Maultaschen in der Brühe: Warum eine Stuttgarter Metzgerei den Teig mit Dinkelmehl macht
Aktualisiert am vor 4 Stunden
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Wenn es im April in Stuttgart noch kühl genug ist, um eine heiße Suppe zu genießen, sind Maultaschen in Brühe genau das Richtige. In den Metzgereien der Stuttgarter Markthalle und entlang der Calwer Straße duftet es nach Brühfleisch, Majoran und dem feinen Nussaroma von frisch verarbeitetem Dinkel – einem Getreide, das in Baden-Württemberg seit Jahrhunderten angebaut wird. Eine Stuttgarter Metzgerei hat in den letzten Jahren Aufmerksamkeit erregt, weil sie ihren Maultaschenteig konsequent aus Dinkelmehl Type 630 herstellt, statt auf das übliche Weizenmehl zu setzen. Den Unterschied schmeckt man, aber man versteht ihn erst, wenn man weiß, warum dieser Schritt handwerklich sinnvoll ist.
Dieser Artikel erklärt, wie man Maultaschen in Brühe zu Hause zubereiten kann – mit einem Dinkelteig, der bissfest, elastisch und dabei nicht schwieriger zu verarbeiten ist als ein Teig mit Weizenmehl. Hier erfahren Sie, worauf es beim Kneten des Teigs ankommt, wie die Füllung eines schwäbischen Metzgers aufgebaut ist und warum die Qualität der Fleischbrühe entscheidend für das Gericht ist. Binden Sie die Schürze um.
| Zubereitung | 60 Min. |
| Ruhezeit | 45 Min. |
| Garzeit | 20 Min. |
| Portionen | 4 Personen |
| Schwierigkeit | Mittel |
| Kosten | €€ |
| Saison | Frühling – milder Abend, Lauch, frische Petersilie |
Zutaten
Für den Dinkelteig
- 300 g Dinkelmehl Type 630
- 3 Eier (Größe M, Zimmertemperatur)
- 1 TL Salz
- 2 EL kaltes Wasser (nach Bedarf)
- 1 TL neutrales Pflanzenöl
Für die Füllung
- 300 g gemischtes Hackfleisch (Schwein und Rind, frisch vom Metzger)
- 150 g Blattspinat, blanchiert und fein gehackt
- 1 mittelgroße Zwiebel, fein gewürfelt
- 2 Knoblauchzehen, fein gerieben
- 2 altbackene Brötchen (oder 80 g Semmelbrösel)
- 100 ml Milch
- 1 EL Butter
- 1 TL getrockneter Majoran
- ½ TL frisch geriebene Muskatnuss
- Salz und schwarzer Pfeffer
Für die Brühe
- 1,5 l kräftige Rinder- oder Geflügelbrühe (hausgemacht oder gute Qualität aus dem Glas)
- 1 kleine Karotte
- 1 Stange Lauch
- frische Petersilie zum Garnieren
- 1 Prise frisch geriebene Muskatnuss für die Brühe
Ustensilien
- Nudelholz oder Pastamaschine
- Große Arbeitsfläche, leicht bemehlt
- Großer Kochtopf (für die Brühe)
- Mittlerer Topf oder Pfanne (für die Füllung)
- Schüssel für den Teig
- Küchenmesser und Schneidebrett
- Küchenwaage
- Frischhaltefolie
- Suppenlöffel und tiefe Suppenteller
Zubereitung
1. Den Dinkelteig kneten und ruhen lassen
Das Dinkelmehl mit dem Salz in eine Schüssel geben und eine Mulde in die Mitte drücken. Die Eier und das Öl hineingeben und mit einer Gabel von innen nach außen einarbeiten, bis ein bröselig-feuchtiger Teig entsteht. Dann auf einer sauberen Arbeitsfläche mit den Handballen kräftig kneten – mindestens 8 Minuten, denn Dinkelteig verlangt etwas mehr Geduld als Weizenteig, um seine Kleberstruktur, also das glutenhaltige Eiweißnetzwerk, gleichmäßig zu entwickeln. Wenn der Teig nach 3 Minuten noch stark klebt, einen halben Teelöffel Mehl einarbeiten; er darf aber nie zu trocken werden, sonst reißt er später beim Ausrollen. Wichtig: Dinkelmehl enthält mehr lösliche Proteine als Weizenmehl – das macht den Teig etwas empfindlicher gegenüber Überkneten. Sobald er glatt, leicht glänzend und elastisch ist – er springt zurück, wenn Sie mit dem Finger eindrücken –, in Frischhaltefolie wickeln und mindestens 45 Minuten bei Zimmertemperatur ruhen lassen. Dieser Schritt ist nicht optional; die Ruhezeit entspannt das Gluten, der Teig lässt sich danach doppelt so leicht ausrollen.
2. Die Metzgerfüllung vorbereiten
Die altbackenen Brötchen in der Milch einweichen, bis sie sich vollgesogen haben – etwa 10 Minuten. In dieser Zeit die Zwiebel in der Butter bei mittlerer Hitze langsam glasig schwitzen, nicht bräunen; sie soll weich und süßlich werden. Den Knoblauch dazugeben, kurz mitschwitzen. Blattspinat blanchieren: in kochendem Salzwasser 90 Sekunden, dann sofort in eiskaltem Wasser abschrecken, damit er seine satte grüne Farbe behält, und anschließend so fest wie möglich ausdrücken und fein hacken. Das eingeweichte Brot ausdrücken und mit dem Hackfleisch, der Zwiebel-Knoblauch-Mischung, dem Spinat, Majoran, Muskat, Salz und Pfeffer zu einer homogenen Masse vermengen. Die Füllung soll kompakt genug sein, dass sie beim Formen nicht ausläuft – zu nass bedeutet aufgeplatzte Maultaschen. Ein kleines Stück in der Pfanne ohne Fett probebraten und die Würzung anpassen.
3. Den Teig ausrollen
Den Teig aus der Folie nehmen und halbieren. Auf einer leicht bemehlten Fläche dünn ausrollen: 2 mm Stärke ist das Ziel – man sollte die Konturen der Hand darunter gerade noch ahnen können. Dinkelteig ist etwas weniger dehnbar als Weizenteig und neigt leichter zum Einreißen, wenn er zu dünn gezogen wird; mit einem Nudelholz in kurzen, gleichmäßigen Bahnen vom Zentrum nach außen arbeiten statt zu drücken. Den ausgerollten Teig in Rechtecke von etwa 8 × 10 cm schneiden.
4. Füllen, falten und andrücken
Auf jedes Teigrechteck einen gehäuften Teelöffel Füllung in der unteren Hälfte platzieren – nicht zu viel, sonst lässt sich der Rand nicht sauber versiegeln. Den Rand mit ein wenig kaltem Wasser bepinseln. Die obere Teighälfte nach unten klappen, die Luft mit den Fingern behutsam herausdrücken und die drei offenen Seiten fest zusammenpressen. Wer möchte, kann mit einer Gabel nachdrücken – das ist kein dekoratives Detail, sondern verhindert, dass die Naht in der Brühe aufgeht. Die fertigen Maultaschen auf einem leicht bemehlten Tuch ruhen lassen.
5. Die Brühe vorbereiten
Die Brühe in einem großen Topf erhitzen. Karotte und Lauch in feine Scheiben schneiden und bei mittlerer Hitze 10 Minuten mitziehen lassen – die Brühe soll aromatisch, aber klar bleiben. Mit einer Prise Muskat und Salz abschmecken. Die Brühe zum leichten Köcheln bringen: kein sprudelndes Kochen, da die Maultaschen sonst aufreißen könnten. Bei ~85–90°C ist die ideale Gartemperatur erreicht.
6. Maultaschen garen und servieren
Die Maultaschen in die köchelnde Brühe geben – einschichtig, nicht übereinanderstapeln. Sie sinken zunächst auf den Boden, steigen dann in 12–15 Minuten langsam auf. Wenn alle an der Oberfläche schwimmen und der Teig transparent-matt aussieht, sind sie gar. Mit einer Schaumkelle in tiefe Teller heben, die heiße Brühe mit Karotte und Lauch angießen und mit frisch gehackter Petersilie bestreuen.
Mein Küchentipp
Den Teig ruhig einen Tag im Voraus zubereiten und über Nacht im Kühlschrank ruhen lassen – in Frischhaltefolie eingeschlagen bleibt er problemlos 24 Stunden frisch. Kalter Teig lässt sich sogar noch gleichmäßiger ausrollen, weil das Gluten vollständig entspannt ist. Wer im April frischen Bärlauch auf dem Markt findet, kann einen Esslöffel fein gehackten Bärlauch in die Füllung einarbeiten statt der Hälfte des Spinats – das ergibt eine mild-knoblauchige Note, die mit der nussigen Dinkelnote erstaunlich gut harmoniert.
Getränkeempfehlung
Die Brühe bringt Tiefe und Umami mit, der Dinkelteig trägt ein leicht nussiges Aroma, die Füllung ist herzhaft und majoran-würzig – ein Wein mit guter Säure und Substanz ist hier die richtige Wahl.
Ein trockener württemberger Trollinger-Lemberger aus dem Remstal, leicht gekühlt auf etwa 15°C serviert, passt regional und aromatisch: seine helle Frucht, die zurückhaltenden Tannine und die lebendige Säure lassen die Brühe nicht untergehen. Wer Weißwein bevorzugt, greift zu einem Grauburgunder aus Baden, vollmundig genug, um dem Hackfleisch standzuhalten. Als alkoholfreie Alternative empfiehlt sich ein gekühlter, ungesüßter Apfelmost aus der Region – die feine Säure des Mosts nimmt die Aufgabe des Weins mühelos an.
Geschichte und Herkunft der Maultaschen
Die Maultasche gilt als das bekannteste Gericht der schwäbischen Küche und ist seit 2009 als regionale Spezialität mit dem EU-Gütesiegel „Geschützte geografische Angabe“ (g.g.A.) ausgezeichnet – eine der wenigen deutschen Pasta-Zubereitungen mit diesem Status. Die Legende, die Maultasche sei im Kloster Maulbronn im 17. Jahrhundert erfunden worden, um Fleisch in der Fastenzeit vor Gottes Augen zu verbergen – daher der Volksname „Herrgottsbescheißerle“ –, lässt sich historisch nicht eindeutig belegen, gehört aber zum festen kulturellen Bestand des Landes. Was aber feststeht: die Maultasche ist eine Schwester der norditalienischen Schlutzkrapfen und der böhmischen Teigtasche; alle entstanden in einer Region, in der Nudelteig und Füllungen seit Jahrhunderten verarbeitet werden.
Dass heute Stuttgarter Metzgereien auf Dinkelmehl setzen, ist keine modische Geste, sondern eine Rückbesinnung: Dinkel war in Württemberg bis ins frühe 20. Jahrhundert das dominierende Brotgetreide, bevor ertragreiche Weizensorten es verdrängten. Sein leicht nussiges Aroma und die feinere Textur des Teigs passen gut zu einer Maultasche, die in Brühe gegart wird, weil der Teig dabei sein Aroma stärker entfaltet als beim Braten in der Pfanne.
Nährwerte (pro Portion, ca. 4 Maultaschen mit Brühe, Richtwerte)
| Nährstoff | Menge |
|---|---|
| Kalorien | ~490 kcal |
| Eiweiß | ~28 g |
| Kohlenhydrate | ~48 g |
| davon Zucker | ~4 g |
| Fett | ~18 g |
| Ballaststoffe | ~5 g |
Häufig gestellte Fragen
Kann man Maultaschen vorbereiten und einfrieren?
Ja, das ist sogar empfehlenswert. Die gefüllten, noch ungegarten Maultaschen auf einem bemehlten Tablett einfrieren, bis sie fest sind, dann in einen Gefrierbeutel umfüllen. Sie halten sich bis zu 3 Monate. Direkt aus dem Gefrierfach in die köchelnde Brühe geben – die Garzeit verlängert sich um etwa 5 Minuten.
Warum reißt der Dinkelteig beim Ausrollen?
Meistens liegt es an zu wenig Ruhezeit oder zu wenig Feuchtigkeit. Dinkelgluten ist wasserlöslicher als Weizengluten und reagiert empfindlicher auf Trockenstress. Reißt der Teig, wickeln Sie ihn in Folie, lassen Sie ihn weitere 15 Minuten ruhen und versuchen Sie es noch einmal. Die Arbeitsfläche nur minimal bemehlen – zu viel Mehl trocknet den Teig zusätzlich aus.
Welches Dinkelmehl eignet sich am besten?
Dinkelmehl Type 630 ist für Nudelteig die erste Wahl: hell genug, damit der Teig geschmeidig bleibt, aber mit mehr Mineralstoffen als Weißmehl. Type 812 funktioniert ebenfalls, ergibt aber einen etwas körnigeren, brüchigeren Teig. Vollkorn-Dinkelmehl ist für diesen Zweck nicht geeignet, da die Kleie das Klebergerüst unterbricht und sich der Teig nicht dünn ausrollen lässt.
Kann man die Füllung vegetarisch gestalten?
Das ist problemlos möglich. Ersetzen Sie das Hackfleisch durch eine Mischung aus 200 g braunen Champignons (fein gewürfelt, scharf angebraten) und 100 g geriebenem Hartkäse. Behalten Sie den Spinat und die Gewürze bei. Die Textur der Füllung ist dichter als beim Original – ein EL mehr eingeweichtes Brot sorgt für die nötige Bindung.
Maultaschen in Brühe oder in der Pfanne – was ist „richtiger“?
Beides ist traditionell, aber es sind zwei verschiedene Gerichte. In der Brühe („in der Brühe“) bleibt der Teig zart und saugt Aromastoffe auf; in der Pfanne mit Zwiebeln und Butter („g’schmelzte Maultaschen“) bekommt er eine gebräunte Kruste und einen nussigen Röstgeschmack. Der Dinkelteig eignet sich für beide Varianten, entwickelt seine nussige Note aber in der Brühe noch deutlicher.
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