Rasen im Mai: NABU erklärt, warum Mähen jetzt die Artenvielfalt in Ihrem Garten gefährdet
Aktualisiert am 25. April 2026
Der Rasenmäher steht bereit, das Wetter lädt ein – und doch warnt der Naturschutzbund Deutschland (NABU) ausdrücklich davor, im Mai zur Maschine zu greifen. Was viele Gartenbesitzer als Pflege verstehen, kann für die heimische Artenvielfalt verheerende Folgen haben. Blühende Wiesen, surrende Bienen, flatternde Schmetterlinge : all das hängt von einer einfachen Entscheidung ab – ob man mäht oder nicht.
Auswirkungen des Mähens auf die Biodiversität
Lebensräume werden zerstört
Jedes Mal, wenn der Rasenmäher über eine Wiese fährt, werden Lebensräume unwiederbringlich vernichtet. Blütenpflanzen, die Insekten als Nahrungsquelle dienen, verschwinden innerhalb von Minuten. Bodennahe Nester von Wildbienen, Hummeln oder Bodenbrütern werden zerstört, bevor die Tiere überhaupt eine Chance haben zu reagieren. Selbst Amphibien und Kleinsäuger, die sich im hohen Gras verstecken, sind durch rotierende Klingen akut gefährdet.
Verlust der Pflanzenvielfalt
Ein regelmäßig gemähter Rasen besteht fast ausschließlich aus Gräsern. Kräuter, Wildblumen und Kleearten, die für ein funktionierendes Ökosystem unerlässlich sind, haben keine Möglichkeit zu wachsen oder zu blühen. Mit der Zeit entsteht eine grüne Monokultur, die zwar ordentlich aussieht, biologisch jedoch nahezu wertlos ist. Der NABU betont, dass selbst kleine Gärten durch gezielte Maßnahmen zu wichtigen Refugien für bedrohte Arten werden können.
Die Folgen des häufigen Mähens sind also weitreichend – doch warum ist ausgerechnet der Mai besonders problematisch ?
Warum der Mai ein kritischer Monat ist
Höhepunkt der Blütezeit
Der Mai gilt als einer der artenreichsten Monate des Jahres. Löwenzahn, Gänseblümchen, Wiesensalbei und viele weitere Pflanzen stehen in voller Blüte und bieten Insekten eine unverzichtbare Nahrungsgrundlage. Wer in diesem Zeitraum mäht, schneidet nicht nur Pflanzen ab, sondern unterbricht aktive Bestäubungszyklen, die für die Fortpflanzung zahlreicher Arten entscheidend sind.
Brutzeit und Jungtieraufzucht
Gleichzeitig ist der Mai die Hochsaison der Brutzeit. Vögel wie die Feldlerche oder der Wiesenpieper brüten bodennah im hohen Gras. Igelbabys werden geboren, Hasen setzen ihre Jungen ab. Ein unachtsamer Mäheinsatz kann ganze Bruten vernichten. Der NABU empfiehlt deshalb, in diesem Monat besonders zurückhaltend zu sein und Mäharbeiten auf das absolute Minimum zu reduzieren.
Um zu verstehen, warum diese Vorsicht so wichtig ist, lohnt sich ein genauerer Blick auf die Tiere, die am stärksten betroffen sind.
Die Rolle der Insekten in unseren Gärten
Bestäuber als Grundlage des Ökosystems
Insekten sind keine Randerscheinung in unseren Gärten – sie sind das Fundament. Ohne Bienen, Hummeln, Schwebfliegen und Schmetterlinge findet keine Bestäubung statt. Das bedeutet : kein Obst, kein Gemüse, keine Samen. Der Rückgang der Insektenpopulationen in Deutschland ist seit Jahren dokumentiert und alarmierend. Studien belegen, dass die Biomasse fliegender Insekten in bestimmten Regionen um bis zu 75 Prozent zurückgegangen ist.
Insekten als Nahrungsquelle
Insekten ernähren nicht nur Pflanzen durch Bestäubung – sie selbst sind eine lebenswichtige Nahrungsquelle für viele andere Tiere. Vögel, Fledermäuse, Igel und Amphibien sind auf ein reiches Insektenangebot angewiesen. Wer also Insekten schützt, schützt gleichzeitig die gesamte Nahrungskette. Der eigene Garten kann dabei eine wichtige Rolle spielen, wenn er entsprechend gestaltet wird.
Doch was kann man konkret tun, wenn regelmäßiges Mähen keine Option mehr sein soll ?
Alternativen zum regelmäßigen Mähen
Die Methode des gestaffelten Mähens
Statt den gesamten Garten auf einmal zu mähen, empfiehlt sich ein gestaffeltes Vorgehen. Dabei wird der Garten in Zonen aufgeteilt : ein Teil wird regelmäßig gemäht, ein anderer bleibt über mehrere Wochen unberührt. Diese Methode erhält Blühbereiche und gibt Insekten sowie anderen Tieren stets einen Rückzugsort. Selbst kleine Flächen von wenigen Quadratmetern können einen spürbaren Unterschied machen.
Blühwiesen anlegen
Eine Blühwiese ist die einfachste und wirkungsvollste Alternative zum Einheitsrasen. Regionale Wildblumenmischungen, die im Fachhandel oder bei Naturschutzorganisationen erhältlich sind, bieten ein breites Nahrungsangebot für Insekten. Wichtig ist dabei, auf heimische Arten zu setzen, da diese von der lokalen Tierwelt besser angenommen werden als exotische Zierpflanzen.
Mähzeitpunkte anpassen
Wenn Mähen unumgänglich ist, sollte es zu den richtigen Zeiten erfolgen. Der NABU empfiehlt folgende Grundregeln :
- Nicht vor 10 Uhr morgens mähen, damit Insekten Zeit haben, aktiv zu werden
- Abends mähen, wenn Bienen ihre Stöcke bereits aufgesucht haben
- Gemähtes Gras einen Tag liegen lassen, damit Insekten flüchten können
- Auf Balkenmäher statt Rotationsmäher setzen, da diese weniger Tiere töten
Diese praktischen Maßnahmen lassen sich gut mit den konkreten Empfehlungen des NABU verbinden.
Tipps des NABU zur Förderung der Vielfalt
Den Garten naturnaher gestalten
Der NABU empfiehlt, schrittweise mehr Naturnähe in den eigenen Garten zu bringen. Das muss nicht bedeuten, alles wild wachsen zu lassen. Gezielte Maßnahmen reichen oft aus :
- Totholzhaufen anlegen als Unterschlupf für Käfer und Igel
- Steinhaufen oder Trockenmauern als Lebensraum für Eidechsen und Insekten
- Wasserstellen einrichten, damit Vögel und Insekten trinken können
- Auf Pestizide und chemische Düngemittel vollständig verzichten
Bewusstsein in der Nachbarschaft schaffen
Der NABU betont, dass individuelle Maßnahmen nur dann ihre volle Wirkung entfalten, wenn sie im größeren Kontext stattfinden. Wer Nachbarn, Vereine oder Kommunen für das Thema sensibilisiert, trägt dazu bei, zusammenhängende Lebensräume zu schaffen. Selbst Straßenränder, Schulhöfe oder Firmengelände können zu wertvollen Grünflächen werden, wenn der Mährhythmus angepasst wird.
Der Garten im Mai ist kein Ort, der Ordnung verlangt – er ist ein Ort, der Leben braucht. Wer den Rasenmäher im Schuppen lässt, schützt Bienen, Vögel und Pflanzen gleichermaßen. Die Artenvielfalt beginnt nicht in fernen Naturschutzgebieten, sondern direkt vor der eigenen Haustür. Kleine Entscheidungen im Alltag – wie das Aufschieben des nächsten Mäheinsatzes – können einen echten Beitrag leisten, wenn sie von möglichst vielen Menschen getroffen werden.
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