgt typischerweise im März oder April, wenn die Raupen aus ihrer Winterruhe erwachen. Der Mai markiert dann den Zeitpunkt der zweiten Spritzung, da neue Raupen aus den Eiern der ersten Schmetterlingsgeneration schlüpfen.
Ein kritisches Zeitfenster
Im Mai sind die jungen Raupen besonders empfindlich gegenüber biologischen Bekämpfungsmitteln. Das Zeitfenster ist eng : Wer zu spät behandelt, riskiert, dass die Raupen bereits zu groß und widerstandsfähiger geworden sind. Regelmäßige Kontrollen des Buchsbaums helfen dabei, den richtigen Moment nicht zu verpassen. Experten empfehlen, den Strauch mindestens zweimal pro Woche zu inspizieren.
Doch wie genau soll diese zweite Behandlung aussehen ? Der NABU hat dazu konkrete Empfehlungen erarbeitet.
Empfehlungen der NABU für eine effektive Behandlung
Auf biologische Methoden setzen
Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) empfiehlt ausdrücklich den Einsatz biologischer Bekämpfungsmethoden. Im Vordergrund steht dabei das Bakterium Bacillus thuringiensis var. kurstaki (Btk), das speziell Schmetterlingsraupen abtötet, ohne andere Insekten, Vögel oder Säugetiere zu gefährden. Dieses natürlich vorkommende Bodenbakterium ist in verschiedenen Handelspräparaten erhältlich und gilt als besonders wirksam gegen junge Raupen.
Praktische Hinweise zur Anwendung
Der NABU gibt folgende praktische Hinweise für die zweite Spritzung im Mai :
- Die Behandlung sollte bei bewölktem Wetter oder am Abend erfolgen, da UV-Licht Btk schnell abbaut
- Die gesamte Pflanze muss gleichmäßig benetzt werden, auch das Innere des Strauchs
- Bei Regen innerhalb von 24 Stunden nach der Behandlung sollte diese wiederholt werden
- Die Wirkung tritt erst nach zwei bis vier Tagen ein, wenn die Raupen das behandelte Blattmaterial gefressen haben
Neben der Anwendungsmethode spielt auch die Wahl des richtigen Produkts eine entscheidende Rolle für den Erfolg der Bekämpfung.
Die richtigen Produkte zur Bekämpfung des Schädlings wählen
Biologische Präparate im Überblick
Auf dem deutschen Markt sind mehrere zugelassene Produkte auf Basis von Btk erhältlich, die sich zur Bekämpfung des Buchsbaumzünslers eignen. Bekannte Handelsnamen sind unter anderem XenTari und Dipel. Diese Produkte sind in Gartenfachgeschäften und Online-Shops erhältlich und für den Haus- und Kleingarten zugelassen.
Neem-Öl als ergänzende Option
Neben Btk-Präparaten kann auch Neem-Öl eingesetzt werden. Es wirkt als Fraßhemmer und stört die Häutung der Raupen. Neem-Öl ist besonders dann sinnvoll, wenn der Befall noch gering ist oder als vorbeugende Maßnahme. Es sollte ebenfalls abends ausgebracht werden, um Bienen und andere nützliche Insekten zu schonen.
Chemische Mittel : eine letzte Option
Chemische Insektizide sollten nur als letztes Mittel eingesetzt werden. Sie töten nicht nur den Zünsler, sondern auch Nützlinge wie Bienen, Schwebfliegen und Laufkäfer. Wer dennoch auf chemische Mittel zurückgreifen muss, sollte ausschließlich für den Buchsbaumzünsler zugelassene Produkte verwenden und die Anwendungshinweise strikt befolgen.
Unabhängig vom gewählten Produkt sind bestimmte Sicherheitsvorkehrungen bei der Anwendung unerlässlich.
Vorsichtsmaßnahmen und Sicherheit bei der Spritzung
Persönlicher Schutz beim Spritzen
Auch bei biologischen Mitteln sollten Anwender grundlegende Schutzmaßnahmen beachten :
- Schutzhandschuhe und langärmelige Kleidung tragen
- Eine Schutzbrille verwenden, um Augenreizungen zu vermeiden
- Nach der Anwendung Hände und exponierte Hautpartien gründlich waschen
- Kinder und Haustiere während der Behandlung vom Bereich fernhalten
Schutz der Umwelt und der Bienen
Besondere Vorsicht gilt beim Schutz von Bienen und anderen Bestäubern. Die Behandlung sollte niemals während der Blütezeit umliegender Pflanzen und nicht bei windigem Wetter erfolgen, um eine Abdrift des Mittels zu vermeiden. Reste von Spritzbrühe dürfen nicht in die Kanalisation oder in Gewässer gelangen.
Kurzfristige Bekämpfungsmaßnahmen sind wichtig, doch langfristig braucht es weitergehende Strategien zum Schutz des Buchsbaums.
Zukunftsperspektiven zum Schutz des Buchsbaums
Natürliche Feinde fördern
Eine vielversprechende langfristige Strategie ist die Förderung natürlicher Feinde des Buchsbaumzünslers. Verschiedene Vogelarten wie Meisen und Amseln fressen die Raupen. Auch der Einsatz von Schlupfwespen und Raupenfliegen wird in der Forschung untersucht. Wer seinen Garten naturnahe gestaltet, schafft Lebensraum für diese nützlichen Tiere.
Resistente Alternativen pflanzen
Angesichts der anhaltenden Bedrohung empfehlen viele Experten, über Alternativen zum klassischen Buchsbaum nachzudenken. Ilex-Arten, Eibe oder Liguster bieten ähnliche gestalterische Möglichkeiten und sind nicht vom Zünsler befallen. Diese Alternativen können schrittweise eingeführt werden, ohne den Garten komplett umzugestalten.
Forschung und Monitoring
Wissenschaftler arbeiten intensiv an neuen Bekämpfungsstrategien, darunter der gezielte Einsatz von Pheromonfallen zur Überwachung der Zünsler-Population sowie die Entwicklung resistenter Buchsbaumsorten. Gartenbesitzer können durch die Meldung von Befällen an lokale Pflanzenschutzdienste aktiv zur Datenlage beitragen.
Der Buchsbaumzünsler stellt eine ernsthafte Bedrohung dar, der nur mit konsequentem und informiertem Handeln begegnet werden kann. Die zweite Spritzung im Mai ist ein zentrales Element einer wirksamen Bekämpfungsstrategie. Biologische Mittel auf Btk-Basis sind dabei die erste Wahl, ergänzt durch den Schutz natürlicher Feinde und eine sorgfältige Anwendung. Wer zusätzlich auf resistente Alternativen setzt und den Garten naturnah gestaltet, legt den Grundstein für einen langfristig gesunden und zünslerresistenten Garten.