Gebackener Joghurt mit Beeren: Frühstück oder doch Dessert?

Geschrieben von Annika· 6 Min. Lesezeit

In deutschen Cafés und Konditoreien erobert ein Gericht die Herzen der Feinschmecker: gebackener Joghurt mit Beeren. Diese cremige Köstlichkeit aus dem Ofen verbindet die Frische von Milchprodukten mit der Süße von Früchten und stellt uns vor eine köstliche Frage: handelt es sich um ein nahrhaftes Frühstück oder ein verführerisches Dessert? Die Antwort bleibt jedem selbst überlassen, denn diese Zubereitung passt perfekt zu beiden Gelegenheiten.

Der gebackene Joghurt, auch baked yogurt genannt, stammt ursprünglich aus der türkischen Küche, wo man Joghurt seit Jahrhunderten auf vielfältige Weise verarbeitet. Durch das sanfte Backen im Wasserbad erhält die Joghurtmasse eine puddingartige Konsistenz, die an Panna cotta oder Crème brûlée erinnert, jedoch deutlich leichter und bekömmlicher ist. Die Beeren sorgen für fruchtige Akzente und wertvolle Vitamine, während Honig oder Zucker die natürliche Säure des Joghurts ausgleichen.

Diese Zubereitung eignet sich hervorragend für besondere Anlässe, Brunch-Einladungen oder als eleganter Abschluss eines Menüs. Das Beste daran: die Zubereitung ist überraschend einfach und gelingt auch Anfängern problemlos.

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Zutaten

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Utensilien

Zubereitung

1. Vorbereitung des Ofens und der Form

Heizt euren Backofen auf 160 Grad Celsius vor. Dies ist die ideale Temperatur für ein sanftes Garen im Wasserbad, auch Bain-marie genannt, eine Methode, bei der die Form in einem größeren Behälter mit Wasser steht. Fettet eine ofenfeste Auflaufform (etwa 20 x 20 cm) leicht mit Butter ein oder legt sie mit Backpapier aus. Stellt bereits einen großen Topf mit Wasser auf den Herd, damit ihr später heißes Wasser für das Wasserbad zur Verfügung habt.

2. Joghurtmasse zubereiten

Gebt den griechischen Joghurt in eine große Rührschüssel. Achtet darauf, dass der Joghurt Zimmertemperatur hat, damit sich alle Zutaten besser verbinden. Fügt die drei Eier einzeln hinzu und verquirlt alles gründlich mit einem Schneebesen oder einem elektrischen Handmixer auf niedriger Stufe. Die Eier sorgen dafür, dass die Masse beim Backen fest wird und eine schöne Struktur erhält.

3. Süßen und aromatisieren

Rührt nun den Honig, den Vanilleextrakt, eine Prise Salz und den Zitronensaft unter die Joghurtmasse. Das Salz mag überraschend erscheinen, aber es verstärkt tatsächlich die süßen Aromen und sorgt für mehr Geschmackstiefe. Der Zitronensaft bringt Frische und verhindert, dass die Masse zu schwer wirkt. Mischt alles gleichmäßig, bis eine homogene, cremige Masse entsteht.

4. Maisstärke einarbeiten

Siebt die Maisstärke über die Joghurtmasse und rührt sie vorsichtig unter. Die Maisstärke wirkt als Bindemittel und sorgt dafür, dass der gebackene Joghurt nach dem Abkühlen die perfekte, schnittfeste Konsistenz erhält. Achtet darauf, dass keine Klümpchen entstehen. Falls doch, könnt ihr die Masse durch ein feines Sieb streichen.

5. Beeren vorbereiten

Nehmt die gefrorenen Beeren aus der Verpackung und lasst sie kurz antauen, etwa fünf Minuten bei Zimmertemperatur. Tupft sie dann vorsichtig mit Küchenpapier trocken, damit sie nicht zu viel Flüssigkeit abgeben. Zu viel Feuchtigkeit würde die Joghurtmasse verwässern und die Konsistenz beeinträchtigen. Ihr könnt Himbeeren, Heidelbeeren, Brombeeren oder eine Mischung verwenden.

6. Zusammenführen und in die Form geben

Gießt die Joghurtmasse in die vorbereitete Auflaufform. Verteilt nun die Beeren gleichmäßig über die Oberfläche. Ihr könnt sie leicht in die Masse drücken oder sie einfach obenauf verteilen. Manche Beeren werden beim Backen einsinken, andere bleiben an der Oberfläche und sorgen für ein schönes, rustikales Aussehen.

7. Im Wasserbad backen

Stellt die Auflaufform in eine größere, ofenfeste Form oder ein tiefes Backblech. Gießt nun vorsichtig heißes Wasser in die äußere Form, bis es etwa zur Hälfte der Höhe der Joghurtform reicht. Das Wasserbad sorgt für eine gleichmäßige, sanfte Hitzeverteilung und verhindert, dass der Joghurt zu schnell fest wird oder Risse bekommt. Schiebt alles vorsichtig in den vorgeheizten Ofen.

8. Backzeit und Garprobe

Backt den Joghurt für etwa 35 Minuten. Die Oberfläche sollte leicht gestockt sein und nur noch minimal wackeln, wenn ihr die Form leicht bewegt. Ein leichtes Zittern in der Mitte ist völlig normal und gewünscht, denn der Joghurt festigt sich beim Abkühlen weiter. Öffnet die Ofentür nicht zu früh, da plötzliche Temperaturwechsel zu Rissen führen können.

9. Abkühlen lassen

Nehmt die Form vorsichtig aus dem Wasserbad und lasst den gebackenen Joghurt zunächst bei Zimmertemperatur etwa 20 Minuten abkühlen. Anschließend stellt ihr ihn für mindestens zwei Stunden, besser noch über Nacht, in den Kühlschrank. Während dieser Zeit entwickelt sich die Konsistenz vollständig und die Aromen harmonisieren sich wunderbar.

10. Servieren und garnieren

Bestäubt den gebackenen Joghurt kurz vor dem Servieren mit Puderzucker. Schneidet ihn in gleichmäßige Portionen und hebt sie vorsichtig mit einem Tortenheber auf die Teller. Ihr könnt zusätzlich frische Minzblätter, einen Klecks Joghurt oder etwas Beerenkompott als Garnitur verwenden. Der gebackene Joghurt schmeckt kalt am besten und sollte innerhalb von drei Tagen verzehrt werden.

Tipp vom Chefkoch

Verwendet unbedingt griechischen Joghurt mit mindestens 10% Fettgehalt, denn nur so erhält die Masse die gewünschte Cremigkeit und Stabilität. Magerer Joghurt würde zu einer wässrigen Konsistenz führen.
Falls ihr keine gefrorenen Beeren verwendet, sondern frische, reduziert die Menge auf etwa 200 g, da frische Beeren mehr Feuchtigkeit enthalten.
Für eine besonders elegante Präsentation könnt ihr den gebackenen Joghurt in einzelnen Förmchen zubereiten. Die Backzeit reduziert sich dann auf etwa 25 Minuten.
Experimentiert mit verschiedenen Honigsorten: Akazienhonig schmeckt mild und blumig, Waldhonig bringt kräftige, würzige Noten mit sich.

Getränkeempfehlungen zum gebackenen Joghurt

Zum Frühstück passt ein frisch aufgebrühter Kaffee hervorragend, dessen Röstaromen die Süße des Joghurts ausgleichen. Ein Cappuccino oder Flat White mit cremigem Milchschaum harmoniert besonders gut mit der puddinghaften Konsistenz.

Als Dessert empfiehlt sich ein Glas Prosecco oder ein leichter, fruchtiger Dessertwein wie ein Moscato d’Asti. Die prickelnde Frische des Schaumweins bildet einen reizvollen Kontrast zur cremigen Textur. Für eine alkoholfreie Alternative bietet sich ein Holunderblütensirup mit Mineralwasser an, dessen blumige Noten die Beerenaromen unterstreichen.

Teeliebhaber greifen zu einem Earl Grey mit seiner zitrusartigen Bergamotte-Note oder einem milden weißen Tee, der die Delikatesse des Joghurts nicht überdeckt.

Zusätzliche Info

Der gebackene Joghurt hat seine Wurzeln in der türkischen und griechischen Küche, wo Joghurt seit Jahrtausenden ein Grundnahrungsmittel darstellt. Bereits im Osmanischen Reich bereiteten Köche Joghurt auf vielfältige Weise zu, darunter auch gebackene Varianten, die in Tonschalen serviert wurden.

Die moderne Interpretation dieses Klassikers eroberte in den letzten Jahren die Cafés von Istanbul bis Berlin. Besonders in der Levante-Küche findet man ähnliche Zubereitungen, oft verfeinert mit Rosenwasser, Pistazien oder Granatapfelkernen.

Ernährungsphysiologisch bietet gebackener Joghurt interessante Vorteile: durch das Erhitzen werden die Proteine leichter verdaulich, während die Beeren wertvolle Antioxidantien liefern. Mit etwa 180 Kalorien pro Portion ist dieses Gericht eine leichtere Alternative zu klassischen Desserts wie Schokoladenmousse oder Käsekuchen.

In Skandinavien kennt man eine ähnliche Zubereitung namens Ugnsbakad filmjölk, bei der gesäuerte Milch im Ofen gestockt wird. Die Japaner haben mit Yaki-yogurt ebenfalls ihre eigene Version entwickelt, die oft mit Matcha-Pulver verfeinert wird.

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