Stunde der Gartenvögel vom 9. bis 11. Mai, nABU erklärt, wie 3 pflanzen mehr arten anlocken
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Jedes Jahr im Mai verwandeln sich Millionen von Gärten, Balkone und Parks in Deutschland zu lebendigen Beobachtungsposten. Vogelfreunde, Familien und Naturschützer richten ihren Blick in die Baumkronen und auf die Rasenflächen, um zu zählen, welche Vögel sich zeigen. Die „Stunde der Gartenvögel" ist längst mehr als ein einfaches Mitmachprojekt — sie ist ein wissenschaftliches Werkzeug, das dem NABU wertvolle Daten über den Zustand der heimischen Vogelwelt liefert. Wer teilnimmt, leistet einen konkreten Beitrag zum Naturschutz, ohne sein Zuhause verlassen zu müssen.
Einführung in die Veranstaltung „Stunde der Gartenvögel"
Was ist die „Stunde der Gartenvögel" ?
Die „Stunde der Gartenvögel" ist eine bundesweite Zählaktion, die jährlich im Mai stattfindet. Dabei werden die Teilnehmer gebeten, eine Stunde lang die Vögel in ihrem Garten, auf dem Balkon oder in einem Park zu beobachten und die höchste gleichzeitig gesichtete Anzahl jeder Art zu notieren. Die Ergebnisse werden anschließend an den NABU gemeldet, der daraus ein detailliertes Bild der Vogelentwicklung in Deutschland erstellt.
Ein Projekt mit langer Geschichte
Seit mehr als zwanzig Jahren organisiert der NABU diese Aktion gemeinsam mit dem LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern). Im Laufe der Jahre haben sich Hunderttausende von Menschen beteiligt, was die Veranstaltung zu einer der größten Bürgerwissenschaftsinitiativen Europas macht. Die gesammelten Daten ermöglichen es Wissenschaftlern, langfristige Trends in der Vogelwelt zu erkennen und gezielte Schutzmaßnahmen zu entwickeln.
Diese solide wissenschaftliche Grundlage macht deutlich, warum eine Teilnahme weit über den persönlichen Naturgenuss hinausgeht.
Warum an der Zählung der Gartenvögel teilnehmen ?
Ein Beitrag zur Wissenschaft aus dem eigenen Garten
Jede Meldung zählt. Wenn Tausende von Beobachtern gleichzeitig ihre Daten einreichen, entsteht ein einzigartiges Bild der Vogelverbreitung in Deutschland. Wissenschaftler können so erkennen, ob bestimmte Arten zunehmen oder abnehmen, ob neue Arten in Gebiete vordringen oder ob bekannte Vögel verschwinden. Ohne diese Bürgerbeteiligung wären solche flächendeckenden Erhebungen schlicht nicht möglich.
Sensibilisierung für die Natur vor der Haustür
Die Aktion hat auch einen pädagogischen Wert. Kinder und Erwachsene lernen, die Vogelwelt in ihrer unmittelbaren Umgebung wahrzunehmen. Wer einmal aufmerksam eine Stunde lang in den Garten schaut, entdeckt oft mehr Arten als erwartet — vom Haussperling über die Amsel bis zur Kohlmeise. Dieses Bewusstsein fördert langfristig eine naturfreundlichere Lebensweise.
Doch nicht nur die Beobachtung selbst ist entscheidend — auch die Gestaltung des Gartens spielt eine wichtige Rolle dabei, welche Arten überhaupt angelockt werden.
Die Pflanzen, die mehr Vogelarten anziehen
Heimische Gehölze als Grundlage
Der NABU empfiehlt drei besonders wirksame Pflanzengruppen, um mehr Vogelarten in den Garten zu locken. Erstens sind heimische Sträucher wie Holunder, Weißdorn und Schlehe unverzichtbar. Sie bieten nicht nur Nahrung in Form von Beeren, sondern auch Nistmöglichkeiten und Schutz vor Fressfeinden. Ein einzelner Holunderstrauch kann im Herbst Dutzende von Vögeln anziehen.
Wildblumenwiesen und Kräuterflächen
Zweitens empfiehlt der NABU die Anlage von Wildblumenwiesen oder zumindest kleinen Kräuterecken. Diese Flächen fördern Insekten, die wiederum die Hauptnahrungsquelle vieler Vogelarten darstellen. Besonders insektenfressende Arten wie Meisen, Rotkehlchen und Amseln profitieren direkt von einem reichen Insektenangebot im Garten.
Kletterpflanzen und dichte Hecken
Drittens sind dichte Hecken und Kletterpflanzen wie Efeu oder Clematis wichtige Strukturelemente. Sie bieten Nistplätze für bodennahe Brüter und Deckung für scheue Arten. Efeu ist dabei besonders wertvoll, da er auch im Winter Früchte trägt und damit eine Nahrungsquelle in der nahrungsarmen Jahreszeit bietet.
Der NABU als treibende Kraft hinter der Aktion stellt nicht nur Empfehlungen bereit — er engagiert sich auf vielen Ebenen für den Vogelschutz in Deutschland.
Die Rolle des NABU bei der Erhaltung der Vögel
Wissenschaft, Lobbying und Öffentlichkeitsarbeit
Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) ist eine der größten Naturschutzorganisationen des Landes. Im Bereich Vogelschutz arbeitet er auf mehreren Ebenen: Er führt wissenschaftliche Studien durch, setzt sich politisch für strengere Schutzmaßnahmen ein und informiert die Öffentlichkeit über den Zustand der Vogelwelt. Die „Stunde der Gartenvögel" ist dabei ein zentrales Instrument zur Datenbeschaffung.
Schutzprojekte für bedrohte Arten
Neben der Zählaktion betreibt der NABU konkrete Schutzprojekte für bedrohte Vogelarten wie den Weißstorch, den Kiebitz oder den Feldsperling. Diese Projekte umfassen die Anlage von Bruthabitaten, die Beratung von Landwirten und die Renaturierung von Feuchtgebieten. Jede Meldung bei der „Stunde der Gartenvögel" fließt in diese größeren Schutzstrategien ein.
Wer aktiv mitmachen möchte, muss sich zunächst über den Anmeldeprozess informieren.
Wie man sich anmeldet und an der Veranstaltung teilnimmt
Einfache Registrierung online
Die Teilnahme ist unkompliziert. Auf der Website des NABU können Interessierte ihre Beobachtungen direkt eintragen. Eine vorherige Registrierung ist möglich, aber nicht zwingend erforderlich. Das Online-Formular führt Schritt für Schritt durch den Meldeprozess und enthält Hilfestellungen zur Artbestimmung.
Ablauf der Zählung
Die Zählung selbst folgt klaren Regeln:
- Beobachtungszeit: genau eine Stunde
- Ort: Garten, Balkon, Park oder ein anderer naturnaher Bereich
- Methode: nur die höchste gleichzeitig gesichtete Anzahl jeder Art notieren
- Meldung: online über die NABU-Website oder per Post
Diese Regeln stellen sicher, dass die Daten vergleichbar und wissenschaftlich verwertbar sind.
Um die Zählung möglichst ergiebig zu gestalten, lohnt es sich, den Garten im Vorfeld vogelfreundlich zu optimieren.
Tipps zur Optimierung des Gartens für Vögel
Wasser und Nahrung bereitstellen
Eine flache Vogeltränke zieht viele Arten an und ist besonders in trockenen Sommermonaten wertvoll. Ergänzend können Vogelhäuschen mit artengerechtem Futter aufgestellt werden. Wichtig ist dabei, auf Mischungen ohne Zusatzstoffe zu setzen und die Futterstellen regelmäßig zu reinigen, um Krankheiten zu vermeiden.
Auf Pestizide verzichten
Der Verzicht auf chemische Pestizide ist eine der wirkungsvollsten Maßnahmen für mehr Vogelvielfalt. Insektizide vernichten die Nahrungsgrundlage vieler Vogelarten. Wer auf natürliche Schädlingsbekämpfung setzt, fördert automatisch das Insektenangebot und damit die Attraktivität des Gartens für Vögel.
Totholz und Steinhaufen belassen
Totholz, Laubhaufen und Steinhaufen sind wertvolle Lebensräume für Insekten und kleine Wirbellose, die wiederum Vögeln als Nahrung dienen. Was aufgeräumt wirkt, ist für die Natur oft ein Verlust. Ein naturnaher Garten muss nicht ungepflegt aussehen — er braucht nur strategisch platzierte Wildnisecken.
Die „Stunde der Gartenvögel" zeigt, dass Naturschutz keine Frage großer Ressourcen oder Fachkenntnisse ist. Mit heimischen Pflanzen wie Holunder, Weißdorn und Wildblumenwiesen, dem Verzicht auf Pestizide und einfachen Strukturelementen wie Hecken und Totholz kann jeder Garten zum Refugium für Vögel werden. Der NABU stellt dabei das wissenschaftliche Rückgrat bereit, das aus Millionen individueller Beobachtungen ein kohärentes Bild der deutschen Vogelwelt macht. Wer eine Stunde Zeit investiert, trägt zu einem Datenschatz bei, der den Vogelschutz in Deutschland langfristig stärkt.