Spargel-Risotto: Alexander Herrmann verrät, warum kalte Brühe die Cremigkeit zerstört

Geschrieben von Barbara· 12 Min. Lesezeit
Spargel-Risotto: Alexander Herrmann verrät, warum kalte Brühe die Cremigkeit zerstört
Spargel-Risotto: Alexander Herrmann verrät, warum kalte Brühe die Cremigkeit zerstört

Der renommierte Sternekoch Alexander Herrmann lüftet ein entscheidendes Geheimnis für das perfekte Spargel-Risotto: die Temperatur der Brühe. Viele Hobbyköche begehen den Fehler, kalte Brühe zum Reis zu geben, was die gewünschte cremige Konsistenz unmöglich macht. Der Grund liegt in der Stärkefreisetzung: nur heiße Flüssigkeit aktiviert die Reisstärke optimal und sorgt für jene samtige Textur, die ein authentisches Risotto auszeichnet. Mit weißem und grünem Spargel wird dieses Frühlingsrezept zu einem kulinarischen Highlight, das Tradition und moderne Kochkunst vereint. Die Zubereitung erfordert Aufmerksamkeit und kontinuierliches Rühren, doch das Ergebnis rechtfertigt jeden Aufwand. Herrmanns Expertise garantiert ein Restaurant-Erlebnis in den eigenen vier Wänden.

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Zutaten

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Utensilien

Zubereitung

1. Vorbereitung des Spargels

Waschen Sie den weißen und grünen Spargel gründlich unter fließendem Wasser. Schälen Sie den weißen Spargel vom Kopf bis zum Ende mit einem Sparschäler (ein spezielles Küchenwerkzeug mit beweglicher Klinge zum Entfernen dünner Schalen) und entfernen Sie die holzigen Enden etwa 2 cm. Beim grünen Spargel genügt es, nur das untere Drittel zu schälen und die Enden zu kappen. Schneiden Sie die Spargelstangen in mundgerechte Stücke von etwa 3 cm Länge. Trennen Sie dabei die Köpfe ab, da diese später separat hinzugefügt werden. Diese Vorbereitung ist entscheidend für eine gleichmäßige Garzeit aller Spargelstücke.

2. Brühe erhitzen

Gießen Sie die Gemüsebrühe in einen separaten Topf und bringen Sie diese zum Kochen. Reduzieren Sie dann die Hitze, sodass die Brühe konstant heiß bleibt, aber nicht mehr sprudelnd kocht. Dies ist Alexander Herrmanns Schlüsseltipp: die Brühe muss während der gesamten Risotto-Zubereitung heiß bleiben. Kalte oder lauwarme Brühe würde den Kochprozess unterbrechen, die Stärkefreisetzung stoppen und eine cremige Konsistenz verhindern. Halten Sie eine Schöpfkelle bereit, um die Brühe portionsweise zum Reis zu geben.

3.

Schälen Sie die Schalotten und den Knoblauch und hacken Sie beides sehr fein. In einer großen Pfanne mit hohem Rand erhitzen Sie 2 Esslöffel Olivenöl und 20 g Butter bei mittlerer Hitze. Geben Sie die gehackten Schalotten hinzu und schwitzen Sie diese glasig an, was etwa 3 Minuten dauert. Fügen Sie den Knoblauch hinzu und braten Sie ihn weitere 30 Sekunden. Diese Basis nennt man Soffritto (italienische Aromabasis aus fein gehacktem Gemüse, die in Olivenöl oder Butter angeschwitzt wird) und sie bildet das geschmackliche Fundament Ihres Risottos.

4.

Geben Sie den Arborio-Reis in die Pfanne zu den Schalotten und rühren Sie ihn etwa 2 Minuten lang, bis die Körner leicht glasig werden und von der Fettschicht umhüllt sind. Dieser Vorgang heißt Tostatura (das Anrösten von Reis in Fett, wodurch die äußere Stärke versiegelt wird und der Reis seine Form behält). Sie werden hören, wie der Reis leicht knistert. Achten Sie darauf, dass nichts anbrennt, indem Sie kontinuierlich rühren. Dieser Schritt ist fundamental für die spätere Textur.

5.

Gießen Sie den trockenen Weißwein zum Reis und rühren Sie kräftig. Der Wein wird zischen und verdampfen, wobei er seine Aromen an den Reis abgibt. Lassen Sie den Alkohol vollständig verdampfen, bis die Flüssigkeit fast komplett absorbiert ist. Dies dauert etwa 2 bis 3 Minuten. Der Wein gibt dem Risotto eine angenehme Säure und Tiefe, die perfekt mit dem milden Spargel harmoniert.

6.

Nun beginnt der charakteristische Risotto-Prozess: geben Sie eine Schöpfkelle der heißen Gemüsebrühe zum Reis. Rühren Sie sanft, aber kontinuierlich mit einem Holzlöffel. Warten Sie, bis die Flüssigkeit fast vollständig vom Reis aufgenommen wurde, bevor Sie die nächste Kelle Brühe hinzufügen. Dieser Rhythmus ist essentiell: durch das schrittweise Zugeben und ständige Rühren wird die Stärke aus dem Reis gelöst, die später für die cremige Konsistenz sorgt. Reduzieren Sie die Hitze auf mittlere Stufe.

7.

Nach etwa 10 Minuten, wenn der Reis zur Hälfte gegart ist, fügen Sie die geschnittenen Spargelstücke hinzu, jedoch noch nicht die Köpfe. Geben Sie weiterhin Schöpfkelle für Schöpfkelle die heiße Brühe hinzu und rühren Sie beständig. Der Spargel gart nun zusammen mit dem Reis und gibt seine Aromen ab. Dieser gemeinsame Garprozess verbindet die Geschmäcker harmonisch. Achten Sie darauf, dass immer genügend Flüssigkeit vorhanden ist, der Reis aber nie in Brühe schwimmt.

8.

Nach weiteren 8 Minuten, wenn der Reis fast gar ist, geben Sie die zarten Spargelköpfe hinzu. Diese benötigen weniger Garzeit und würden bei zu langem Kochen zerfallen. Fügen Sie noch 2 bis 3 Schöpfkellen Brühe hinzu und rühren Sie weiter. Testen Sie die Konsistenz des Reises: er sollte al dente (bissfest, mit einem kleinen festen Kern in der Mitte) sein. Die gesamte Garzeit beträgt etwa 18 bis 20 Minuten.

9.

Nehmen Sie die Pfanne vom Herd. Jetzt kommt der entscheidende Schritt, den Alexander Herrmann besonders betont: die Mantecatura (das abschließende kräftige Rühren von Butter und Käse ins Risotto, wodurch eine cremige Emulsion entsteht). Geben Sie die restlichen 40 g kalte Butter in kleinen Stücken und den geriebenen Parmesan hinzu. Rühren Sie energisch für etwa 1 Minute, sodass eine cremige, wellige Konsistenz entsteht. Das Risotto sollte langsam auf dem Teller fließen, nicht fest sein. Reiben Sie etwas Zitronenschale darüber für frische Noten.

10.

Schmecken Sie das Spargel-Risotto mit Salz, frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer und einem Spritzer Zitronensaft ab. Die Säure der Zitrone hebt die Spargelaromen hervor und balanciert die Cremigkeit. Fügen Sie bei Bedarf noch einen Esslöffel heiße Brühe hinzu, falls das Risotto zu fest geworden ist. Servieren Sie das Risotto sofort auf vorgewärmten Tellern, denn Risotto wartet nicht. Garnieren Sie mit frisch gehobeltem Parmesan und einem Hauch Olivenöl.

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Tipp vom Chefkoch

Alexander Herrmanns Profi-Tipp: bewahren Sie die Spargelschalen auf und kochen Sie diese in der Gemüsebrühe mit. So intensivieren Sie das Spargelaroma im gesamten Gericht. Nach 15 Minuten Kochzeit sieben Sie die Schalen ab. Eine weitere Empfehlung betrifft die Rührgeschwindigkeit: zu hektisches Rühren zerstört die Reiskörner, zu seltenes Rühren verhindert die Stärkefreisetzung. Finden Sie einen gleichmäßigen, sanften Rhythmus. Die richtige Konsistenz erkennen Sie am 'all'onda'-Effekt: wenn Sie die Pfanne schwenken, sollte das Risotto in sanften Wellen fließen. Verwenden Sie niemals vorgekochten oder Parboiled-Reis, nur italienische Risotto-Sorten wie Arborio, Carnaroli oder Vialone Nano garantieren das authentische Ergebnis.

Weinempfehlung zum Spargel-Risotto

Ein trockener Weißwein aus der gleichen Region wie das Gericht harmoniert perfekt. Empfehlenswert ist ein Soave Classico aus Venetien mit seiner mineralischen Note und dezenten Frucht, der weder den feinen Spargelgeschmack überdeckt noch von der cremigen Textur erschlagen wird. Alternativ passt ein Grüner Veltliner aus Österreich mit seiner charakteristischen Pfefferwürze und Zitrusfrische ausgezeichnet. Für Liebhaber italienischer Weine bietet sich ein Verdicchio dei Castelli di Jesi an, dessen Mandelnoten die Butter-Parmesan-Komponente unterstreichen. Servieren Sie den Wein gut gekühlt bei 8 bis 10 Grad Celsius. Wer alkoholfreie Alternativen bevorzugt, wählt einen hochwertigen Spargelbrühe-Fond als Begleitung oder einen alkoholfreien Weißwein mit Säurestruktur.

Zusätzliche Info

Risotto gehört zu den Grundpfeilern der norditalienischen Küche, insbesondere in der Lombardei und im Piemont. Die Kombination mit Spargel ist eine saisonale Variante, die den Frühling zelebriert. Historisch wurde Risotto bereits im 14. Jahrhundert in der Po-Ebene zubereitet, wo der Reisanbau florierte. Alexander Herrmann, Sternekoch und Fernsehkoch, hat durch seine Auftritte in deutschen Kochshows die authentische italienische Risotto-Technik einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Seine Betonung der heißen Brühe basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen: Stärke verkleistert bei Temperaturen ab 60 Grad Celsius optimal. Kalte Brühe senkt die Temperatur im Topf drastisch, unterbricht die Stärkefreisetzung und verhindert die gewünschte cremige Bindung. Weißer Spargel dominiert in Deutschland, während grüner Spargel in Südeuropa bevorzugt wird. Die Kombination beider Sorten vereint optische Attraktivität mit geschmacklicher Komplexität.

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